Allergische und nichtallergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Empfehlungen

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  • Der Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit allein rechtfertigt keinen längerfristigen Ausschluss von Nahrungsmitteln aus der Ernährung. Dieser kann Kinder erheblich belasten und ihrer Gesundheit schaden und soll nur auf Grundlage einer gesicherten ärztlichen Diagnose erfolgen.
  • Eine diätetische Behandlung bei Neurodermitis ist nur bei nachgewiesener Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln gerechtfertigt.
  • Liegt eine Nahrungsmittelallergie vor, muss das unverträgliche Lebensmittel bzw. der Lebensmittelinhaltsstoff vollständig gemieden werden.* Die verbleibende Ernährung sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein. Sie muss den altersentsprechenden Bedarf an Energie und Nährstoffen decken. Die Ernährungstherapie erfolgt unter fachlicher Beratung.

* Bei einer nichtallergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit (z. B. bei einer Laktoseintoleranz) wird eine gewisse, individuell unterschiedliche Menge des betreffenden Lebensmittelinhaltsstoffs toleriert.


Hintergrund

Die Häufigkeit einer gesicherten Kuhmilchallergie liegt bei 2–3% im Säuglings- und Kleinkindalter [1], für Nahrungsmittelallergien im Kleinkindalter insgesamt bei etwa 4% [2, 3, 4]. Neben Kuhmilch sind Hühnerei, Erdnuss, Weizen und Soja häufige Auslöser für allergische Reaktionen im Säuglings- und Kindesalter [2, 4]. Nichtallergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten, bei denen beispielsweise Zusatzstoffe allergieähnliche Symptome auslösen, kommen bei Kleinkindern sehr selten vor. Bei Kleinkindern mit atopischer Dermatitis sind etwa 33–50% von einer Nahrungsmittelallergie betroffen. Zucker spielt als Schubfaktor jedoch keine Rolle [5].

Viele Nahrungsmittelallergien verlieren sich bis zum Schulalter [2]. Etwa 75% der Kinder mit Kuhmilchallergie weisen im Alter von 2 Jahren eine Toleranz auf, bis zum Schulalter sind dies 90% [1]. Bei der Hühnereiallergie tolerieren bis zu 70% der betroffenen Kinder bis zum Schulalter das Lebensmittel, bei Erdnussallergie entwickeln rund 20% eine Toleranz [6].

Eine diätetische Intervention ist nur gerechtfertigt, wenn eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zweifelsfrei nachgewiesen ist. Gesicherte Methoden zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind Anamnese, Elimination und Provokation mit den verdächtigten Lebensmitteln sowie ggf. Hauttest bzw. In-vitro-Test auf IgE-Antikörper. Welche diagnostischen Methoden individuell notwendig sind, empfiehlt der betreuende Arzt.

Hinweis. Ungeeignete Methoden zur Bestimmung einer allergischen und nichtallergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit sind u. a.: Bestimmungen von IgG und IgG4, Bioresonanz, Kinesiologie, Elektroakupunktur, zytotoxischer Lebensmitteltest, Lymphozytentransformationstest, Vegatest, Irisdiagnostik, Haaranalysen, Pendeldiagnostik.

Bei einer allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit muss das Allergen vollständig gemieden werden. Allerdings ist – aufgrund der häufigen Toleranzentwicklung – bei der Mehrzahl der Kinder mit Nahrungsmittelallergien nur ein vorübergehender Ausschluss des Allergens erforderlich. Eine Wiedereinführung des gemiedenen Lebensmittels (z. B. nach 6–12 Monaten) sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Eine Einschränkung der Lebensmittelauswahl kann zu erheblichen sozialen Belastungen für das Kind führen und – bei einer ungenügenden Zufuhr an lebenswichtigen Nährstoffen – gesundheitsgefährdend sein [7, 8]. Die Ernährungstherapie sollte unter fachlicher Beratung erfolgen [9], um ausgeschlossene Lebensmittel hinsichtlich der Nährstoffzufuhr adäquat zu ersetzen. Liegt eine Neurodermitis vor, sollten Eltern zur Teilnahme an spezifischen Schulungsprogrammen motiviert werden, die dem komplexen Krankheitsbild Rechnung tragen.

Eine gesicherte Diagnose ist auch Voraussetzung für eine diätetische Intervention bei Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), einem Entwicklungsphänomen, bei dem die Aktivität des Enzyms Laktase nach dem Abstillen sinkt. Kleinkinder von 2–3 Jahren sind i.d.R. noch nicht davon betroffen [10, 11]. Aber auch wenn eine Laktoseintoleranz vorliegt, werden kleine Mengen Laktose toleriert und ein vollständiger Ausschluss von Milch und Milchprodukten ist nicht nötig.

Zöliakie wird durch das Getreideprotein Gluten (z. B. in Roggen, Weizen, Dinkel, Gerste, Hafer) und verwandte Proteine bei Menschen mit einer genetischen Prädisposition ausgelöst und geht mit einer Atrophie der Dünndarmschleimhaut einher. Etwa 0,7% der Kinder sind von einer Zöliakie betroffen [12]. Eine dauerhafte glutenfreie Ernährung ist bei gesicherter Diagnose (Bestimmung spezifischer Antikörper, Untersuchung der Dünndarmschleimhaut) erforderlich [13].

Hinweise zum Umgang mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Kindertageseinrichtungen gibt der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder [14] sowie das Curriculum Gesundheitsförderung (www.kinder-gesund-betreut.de).