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Ernährungsweise

Kleinkind isst mit Mutter
Oksana Kuzmina / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Familienernährung kann der Bedarf des Kleinkindes gedeckt werden. Kleinkinder können und sollen an den Mahlzeiten der Familie teilnehmen.
  • Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Familienernährung enthält:
  • reichlich Getränke: am besten Wasser oder andere ungesüßte/zuckerfreie Getränke
  • reichlich pflanzliche Lebensmittel: Gemüse, Obst, Getreide/-produkte, Kartoffeln
  • mäßig tierische Lebensmittel: Milch/-produkte, Fleisch, Fisch, Eier
  • sparsam Zucker und Süßigkeiten, Salz und Fette mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren sowie Snackprodukte
  • Eine ausgewogene Ernährung gesunder Kleinkinder ist ohne spezielle Produkte möglich.
  • Nüsse, Mandeln und andere harte Lebensmittelstücke in „Erdnussgröße“ bergen Aspirationsgefahr (Verschlucken in die Luftröhre) und sollten für Kleinkinder nicht zugänglich sein.

Hintergrund

Mit etwa 1 Jahr ist die Umstellung von der Säuglingsernährung auf normale Kost abgeschlossen und das Kleinkind kann am Familienessen teilnehmen [1]. Untersuchungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung deuten auf einen Trend zu verlängerter Flaschenfütterung hin, sodass die Einführung der Familienkost häufig später als empfohlen erfolgt [2].

Kleinkinder brauchen pro Kilogramm Körpergewicht mehr Energie als ältere Kinder und Jugendliche, aber der empfohlene Nährstoffgehalt pro 100 Kilokalorien benötigter Energie ist ähnlich [3]. Deshalb ist eine ausgewogene Familienernährung auch für Kleinkinder geeignet, allerdings in altersgerechten Mengen und Zubereitungen [4, 5].

Die empfohlene Gewichtung unterschiedlicher Lebensmittelgruppen mit reichlichem Verzehr von ungesüßten/zuckerfreien Getränken und pflanzlichen Lebensmitteln, mäßigem Verzehr von tierischen Lebensmitteln und sparsamer Verwendung von Lebensmitteln, die reich an Zucker, Salz und/oder gesättigten Fettsäuren sind, entspricht nationalen und internationalen Empfehlungen [6, 7, 8] und steht auch im Einklang mit dem Konzept der optimierten Mischkost [9]. Dieses beinhaltet Orientierungswerte für altersgemäße Verzehrmengen der einzelnen Lebensmittelgruppen, die so entwickelt wurden, dass bei Beachtung der Empfehlungen die Referenzwerte für die Energie- und Nährstoffzufuhr erreicht werden [10]. Zwar sind dazu insgesamt nur mäßige Mengen tierischer Nahrungsmittel notwendig, aber in der Beratung der Eltern sollte deutlich gemacht werden, dass Milch/-produkten mengenmäßig gegenüber Fleisch und Wurst der Vorzug gegeben werden sollte.

Studien zeigen, dass Kleinkinder in Deutschland im Durchschnitt weniger Gemüse, Brot, Beilagen (Kartoffeln, Reis und Nudeln) und Fisch, aber mehr Fleisch, Wurst und Eier essen, als empfohlen wird. Der Verzehr von Süßigkeiten liegt wesentlich höher, als empfohlen wird [11, 12]. Milch und Milchprodukte werden im Mittel in der empfohlenen Menge verzehrt [12]. Die Zufuhr gesättigter Fettsäuren liegt über und die Zufuhr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren unter den Empfehlungen [12]. Da mehrfach ungesättigte Fettsäuren für die Gesundheit und Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung sind [13], sollten bei der Zubereitung von Speisen pflanzliche Öle (z. B. Rapsöl) verwendet und 1–2 Portionen Fisch pro Woche verzehrt werden, davon einmal fettreicher Meeresfisch.

