Handlungsempfehlungen: Einleitung, Methodik, Hinweise

Einleitung

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Baby

In den für den Einfluss von Umgebungsfaktoren besonders sensiblen Lebensphasen Schwangerschaft, Säuglings- und Kleinkindalter werden Weichen für die langfristige Gesundheit des Kindes gestellt. Ernährung und Bewegung sind in der Schwangerschaft sowie im Säuglings- und Kleinkindalter von großer Bedeutung für die Gesundheit von Mutter und Kind. Das rasche Wachstum und die Entwicklung eines Kindes im 1. Lebensjahr stellen besondere Anforderungen an seine Ernährung. Wichtig sind dabei eine ausreichende Energie und Nährstoffversorgung, aber auch die Lebensmittelauswahl und -zubereitung sowie ihre Darreichungsform. Auch eine stillende Mutter sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten, u. a., weil sich ihre Nährstoffversorgung auf ihr Wohlbefinden und auf die Zusammensetzung der Muttermilch auswirken kann.

Die 2010 erstmals erschienenen bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter von „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ haben das Ziel, Eltern* und Fachkräften zuverlässige Informationen und Sicherheit bei Fragen zu Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen zu geben. Die Empfehlungen wurden von den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats – Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen und relevanter Fachinstitutionen – gemeinsam erarbeitet und im Konsens verabschiedet. Um sicherzustellen, dass die zuletzt 2013 erschienenen Empfehlungen weiterhin dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand entsprechen, wurden sie überprüft und liegen hier in einer aktualisierten und erweiterten Fassung vor.

Erweitert wurden die Empfehlungen zu Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter um Handlungsempfehlungen zum Essenlernen und zur Bewegungsförderung. Ausreichende Bewegung ist für die gesunde Entwicklung des Säuglings förderlich, und auch die stillende Mutter profitiert von einem körperlich aktiven Lebensstil. Durch die Empfehlungen zum Essenlernen wird verdeutlicht, wie Eltern ihr Kind unterstützen können, ein gesundheitsförderndes Essverhalten zu entwickeln. Dazu gehört, das Kind bei den Mahlzeiten zu begleiten und auf seine Signale einzugehen. Zeiten des Stillens, Fütterns und des gemeinsamen Essens am Tisch können genauso wie gemeinsame Spiel- und Bewegungszeiten die Bindung zwischen Eltern und Kind stärken.

Die Empfehlungen sollen dazu beitragen, die Gesundheit von Säuglingen kurz und langfristig zu fördern, das Allergierisiko zu reduzieren und eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung in Familien** früh zur Gewohnheit werden zu lassen. Sie können auch späteres Ernährungs- und Bewegungsverhalten positiv beeinflussen und damit langfristig Übergewicht und ernährungsabhängigen Krankheiten vorbeugen. Stillende Mütter sollen durch die Empfehlungen zu einer ausgewogenen Ernährung und ausreichenden Bewegung angeregt werden.

Entwicklung und Wachstum des Säuglings werden im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen beurteilt. Kinder- und Jugendärztinnen/Kinder- und Jugendärzte, Hebammen/Entbindungspfleger, Stillberaterinnen/Stillberater sowie Angehörige anderer Gesundheitsberufe sind Ansprechpartner bei Fragen zu Gesundheit, Ernährung und Entwicklung des Kindes.

Die vorliegenden Handlungsempfehlungen werden unterstützt von den Berufsverbänden der Frauenärzte, Hebammen und Kinder- und Jugendärzte (Berufsverband der Frauenärzte e.V. [BVF], Deutscher Hebammenverband e.V. [DHV], Berufsverband der Kinderund Jugendärzte e.V. [BVKJ]) sowie den wissenschaftlichen Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Die Handlungsempfehlungen sollen Fachkräften in der Beratung helfen und Eltern verlässliche Informationen zu Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Müttern an die Hand geben. Fachkräfte sollen Eltern ihre Vorbildrolle und Verantwortung bewusst machen, ohne sie dabei unter Druck zu setzen. Vielmehr sollten die Eltern befähigt werden, ihre eigenen Möglichkeiten und Ressourcen zu nutzen und praktikable Wege zur Umsetzung der Empfehlungen zu erkennen, zu nutzen und eigenständige Entscheidungen zu treffen.

