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Häufig Allergien auslösende Lebensmittel: Im 1. Lebensjahr besser nicht?

Eltern möchten alles tun, um ihr Baby vor Allergien zu schützen, vor allem dann, wenn es in der Familie bereits Allergien gibt. Kuhmilch, Ei und Fisch werden als besonders allergen eingestuft. Weizen enthält Gluten. Können all diese Lebensmittel schon im ersten Lebensjahr gegeben werden? Sollte man besser damit warten oder ist eine frühe Einführung von Vorteil?

Baby wird mit Löffel gefüttert
johnalexandr / Fotolia.com

Das Meiden oder die spätere Einführung von häufiger Allergie auslösenden Lebensmitteln bietet keinen Schutz vor Allergien. Eine geregelte Exposition ist zur Toleranzentwicklung wünschenswert.  Doch auch eine zu frühe Einführung kann das Risiko für Allergien erhöhen [2]. Für alle Säuglinge – ob mit oder ohne erhöhtes Allergierisiko – empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben –, die Beikost frühestens mit Beginn des 5. Monats, spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats zu starten und dem Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr des Forschungsinstituts für Kinderernährung zu folgen. Dabei haben auch besonders häufig allergieauslösende Lebensmittel ihren Platz. Auch glutenhaltige Getreide kommen in der Beikost dazu [4].

Lange hieß es mit Blick auf die Allergievorbeugung: Nahrungsmittel, die häufiger Allergien auslösen, möglichst im ersten Lebensjahr zu meiden bzw. spät einzuführen. 2009 fand mit der S3-Leitlinie zur Allergieprävention [6] ein Paradigmenwechsel in den Empfehlungen zur Allergievorbeugung statt, die mit der  Aktualisierung der Leitlinie 2014 bestätigt wurde [8]: Eine Verzögerung der Beikosteinführung und das Meiden von Nahrungsmittelallergenen im ersten Jahr wird nicht empfohlen. Das heißt, Fisch, Milch, Ei darf dann genau wie Gemüse, Obst, glutenhaltiges Getreide oder Fleisch auf den Babyteller.

Einführung der Beikost zwischen Beginn des 5. bis Beginn des 7. Lebensmonats

Diese Empfehlung steht im Einklang mit Ergebnissen von Studien, die die Beziehung zwischen dem Zeitpunkt der Beikosteinführung und späterer Allergiemanifestation untersuchten. Im Rahmen einer randomisierten Studie wurden sechs allergene Lebensmittel (Joghurt/Kuhmilch, Erdnuss, gekochtes Hühnerei, Sesam, weißer Fisch und Weizen) in der einen Gruppe zwischen drei und sechs Monaten eingeführt, in der anderen ab einem Alter von sechs Monaten. Ein signifikanter Unterschied für das Auftreten von Nahrungsmittelallergien zeigte sich nicht [7]. Eine aktuelle Meta-Analyse wies nach, dass die Einführung von Ei zwischen vier und sechs Monaten mit einem verringerten Risiko für eine Eiallergie assoziiert ist. Im Hinblick auf eine Erdnussallergie war die Einführung von Erdnüssen zwischen vier und elf Monaten von Vorteil  [3].  Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass es möglicherweise kritische Zeitfenster für die Allergieprävention gibt. Sie bedeuten aber nicht, dass der Beikoststart zu Beginn des 5. Lebensmonats für die Allergieprävention besser sei als zu Beginn des 7. Lebensmonats. Daher sollten auch Eltern von Kindern mit einem erhöhten Allergierisiko den genauen Zeitpunkt für die erste Beikost von der individuellen Entwicklung des Säuglings abhängig machen. Manche Säuglinge sind bereits zu Beginn des 5. Monats bereit für die Beikost, andere lassen sich damit bis zum 7. Monat damit Zeit..

Ein Brei nach dem anderen

Nach dem Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr des Forschungsinstituts für Kinderernährung wird als erster Brei der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei eingeführt. Empfehlenswert ist, ein- bis zweimal pro Woche Fisch und Fleisch zu verwenden. Mit den nächsten Breien kommen kleine Mengen Milch und Getreide dazu. Gekochte Eier werden zwar nicht ausdrücklich im Ernährungsplan erwähnt, könnten aber gegeben werden. Vielfalt und Variation innerhalb der Lebensmittelgruppen ist bei jedem  Brei erwünscht. Doch um eventuelle allergische Reaktionen auf Lebensmittel zu entdecken, sollte es möglichst nur ein neues Lebensmittel in einer Mahlzeit sein 5.

Glutenmenge schrittweise steigern

Einiges hat sich auch bei den Empfehlungen zur Zöliakievorbeugung getan. Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer Unverträglichkeit des Getreideeiweißes Gluten, das u.a. in Weizen, Dinkel, Hafer, Roggen, Gerste, Grünkern enthalten ist, beruht. Hier wurde noch vor einigen Jahren empfohlen, Gluten früh und am besten unter dem Schutz des Stillens einzuführen. Neuere Studien bestätigen diese Empfehlung nicht mehr [5, 9].  So kann Gluten jederzeit zwischen Beginn des 5. Monats und dem 1. Lebensjahr eingeführt werden. Unklar ist, ob sich die früh zugeführte Glutenmenge auswirkt [1]. Daher scheint es ratsam, glutenhaltige Nahrungsmittel zunächst  in kleiner Menge anzubieten und schrittweise zu steigern. Der erste Brei – Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei – wird deshalb hin und wieder durch eine kleine Menge Nudeln oder andere glutenhaltige Getreideprodukte ergänzt. Im Milch-Getreide-Brei – üblicherweise der zweite Brei - werden glutenhaltige Getreidearten bevorzugt verwendet.

Netzwerk Gesund ins Leben |

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Literatur

[1] Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Zeitpunkt der Beikosteinführung und Risiko für Allergien und Zöliakie: Update. Aktualisierte Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Monatschr Kinderheilkd 2016;164

[2] ESPGHAN Committee on Nutrition, Fewtrell M, Bronsky J et al. Complementary Feeding: A Position Paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN) Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2017;64:119-32

[3] Ierodiakonou D, Garcia-Larsen V, Logan A et al. Timing of Allergenic Food Introduction to the Infant Diet and Risk of Allergic or Autoimmune Disease: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA : the journal of the American Medical Association 2016;316:1181-92

[4] Koletzko B, Bauer CP, Cierpka M et al. Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen. Aktualisierte Handlungsempfehlungen von "Gesund ins Leben - Netzwerk Junge Familie", eine Initiative von IN FORM. Monatschr Kinderheilkd 2016;164:S433-S57

[5] Lionetti E, Castellaneta S, Francavilla R et al. Introduction of gluten, HLA status, and the risk of celiac disease in children. The New England journal of medicine 2014;371:1295-303

[6] Muche-Borowski C, Kopp M, Reese I et al. S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2009. Allergo J 2009;18:332-41

[7] Perkin MR, Logan K, Tseng A et al. Randomized Trial of Introduction of Allergenic Foods in Breast-Fed Infants. The New England journal of medicine 2016;374:1733-43

[8] Schäfer T, Bauer CP, Beyer K et al. S3-Leitlinie Allergieprävention - Update 2014 2014: Available from: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-016l_S3_Allergiepr%C3%A4vention_2014-07.pdf

[9] Vriezinga SL, Auricchio R, Bravi E et al. Randomized feeding intervention in infants at high risk for celiac disease. The New England journal of medicine 2014;371:1304-15