Dauer des ausschließlichen Stillens

Empfehlungen zur Stilldauer

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Lachendes Baby mit Frau
  • Im 1. Lebenshalbjahr sollten Säuglinge gestillt werden, mindestens bis zum  Beginn des 5. Monats ausschließlich. Das gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko.
  • Auch nach Einführung der Beikost – spätestens mit Beginn des 2. Lebenshalbjahres – sollten Säuglinge weiter gestillt werden. Die Stilldauer insgesamt bestimmen Mutter und Kind.

Hintergrund

Zur Frage der empfehlenswerten Dauer des ausschließlichen Stillens sprechen sich DGE, DGKJ und FKE für eine Dauer  von 4–6 Monaten (bis zum Beginn des 5. bzw. des 7. Monats) aus. In der Bewertung des wissenschaftlichen Beirates ist diese Empfehlung wissenschaftlich gut begründet.

In der S3-Leitlinie Allergieprävention [1] 2009 wird das ausschließliche Stillen über 4 Monate empfohlen, für eine Empfehlung zu längerem ausschließlichen Stillen fehlen gesicherte Daten. Eine Verzögerung der Beikosteinführung über den Beginn des 5. Lebensmonats hinaus kann aus Sicht der Allergieprävention nicht empfohlen werden (Empfehlungsklasse A). Die ESPGHAN ("European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition") empfiehlt eine Beikosteinführung nicht vor der 17. Woche und nicht später als nach der 26.und unterstützt damit ebenfalls die Empfehlung zum ausschließlichen Stillen für die Dauer von 4–6 Monaten [2].

WHO und UNICEF ("United Nations International Children’s Emergency Fund") empfehlen für Populationen weltweit, 6 Monate ausschließlich und nach der Einführung von Beikost bis mindestens bis zum Alter von 2 Jahren weiter zu stillen, nicht zuletzt auch im Hinblick auf den in Populationen armer Länder besonders wichtigen Schutz vor Infektionserkrankungen durch das Stillen [3]. Dabei weist die Expertengruppe der WHO jedoch auch darauf hin, dass für Subgruppen durch eine Beikosteinführung erst mit dem Beginn des 7. Lebensmonats das Risiko einer Unterversorgung entstehen kann [4].

Der wissenschaftliche Beirat unterstützt ausdrücklich die WHO-Empfehlungen für ein ausschließliches Stillen über 6 Monate mit weiterem Stillen danach für Populationen armer Länder, die durch die Einführung von Beikost oder Flaschennahrung einem stark erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Im Hinblick auf europäische Säuglinge wird in der wissenschaftlichen Stellungnahme der EFSA [5] eine Beikosteinführung zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Monats empfohlen. Neben den Gesichtspunkten der Nährstoffversorgung berücksichtigte die EFSA dabei auch die verfügbaren Daten zum Zusammenhang zwischen der Beikosteinführung und späteren Krankheitsrisiken, insbesondere dem Risiko für Zöliakie und für Diabetes mellitus Typ 1. Die schrittweise Einführung von Gluten zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Lebensmonats, vorzugsweise wenn noch gestillt wird, wurde mit einem geringeren Risiko für diese Erkrankungen verbunden.

Eine Metaanalyse von 6 Fall-Kontroll-Studien zeigte ein um die Hälfte vermindertes Risiko für Zöliakie, wenn Gluten mit der Beikost eingeführt wird, so lange noch gestillt wird [6]. Neuere Daten aus Bayern ergaben, dass im 6. Monat nur noch 52% der Kinder gestillt werden [7]. Würde eine Einführung der Beikost erst ab Beginn des 7. Monats empfohlen, müssten demzufolge knapp die Hälfte der bayerischen Säuglinge die Zeit bis zum empfohlenen Beikoststart mit Säuglingsmilchnahrung „überbrücken“. Die oben angeführte risikomindernde Maßnahme würde diese Kinder nicht erreichen.

Die Stillempfehlung „4–6 Monate ausschließlich“ trägt der individuell unterschiedlichen Entwicklung der Kinder Rechnung und ist wissenschaftlich belegt. Der wissenschaftliche Beirat plädiert dafür, diese Aspekte in der Schulung von Multiplikatoren/-innen aufzugreifen.