Kleinkinder haben ein höheres Aspirationsrisiko. Sie nehmen häufig Gegenstände in den Mund, reden während des Kauens, und ihr Kauvermögen ist durch das Fehlen der Backenzähne noch stark eingeschränkt [14, 15]. Kleine runde Lebensmittel, wie Nüsse, Samen, Beeren, Hülsenfrüchte, sind die am häufigsten in die Luftröhre verschluckten Fremdkörper [15]. Rohes Wurzelgemüse (im Ganzen oder in Stücken), Fisch mit Gräten, harte Lutschbonbons, ganze Weintrauben mit Kernen oder große Fleischstücke können leicht aspiriert werden [16], ebenso die Kügelchen von Bubble Tea [17] oder Kaugummi. Daher sollten Kleinkinder diese Lebensmittel nicht verzehren.

Eine ausgewogene Ernährung von Kleinkindern kann ohne Fertigprodukte erfolgen. Diese können aber Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung des Kleinkindes sein. Bei der Auswahl sollten die in Tab. 1 genannten Kriterien beachtet werden. Im Handel sind Beikostprodukte, Kleinkinderlebensmittel und sog. Kinderlebensmittel erhältlich. Beikostprodukte und speziell für Kleininder angebotene Lebensmittel (Angabe „1–3 Jahre“) fallen unter die Bestimmungen der Diätverordnung. Dazu zählen z. B. Beikostmenüs für warme Mahlzeiten. Anhand der jeweiligen Zusammensetzung lassen sich die Fertigprodukte beurteilen. So kann beispielsweise ein Beikostmenü, das die in Tab. 2genannten Hauptkomponenten enthält, eine Alternative zu einer ausgewogenen selbst zubereiteten Mahlzeit sein. Kuhmilch ist für Kleinkinder ein wertvolles Lebensmittel. Spezielle Milchgetränke sind für eine ausgewogene Ernährung von Kleinkindern grundsätzlich nicht notwendig [18]. Wenn Kindermilchgetränke gegeben werden, sollten Produkte gewählt werden, die sich an den Empfehlungen zur Zusammensetzung für Kleinkindermilchgetränke der DGKJ orientieren [18]. So genannte Kinderlebensmittel, die nur aufgrund ihrer Verpackung oder Gestaltung Kinder ansprechen, müssen nicht der Diätverordnung folgen. Viele dieser Kinderlebensmittel enthalten übermäßig Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren oder Salz und sind daher im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung allenfalls sparsam zu verzehren.

Die DONALD-Studie zeigt, dass Kinder mit einem hohen Verzehr von Convenience-Food (z. B. Fertigpizza) eine geringere Vitamin- und Mineralstoffzufuhr aufweisen [19]. Eine hohe Salzaufnahme wird mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck assoziiert [20]. Ein hoher Salzgehalt im Essen führt zu einer höheren Verzehrmenge [21], was bei energiedichten Lebensmitteln im Hinblick auf das Übergewichtsrisiko unerwünscht ist. Haushaltssalz soll nur sparsam verwendet werden. Eine Supplementierung mit Vitaminen und Mineralstoffen sollte nur auf medizinischen Rat in Abstimmung mit dem Kinder- und Jugendarzt erfolgen. Das betrifft z. B. Vitamin D, das unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet wird und für das bei geringer Sonnenlichtexposition, dunkler Hautpigmentierung oder einer strikt veganen Ernährung ein erhöhtes Risiko für einen Mangel besteht [22].

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Literatur

[1] Fleischer Michaelsen K, Weaver L, Branca F, Robertson AI (2003) Feeding and nutrition of infants and young children. Guidelines for the WHO European Region, with emphasis on the former Soviet countries. WHO regional publications, European series No. 87. http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0004/98302/WS_115_2000FE.pdf Zugegriffen: 25. April 2013 (PDF)

[2] Foterek K, Cheng G, Kersting M, Alexy U (2012) Gibt es einen Trend zur Fortführung der speziellen Säuglingsernährung ins Kleinkindalter? Ernähr Umschau 59:442–447

[3] Dovey TM, Staples PA, Gibson EL, Halford JC (2008) Food neophobia and ‚picky/fussy‘ eating in children: a review. Appetite 50:181–193

[4] Kersting M, Hilbig A (2012) Ernährung bei Kleinkindern: Empfehlungen und Ernährungspraxis. J Ernährungsmed 14:24–29

