Auswahl von Säuglingsnahrung bei erhöhtem Allergierisiko

Empfehlungen

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Baby
  • Nicht oder nicht ausschließlich gestillte Säuglinge, deren Eltern oder Geschwister von einer Allergie betroffen sind, sollten im 1. Lebenshalbjahr eine hydrolysierte Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) erhalten (mindestens bis zum Beginn des 5. Monats).
  • Säuglingsnahrungen auf der Basis von Sojaeiweiß oder Ziegenmilch sind nicht zur Allergievorbeugung geeignet; ebenso wenig Stuten- oder andere Tiermilchen.

Grundlage der Empfehlungen

Die Empfehlungen basieren auf der Leitlinie „Allergieprävention – Update 2014“ der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) [192], Empfehlungen und Stellungnahmen der DGKJ [69] sowie auf Aussagen von Fachgremien und -institutionen [63, 96].


Hintergrundinformationen

Die Leitlinie Allergieprävention und die oben genannten Fachgesellschaften und -institutionen empfehlen für nicht oder nicht ausschließlich gestillte Säuglinge, bei deren Eltern oder Geschwistern Allergien vorliegen, bis zur Einführung der Beikost die Verwendung einer geprüften HA-Nahrung [69, 192]. Die Evidenz gilt für die im Rahmen der multizentrischen German Infant Nutritional Intervention (GINI) Study getesteten Säuglingsnahrungen. Die Studie zeigte, dass Kinder mit familiärer Allergiebelastung bei Fütterung bestimmter in der Studie untersuchter Säuglingsnahrungen mit hydrolysiertem Eiweiß (sog. HA-Nahrung) im Vergleich zu einer herkömmlichen Säuglingsnahrung seltener ein Ekzem entwickelten [222, 221, 223]. Zu beachten ist, dass die in der GINI-Studie getesteten HA-Nahrungen in dieser Form auf dem deutschen Markt nicht mehr erhältlich sind [222].

In einer kürzlich veröffentlichten systematischen Übersichtsarbeit wurde kein Vorteil der Verwendung von HA-Nahrungen im Vergleich zu herkömmlicher Säuglingsanfangsnahrung berichtet [20]. Diese Arbeit lässt aber wegen methodischer Schwächen, u. a. bei der Auswahl der Studien und der Zusammenfassung von Ergebnissen verschiedener Proteinhydrolysate, keine belastbaren Schlussfolgerungen zu [137, 223]. Unter Berücksichtigung der vorliegenden Daten aus der GINI-Studie empfiehlt der wissenschaftliche Beirat weiterhin die Verwendung einer geprüften Säuglingsnahrung mit hydrolysiertem Eiweiß bei nichtgestillten Säuglingen mit familiärer Allergiebelastung.

Säuglingsnahrungen auf der Basis von Sojaeiweiß sind nicht zur Allergievorbeugung geeignet [172]. Vorteile von Säuglings(milch)nahrungen mit Zusatz von „Probiotika“ und/oder „Präbiotika“ zum Zweck der Allergievorbeugung sind nicht ausreichend belegt [69, 173, 192]. Um das Risiko für die Manifestation einer Allergie zu senken, sollten Eltern auch weitere vorbeugende Maßnahmen treffen (s. Abschn. Weitere Empfehlungen zur Allergieprävention).