Auswahl von Säuglingsmilchnahrung

Empfehlungen zur Auswahl von Säuglingsmilchnahrungen

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Frau liest Produktkennzeichnung
  • Wenn nicht oder nicht voll gestillt wird, soll das Baby eine industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung erhalten.
  • Säuglingsanfangsnahrungen (Pre- oder 1-Nahrungen) sind zur Fütterung von Geburt an und für das gesamte 1. Lebensjahr geeignet. Sie können nach Bedarf des Kindes gefüttert werden.
  • Wenn Folgenahrung (2-Nahrung) verwendet wird, soll sie frühestens mit Beginn der Beikostfütterung eingeführt werden.
  • Zur Wirkung von Probiotika (Milchsäure bildende Bakterien) und Präbiotika (nicht verdauliche Kohlenhydrate), die gesundheitsfördernde Effekte auf das Kind ausüben sollen, liegen widersprüchliche Ergebnisse vor. Vorteile der Zugabe von Pro- und Präbiotika zu Säuglingsnahrungen sind derzeit nicht zweifelsfrei belegt.
  • Die Säuglingsmilchnahrung soll nicht aus Milch oder anderen Rohstoffen selbst hergestellt werden.
  • Spezialnahrungen für Säuglinge sollen nur nach Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt gefüttert werden.

Hintergrund

Wenn die Mutter nicht stillen kann oder möchte, bekommt der Säugling industriell hergestellte Fertigmilch. Die Unterscheidung von Säuglingsanfangs- und Folgenahrung wird in den Handlungsempfehlungen deutlich. Die Fachgesellschaften DGE und DGKJ sowie das FKE stimmen in ihren Empfehlungen überein. Sowohl DGE als auch FKE betonen aber ausdrücklich, dass Folgenahrung nicht notwendig ist. Auch nach der EG-Richtlinie 2006/141/EG [1] ist die Verwendung von Folgenahrung an die Beikost gekoppelt. Gemäß Artikel 13 (1) b dieser Richtlinie vom 22.12.2006 über Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung muss die Etikettierung bei Folgenahrung die Angabe enthalten „dass sich das Erzeugnis nur für die besondere Ernährung von Säuglingen ab einem Alter von mindestens sechs Monaten eignet und nur Teil einer Mischkost sein soll, dass es nicht als Ersatz für die Muttermilch während der ersten sechs Lebensmonate verwendet werden soll.“

Darüber hinaus führt die Richtlinie aus, „dass die Entscheidung, mit der Verwendung von Beikost zu beginnen, einschließlich des ausnahmsweisen Beginns bereits in den ersten sechs Monaten, nur auf den Rat unabhängiger Fachleute auf dem Gebiet der Medizin, der Ernährung oder der Arzneimittel bzw. anderer für Säuglings- und Kinderpflege zuständiger Personen und unter Berücksichtigung der Wachstums- und Entwicklungsbedürfnisse des einzelnen Säuglings getroffen werden soll“ [1].

Folgenahrung kann somit – zusammen mit Beikost – unter den genannten Bedingungen früher gegeben werden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine verbindliche Vorgabe von „6 Monaten“ – also nicht vor Beginn des 7. Monats – laut Ansicht der Experten/-innen nicht erforderlich. Aufgrund der EFSA-Bewertung zum geeigneten Einführungszeitpunkt der Beikost [2] erwarten sie eine Harmonisierung der gesetzlichen Regelungen. Die Aussagen zu Pro- und Präbiotika in den Kernaussagen gelten sowohl im Hinblick auf Allergie- als auch auf Infektionsprophylaxe. Die Empfehlungen von DGE, DGKJ und FKE stimmen überein.

Unter Spezialnahrung ist z. B. Spezialnahrung bei Spuckneigung oder Spezialnahrung mit Sojaeiweiß zu verstehen. Sie nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt zu verwenden, ist unter den Fachgesellschaften (DGE, DGKJ [3]) und dem FKE Konsens.

Säuglingsmilchnahrung fertig zu kaufen und nicht selbst herzustellen, wird von den Fachgesellschaften DGE und DGKJ sowie dem FKE empfohlen. Gründe sind die hohe renale Molenlast einer mit Kuhmilch selbst hergestellten Säuglingsmilch, ein unausgewogener Nährstoffgehalt sowie erhöhte Risiken für Magen-Darm-Infektionen und für eine abnorme Gewichtsentwicklung. Die Säuglinge gedeihen nach Ansicht der Experten/-innen mit einer selbst hergestellten Milchnahrung nicht so gut. Die Empfehlung, die Säuglingsmilchnahrung nicht selbst herzustellen, gilt für alle Milcharten (Kuh-, Ziegen-, Schafs-, Stutenmilch) sowie für andere Rohstoffe, wie Mandeln oder Soja.