Nährstoffsupplemente im 1. Lebensjahr

Empfehlungen

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Baby
  • Jeder Säugling soll zusätzlich zur Muttermilch oder Säuglings(milch)nahrung Vitamin K, Vitamin D und Fluorid erhalten.
  • Es sollen 3-mal 2 mg Vitamin K als Tropfen bei den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3 gegeben werden. Alternativ kann das Vitamin in besonderen Situationen einmalig durch eine Vitamin-K-Injektion ärztlich verabreicht werden.
  • Es sollen täglich 400–500 IE (10–12,5 μg) Vitamin D als Tablette oder Tropfen bis zum erlebten 2. Frühsommer, d. h. je nach Geburtszeitpunkt für etwa 12 bis 18 Monate, gegeben werden, bis eine stärkere Vitamin-D-Eigensynthese bei Sonnenlichtexposition erfolgt.
  • Kombiniert mit der Vitamin-D-Gabe sollen täglich 0,25 mg Fluorid zur Kariesprophylaxe gegeben werden. Bei einer in Deutschland selten vorliegenden erhöhten Fluoridkonzentration im Trinkwasser über 0,3 mg/l soll eine Dosisanpassung erfolgen. Wenn das Trinkwasser mehr als 0,7 mg Fluorid/l enthält, sollen keine Fluoridsupplemente gegeben werden. Die Fluoridgabe soll so lange fortgesetzt werden, bis im Kleinkindalter die altersgerechte Anwendung einer fluoridhaltigen Zahnpasta erfolgen kann.

Grundlagen der Empfehlungen

Um einem Mangel an Vitamin K und Vitamin D vorzubeugen, empfehlen nationale Fachgesellschaften und -institutionen die Supplementierung dieser Vitamine im 1. Lebensjahr [99]. Von pädiatrischen und Ernährungsfachgesellschaften wird zudem eine systemische Fluoridgabe zur Kariesprophylaxe empfohlen [49, 68, 69, 73, 99].


Hintergrundinformationen

Da Neugeborene keine ausreichenden Vitamin-K-Speicher besitzen und der Vitamin-K-Gehalt der Muttermilch niedrig ist [49], sind sie auf eine schnelle Vitamin- K-Zufuhr nach der Geburt angewiesen. Von der DGKJ wird die 3-malige orale Gabe von 2 mg Vitamin K empfohlen [68]. Diese Form der Prophylaxe konnte das Risiko von Vitamin-K-Mangel-Blutungen bei Säuglingen in Deutschland deutlich reduzieren, wie Erhebungen in den Jahren 1997 bis 2002 zeigten. Bei reif geborenen Säuglingen in schlechtem Allgemeinzustand, Verdacht auf Resorptionsstörungen oder bei Zweifeln an der Durchführbarkeit der 3-maligen oralen Vitamin-K-Gabe sowie bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g kann Vitamin K einmalig durch eine Injektion ärztlich verabreicht werden [68].

Der Großteil des Vitamin-D-Bedarfs wird normalerweise über die endogene Vitamin-D-Synthese in der Haut unter dem Einfluss von Sonnenlicht abgedeckt. Säuglinge sollten jedoch aufgrund ihrer empfindlichen Haut nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden [145]. Die Vitamin-D-Gehalte in Muttermilch und Säuglings(milch)nahrung sind meist gering [49].

Fluoride wirken sowohl in Form von fluoridhaltiger Zahnpasta als auch in Supplementform [51] kariesprotektiv. Die Höhe der Supplementierung richtet sich nach dem Fluoridgehalt im Trinkwasser, der in Deutschland meist unter 0,3 mg/l beträgt [49]. Der Grenzwert für die maximale Zufuhr aus allen Quellen (Wasser, Zahnpasta, Nahrung) beträgt 0,1 mg/kgKG [49]. Die topische Fluoridanwendung mit fluoridierter Kinderzahnpasta ab dem Durchbruch des 1. Milchzahns, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK, [51]) empfiehlt, wird von Kinder- und Jugendärzten in Deutschland nicht unterstützt, da Kinder in diesem Alter die Präparate noch nicht zuverlässig ausspucken können. Diese Fähigkeit ist imAlter von 4 Jahren erreicht [130]. Kinderzahnpasten haben einen Fluoridgehalt von 500 ppm (0,5 mg/g) oder weniger. Eine kariesprotektive Wirkung wurde jedoch erst bei einer Fluoridkonzentration über 1000 ppm nachgewiesen [130, 227].