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Schutz vor Infektionen durch Lebensmittel in der Schwangerschaft

Schwangere sollen keine rohen tierischen Lebensmittel essen.

Sushi
Maksud / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Schwangere sollen keine rohen tierischen Lebensmittel essen. Dazu gehören rohes oder nicht durchgebratenes Fleisch, Rohwurst (z. B. Salami, Teewurst) und Rohschinken, roher Fisch und rohe Meerestiere, Rohmilch, rohe Eier sowie daraus hergestellte, nicht ausreichend erhitzte Lebensmittel. Auch Weichkäse und Räucherfisch sollen gemieden werden.
  • Rohes Obst und Gemüse sowie Blattsalate sollen vor dem Verzehr gründlich gewaschen, frisch zubereitet und bald verzehrt werden. Erdnah gewachsenes Gemüse ist außerdem möglichst zu schälen. Es sollte – wie alle leicht verderblichen Lebensmittel – frisch zubereitet und bald verzehrt werden. Vorbereitete, abgepackte Salate sollten Schwangere nicht verzehren.
  • Mit Erde behaftete Lebensmittel, zum Beispiel Karotten oder Kartoffeln, sind getrennt von anderen Lebensmitteln aufzubewahren.

Hintergrund

Lebensmittelbedingte Infektionen können die Gesundheit des Menschen gefährden. Listeriose und Toxoplasmose können während der Schwangerschaft auch auf das ungeborene Kind übergehen, zu schweren Erkrankungen und auch zu Früh- oder Totgeburten führen. Dem Robert Koch-Institut werden pro Jahr ca. 10 bis 40 Fälle von konnataler Toxoplasmose [1] und ca. 20 bis 40 Listeriose-Erkrankungen bei Neugeborenen [2] gemeldet (www.rki.de). Schwangere sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen, um diese Infektionen zu vermeiden.

Hinsichtlich der Toxoplasmose ist vor allem der Verzehr von nicht durchgegartem Fleisch (auch in Form von Rohwurst, Salami, Schinken) vom Schwein, Lamm bzw. Schaf und Wild problematisch [3, 4, 5]. Rindfleisch spielt vermutlich eine untergeordnete Rolle, sollte aber im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes ebenfalls nicht roh verzehrt werden.

Rohe Fleischprodukte, Räucherfisch und Weichkäse (auch aus wärmebehandelter Milch) bergen ein höheres Risiko, pathogene Listerien zu enthalten; auch Rohmilch und Erzeugnisse daraus sowie Gemüse und Salate können betroffen sein [6, 7, 8, 9, 10]. Listerien können auch auf erhitzte Lebensmittel gelangen. Sie vermehren sich auch bei Kühlschranktemperaturen sowie in Produkten, die unter Vakuum oder Schutzatmosphäre verpackt wurden. Deshalb sollten Schwangere Lebensmittel wie zum Beispiel Wurst oder Käse frisch aufschneiden lassen oder direkt vor dem Verzehr selbst aufschneiden.

Schwangere sollten ihre Speisen möglichst kurz vor dem Verzehr zubereiten und rasch verbrauchen. In Restaurants und Kantinen sollten sie möglichst Speisen verzehren, die direkt vor dem Verzehr erhitzt wurden.

Rohe tierische Lebensmittel bergen auch ein höheres Risiko für das Vorkommen anderer Krankheitserreger wie zum Beispiel Salmonellen, welche die Gesundheit der Schwangeren und ggf. auch die des Kindes gefährden können.

Neben der Auswahl der Lebensmittel spielt Hygiene bei der Lagerung und Zubereitung eine wichtige Rolle, um sich vor lebensmittelbedingten Infektionen zu schützen. Zur Küchenhygiene gehört unter anderem: vor der Speisenzubereitung und nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln die Hände zu waschen, Gemüse und Obst vor der Verwendung gründlich zu waschen (Erreger kommen zum Beispiel auch in der Erde vor). Um Kreuzkontaminationen zu vermeiden, sollten dieselben Küchenutensilien nicht ohne gründliche Zwischenreinigung für rohe und gekochte Speisen verwendet werden. Weiterführende Informationen unter www.bfr.bund.de, Stichwort Verbrauchertipps Toxoplasmose, Listeriose sowie unter www.was-wir-essen.de, Stichwort Spezielle Ernährungsinfos für Schwangere.

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Literatur

1. Schoneberg I. In Deutschland selten auftretende Infektionskrankheiten. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2008; 51: 539–546

2. Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2010. Berlin, Mercedes-Druck 2011

3. Bojar I, Szymanska J. Environmental exposure of pregnant women to infection with Toxoplasma gondii-state of the art. Ann Agric Environ Med 2010; 17: 209–214

4. EFSA. Surveillance and monitoring of Toxoplasma in humans, food and animals. EFSA Journal 2007; 583: 1–64

5. Elsheikha HM. Congenital toxoplasmosis: priorities for further health promotion action. Public Health 2008; 122: 335–353

6. Allerberger F, Wagner M. Listeriosis: a resurgent foodborne infection. Clin Microbiol Infect 2010; 16: 16–23

7. Lamont RF, Sobel J, Mazaki-Tovi S et al. Listeriosis in human pregnancy: a systematic review. J Perinat Med 2011; 39: 227–236

8. Oliveira M, Usall J, Solsona C et al. Effects of packaging type and storage temperature on the growth of foodborne pathogens on shredded ‘Romaine’lettuce. Food Microbiol 2010; 27: 375–380

9. Sinigaglia M, Bevilacqua A, Campaniello D et al. Growth of Listeria monocytogenes in fresh-cut coconut as affected by storage conditions and inoculum size. J Food Prot 2006 Apr; 69: 820–825

10. Thevenot D, Delignette-Muller ML, Christieans S et al. Prevalence of Listeria monocytogenes in 13 dried sausage processing plants and their products. Int J Food Microbiol 2005; 102: 85–94