Nachgefragt im Dezember: Schadet Kaffee bzw. Koffein in der Schwangerschaft dem Baby?

15.12.2014

Deutschland ist ein Kaffeeland. So tranken die Deutschen in 2013 durchschnittlich rund 1,23 Tassen Kaffee pro Tag. Damit liegt Deutschland im weltweiten Vergleich auf Platz 5 [7]. Zu Beginn einer Schwangerschaft sind viele Frauen müde und wollen gerade deshalb nicht auf ihren geliebten Kaffee zum Frühstück oder am Nachmittag verzichten. Sie fragen sich: Darf ich als Schwangere koffeinhaltigen Kaffee trinken und wenn ja, wie viel?

Schwangere trinkt Kaffee

Foto: © the rock / Fotolia.com

Es ist nicht notwendig, während der Schwangerschaft vollständig auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten. Bis zu drei Tassen Kaffee pro Tag werden als unbedenklich angesehen, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben, eine IN FORM-Initiative des Bundesernährungsministeriums. So zeigten Studienergebnisse beim Verzehr von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft keine nachteiligen Wirkungen auf Gestationsdauer und Geburtsgewicht [2]. Im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes wird jedoch vorsorglich von hohen Koffeinmengen abgeraten. Aus diesem Grund sollten Schwangere auf sogenannte Energydrinks, die gewöhnlich hohe Koffeinmengen pro Portion enthalten, verzichten [3].

Koffein kommt in Kaffee-, Kakaobohnen und Teeblättern vor. Koffein ist ein Alkaloid, das unter anderem in Kaffee- und Kakaobohnen sowie in Teeblättern (schwarzer und grüner Tee) vorkommt. Kaffee enthält die höchsten Koffeinmengen, durchschnittlich bis zu 100 mg pro 100 ml. Dabei ist der Koffeingehalt von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von der Röstung und Art der Kaffeebohne, dem Verhältnis von Pulver zu Wasser, der Brühmethode und -dauer. [8]

Anders als in Kaffee kommt Koffein in Tee zusammen mit sogenannten Polyphenolen vor. Diese sekundären Pflanzenstoffe sorgen möglicherweise dafür, dass der Körper das Koffein langsamer aufnimmt. Die anregende Wirkung des Koffeins in Tee setzt dadurch später ein und hält dafür länger an. Je nach Sorte und Zubereitung enthält Tee nur etwa halb so viel Koffein wie Kaffee. Schwarzer und grüner Tee galten früher, wie Kaffee auch, aufgrund des Koffeingehaltes als „Flüssigkeitsräuber“. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass sich weder Tee noch Kaffee nachteilig auf die Flüssigkeitszufuhr auswirken. [5, 9]

Koffein wirkt beim Ungeborenen ähnlich wie bei der Mutter. Koffein wird rasch im Verdauungstrakt absorbiert und kann die Plazenta frei passieren, das heißt, die Koffeinkonzentration im Blutplasma des Fetus ist genauso hoch wie bei der Mutter [4]. Auch die Wirkungen sind vergleichbar: Der Herzschlag wird beschleunigt und das Nervensystems wird angeregt. Der Koffeinspiegel bleibt beim Fetus sogar länger erhöht, da sein Organismus die Substanz langsamer abbaut, als es bei Erwachsenen der Fall ist.

Schwangere sollten koffeinhaltige Getränke nur in moderaten Mengen trinken. [1] Da es nur wenige Studien gibt, lassen sich keine präzisen Mengenangaben zum sicheren Kaffee-/Teekonsum machen [2]. Die Datenlage zur abschließenden Beurteilung möglicher nachteiliger Auswirkungen für Mutter und Kind und zur Konkretisierung von Koffeinmengen, die kein Risiko bergen, ist unzureichend. Eine Cochrane-Meta-Analyse, die allerdings nur auf zwei Studien beruht, zeigte beim Verzehr von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft keine nachteiligen Wirkungen auf die Dauer der Schwangerschaft und das Geburtsgewicht [1, 2]. Bis zu 3 Tassen Kaffee (á 150 ml) oder etwa drei 3–4 Tassen (á 150 ml) schwarzer oder grüner Tee am Tag werden daher als unbedenklich angesehen.