*   Der Begriff „Eltern“ steht in den Handlungsempfehlungen für alle wichtigen Bezugspersonen des Kindes.
** Der Begriff „Familie“ umschließt alle Lebensgemeinschaften, in denen Säuglinge zu Hause sind.


Methodisches Vorgehen

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Team sitzt am Tisch

Für die vorliegende Aktualisierung der Handlungsempfehlungen wurden 2015 die Empfehlungen von relevanten Fachorganisationen und Institutionen zu Ernährung, Gesundheit, Nahrungsmittelallergien sowie Bewegung von Stillenden und Kindern im 1. Lebensjahr durchgesehen und auf ihre Aktualität geprüft. Dazu gehören Empfehlungen und Aussagen folgender Organisationen und Institutionen: American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG, USA), Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Clinical Practice Obstetrics Committee (Kanada), Cochrane Library, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA), European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN), Forschungsinstitut für Kinderernährung e.V. (FKE), Institute of Medicine (IOM, USA), Nationale Stillkommission am BfR, The National Institute for Health and Care Excellence (NICE, UK), National Association for Sport and Physical Education (NASPE, USA), Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG), Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA), Weltgesundheitsorganisation (WHO) u. a. Ergänzend wurden Metaanalysen, systematische Übersichtsarbeiten, Leitlinien sowie einschlägige andere Publikationen recherchiert und bewertet. Dabei wurde keine systematische Recherche und Evidenzbewertung durchgeführt. Die nach intensiver Diskussion formulierten Aussagen entsprechen deshalb dem Evidenzniveau einer Expertenempfehlung. Ihre Formulierungsweise wurde weitgehend an die von Leitlinien angelehnt, wobei „soll“ auf eine starke und „sollte“ auf eine mäßig starke Empfehlung hinweist.

Neu ist, dass die Handlungsempfehlungen im Rahmen dieser Aktualisierung jeweils um einen Abschnitt ergänzt wurden, in dem die Grundlagen für die einzelnen Empfehlungen dargelegt werden. Damit soll ihre Herleitung transparent und nachvollziehbar gemacht werden. Außerdem werden – wie auch in den bisherigen Fassungen der Handlungsempfehlungen – relevante Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis der einzelnen Empfehlungen und/oder zur praktischen Umsetzung der Empfehlungen gegeben.


Hinweise

Die hier beschriebenen Handlungsempfehlungen beziehen sich auf das Säuglingsalter, also das 1. Lebensjahr des Kindes, sowie auf die mütterliche Ernährung und Bewegung während der Stillperiode. Eine Übertragung der Empfehlungen auf andere Lebensphasen, z. B. auf das Kleinkindalter, oder auf Regionen außerhalb Deutschlands ist von den Autorinnen und Autoren nicht beabsichtigt. Die Empfehlungen gelten für gesunde, reif geborene, in Deutschland lebende Säuglinge im häuslichen Bereich und in vielerlei Hinsicht auch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krippen und Kindertagesstätten. Jedoch müssen in Gemeinschaftseinrichtungen beim Umgang mit Lebensmitteln und bei der Zubereitung von Speisen und Getränken – insbesondere beim Umgang mit Muttermilch und der Zubereitung von industriell hergestellter Säuglingsnahrung – besondere Vorgaben zur Hygiene beachtet werden.


Unmissverständliche Zeitangaben gefordert

Bei Empfehlungen zur Ernährung im 1. Lebensjahr sind unmissverständliche Zeitangaben wichtig, damit die Empfehlungen von Eltern richtig umgesetzt werden. Deshalb fordert der wissenschaftliche Beirat des Netzwerks Gesund ins Leben unmissverständliche Zeitangaben. So ist z. B. die Formulierung „ab/mit Beginn des 5. (Lebens)Monats“ klar und eindeutig, während „mit 4 Monaten“ missverständlich sein kann.