[5] Kersting M, Alexy U, Clausen K (2005) Using the concept of food based dietary guidelines to develop an Optimized Mixed Diet (OMD) for German children and adolescents. J Pediatr Gastroenterol Nutr 40:301–308

[6] aid infodienst (2009) aid-Ernährungspyramide. aid infodienst e. V., Bonn

[7] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, aid infodienst (2011) Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. aid infodienst, Bonn

[8] Gidding SS, Dennison BA, Birch LL et al (2006) Dietary recommendations for children and adolescents: a guide for practitioners. Pediatrics 117:544–559

[9] Forschungsinstitut für Kinderernährung (2012) Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Die Optimierte Mischkost optimiX. Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund

[10] Alexy U, Clausen K, Kersting M (2008) Die Ernährung gesunder Kinder und Jugendlicher nach dem Konzept der Optimierten Mischkost. Ernähr Umschau 3:168–177 (PDF)

[11] Forschungsinstitut für Kinderernährung (2003) Ernährungsphysiologische Auswertung einer representativen Verzehrsstudie bei Säuglingen und Kleinkindern VELS mit dem Instrumentarium der DONALD Studie 2003. (PDF)

[12] Hilbig A, Alexy U, Drossard C, Kersting M (2011) GRETA: Ernährung von Kleinkindern in Deutschland. Aktuel Ernahrungsmed 36:224–232

[13] Uauy R, Dangour AD (2009) Fat and fatty acid requirements and recommendations for infants of 0–2 years and children of 2–18 years. Ann Nutr Metab 55:76–96

[14] Brkic F, Umihanic S (2007) Tracheobronchial foreign bodies in children. Experience at ORL clinic Tuzla, 1954–2004. Int J Pediatr Otorhinolaryngol 71:909–915

[15] Gregori D, Salerni L, Scarinzi C et al (2008) Foreign bodies in the upper airways causing complications and requiring hospitalization in children aged 0–14 years: results from the ESFBI study. Eur Arch Otorhinolaryngol 265:971–978

[16] Benjamin SE (2012) Making food healthy and safe for children: how to meet the caring for our children: national health and safety performance standards; guidelines for early care and educations programs. The National Training Institute for Child Care Health Consultants, Chapel Hill/NC (PDF)

[17] Bundesinstitut für Risikobewertung (2012) Trendgetränk Bubble Tea kann für Kleinkinder ein Gesundheitsrisiko bergen. Stellungnahme Nr. 031/2012 des BfR vom 19. Juni 2012. http://www.bfr.bund.de/cm/343/trendgetraenk-bubble-tea-kann-fuer-kleinkinder-ein-gesundheitsrisiko-bergen.pdf Zugegriffen: 25. April 2013 (PDF)

[18] Böhles HJ, Fusch C et al; Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) (2011) Zusammensetzung und Gebrauch von Milchgetränken für Kleinkinder. Aktualisierte Empfehlungen der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Monatsschr Kinderheilkd 159:981–984

[19] Alexy U, Libuda L, Mersmann S, Kersting M (2011) Convenience foods in children’s diet and association with dietary quality and body weight status. Eur J Clin Nutr 65:160–6

[20] Bundesinstitut für Risikobewertung (2011) Blutdrucksenkung durch weniger Salz in Lebensmitteln. Stellungnahme Nr. 007/2012 des BfR, MRI und RKI vom 19. Oktober 2011. http://www.bfr.bund.de/cm/343/blutdrucksenkung-durch-weniger-salz-in-lebensmitteln.pdf Zugegriffen: 17. April 2013 (PDF)

[21] Bouhlal S, Issanchou S, Nicklaus S (2011) The impact of salt, fat and sugar levels on toddler food intake. Br J Nutr 105:645–653

[22] Böhles H, Fusch C et al; Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie (APE) (2011) Vitamin-D-Versorgung im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. http://www.dgkj.de/wissenschaft/stellungnahmen/meldung/meldungsdetail/vitamin_d_versorgung_im_saeuglings_kindes_und_jugendalter/ Zugegriffen: 7. Juli 2013