Auf die Gesamtmenge an Koffein achten. Da nicht nur Kaffee, sondern auch schwarzer und grüner Tee als auch Cola-Getränke Koffein enthalten, ist es wichtig, immer auch die tägliche Gesamtaufnahme koffeinhaltiger Getränke im Blick zu haben. Neben dem Koffeingehalt ist beim Verzehr von Cola-Getränken der oft auch sehr hohe Energiegehalt von Nachteil. Als Durstlöscher eignen sich Cola-Getränke aufgrund des hohen Zuckergehaltes nicht.

Von Energy-Drinks wird in der Schwangerschaft vorsorglich abgeraten. [1] Diese Getränke enthalten Koffein, meist zusammen mit den Stoffen Taurin, Inosit und Glucuronolacton, oft in hohen Konzentrationen. In der Vergangenheit traten Fälle mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Nierenversagen und Todesfälle auf, die in einem möglichen Zusammenhang mit dem Konsum von Energy-Drinks gesehen wurden, wenn diese zusammen mit Alkohol oder ausgiebiger sportlicher Betätigung aufgenommen wurden. Eine Kausalität wurde aber bislang nicht bewiesen. [3] Koffeinhaltige Erfrischungsgetränke wie auch Energydrinks müssen mit einer Angabe versehen sein, die klar und eindeutig auf den Koffeingehalt hinweist. Ab Ende 2014 müssen alle Erfrischungsgetränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 mg pro Liter, zum Beispiel Energydrinks, auch die Hinweispflichten der EU-Lebensmittelinformationsverordnung erfüllen und den Warnhinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" tragen, gefolgt von dem tatsächlichen Gehalt an Koffein pro 100 ml. [6]

Quellen:

[1] Koletzko B. et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Deutsche Medizinische Wochenschrift Sonderdruck Juni 2012

[2] Jahanfar S, Sharifah H: Effects of restricted caffeine intake by mother on fetal, neonatal and pregnancy outcome. Cochrane Database Syst Rev 2009

[3] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Neue Humandaten zur Bewertung von Energydrinks. Information Nr. 016/2008 des BfR vom 13. März 2008, http://www.bfr.bund.de/cm/343/neue_humandaten_zur_bewertung_von_energydrinks.pdf (Zugriff: 15.12.2014)

[4] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Kaffee bzw. Koffein und Schwangerschaftsrisiken. DGEInfo 10/2007 – Beratungspraxis http://www.dge.de/wissenschaft/stellungnahmen/fachinformationen/koffein-und-schwangerschaftsrisiken/ (Zugriff 15.12.2014)

[5] aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.: Tee, http://www.was-wir-essen.de/abisz/tee.php (Zugriff 15.12.2014)

[6] aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.: Erfrischungsgetränke, http://www.was-wir-essen.de/abisz/erfrischungsgetraenke.php (Zugriff 15.12.2014)

[7] Statista GmbH: Täglicher Pro-Kopf-Konsum von Kaffee weltweit nach Ländern im Jahr 2013 (in Tassen). 2014 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/319915/umfrage/taeglicher-pro-kopf-konsum-von-kaffee-weltweit-nach-laendern/ (Zugriff 15.12.2014)

[8] Bracken MB et al.: Heterogenity in assessing self-reports of caffeine exposure: implications for studies of health effects. Epidemiology 2002. 13: 165–171

[9] Brockhaus Ernährung. 4. vollst. überarb. Fassung. Gütersloh/München 2011

 

Zur Rubrik „Nachgefragt“:

In der Rubrik „Nachgefragt“ möchten wir Irrtümern auf den Grund gehen und altes Wissen neu erklären. Jeden Monat beantworten wir eine neue Frage. Die bisher erschienen Antworten können Sie hier nachlesen.

Kontakt:

aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.
Geschäftsstelle: Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie
Julia Bonfig
Heilsbachstraße 16
53123 Bonn
Tel.: 0228 8499-102
Fax: 0228 8499-177
E-Mail: post@gesund-ins-leben.de
Internet: www.gesund-ins-leben.de  www.aid.de