Nachgefragt im August: Sind Supplemente mit Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft notwendig?

10.08.2015

Eine gute Versorgung mit der langkettigen Omega-3-Fettsäure DHA in der Schwangerschaft ist für die Entwicklung des Kindes wichtig. Vor allem fettreicher Meeresfisch liefert sie reichlich. Doch manche Frauen mögen keinen Fisch und auch Vegetarierinnen verzichten darauf. Können pflanzliche Lebensmittel wie Rapsöl eine Alternative sein? Oder sind Supplemente notwendig?

Fischölkapseln in Fischform auf Teller

Foto: © morganka / Fotolia.com

DHA ist für die normale Entwicklung, vor allem von Gehirn und Sehfunktion, wichtig. Das Netzwerk Gesund ins Leben, eine IN FORM-Initiative des Bundesernährungsministeriums, empfiehlt deshalb schwangeren Frauen, wöchentlich zwei Portionen Meeresfisch zu verzehren. Um die Empfehlung von durchschnittlich mindestens 200 mg der langkettigen Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) pro Tag zu erreichen, sollte eine Portion von einem fettreichen Meeresfisch wie Makrele, Hering, Sardine oder Lachs stammen. Pflanzliche Lebensmittel wie Rapsöl, Leinöl oder Walnüsse enthalten die kürzerkettige Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Aus ihr kann der Körper zwar DHA bilden, doch die Umwandlungsrate ist sehr begrenzt. Wer in der Schwangerschaft nicht regelmäßig Fisch verzehrt, sollte deshalb Supplemente mit der Omega-3-Fettsäure DHA zu sich nehmen. Mit DHA angereicherte Lebensmittel können ebenfalls zu einer guten Versorgung beitragen. Vegetarierinnen können auf DHA aus marinen Mikroalgen zurückgreifen.

Ausreichend DHA für eine gute Entwicklung. Die langkettige Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) ist Bestandteil von Zellmembranen. Vor allem im Gehirn und in der Netzhaut im Auge ist sie zu finden [1]. Das Wachstum des Gehirns nimmt in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft rasch zu und setzt sich in den ersten Lebensjahren fort. Kognitive, motorische und visuelle Fähigkeiten entwickeln sich [2]. Für dieses rasche Wachstum muss ausreichend DHA im Gehirn zur Verfügung stehen. Eine gute Versorgung in der Schwangerschaft und Stillzeit über die Ernährung der Mutter ist daher wichtig. Darüber hinaus sind Omega-3-Fettsäuren als Vorstufen von Eicosanoiden, die beispielsweise Entzündungs- und Immunreaktionen beeinflussen, für eine gesunde Entwicklung von Bedeutung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren und Stillenden im Durchschnitt mindestens 200 mg DHA pro Tag zuzuführen [1].

2 Portionen Meeresfisch wöchentlich. Omega-3-Fettsäuren unterscheiden sich. Fettreiche Meeresfische enthalten neben DHA auch die langkettige Variante Eicosapentaensäure (EPA). In pflanzlichen Lebensmitteln wie Leinöl, Rapsöl, Walnüssen oder Chiasamen kommt die essentielle Alpha-Linolensäure vor. Aus dieser pflanzlichen Omega-3-Fettsäure kann der Körper DHA bilden, doch die Umwandlungsrate ist stark begrenzt und wird auf 0,1 bis 10 Prozent geschätzt [1, 3]. Die DHA-Versorgung ist durch Fisch somit viel effektiver als mit pflanzlichen Lebensmitteln. DHA wird zudem bevorzugt durch die Plazenta übertragen [4]. Da der Fötus auf die ausreichende Versorgung mit DHA durch die Ernährung der Mutter angewiesen ist, sollten schwangere Frauen 2 Portionen Meeresfisch pro Woche, mindestens eine davon in Form von fettreichem Meeresfisch, zu sich nehmen. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehört aber auch die regelmäßige Verwendung von pflanzlichen Ölen, wie beispielsweise Rapsöl oder Leinöl, die Alpha-Linolensäure enthalten.

Kleinere fettreiche Meeresfische bevorzugen. Schadstoffe können sich in Fischen anreichern und große Raubfische, wie zum Beispiel Thunfische oder Schwertfische, können hohe Gehalte aufweisen. Deshalb sollten schwangere Frauen diese Fischarten nicht regelmäßig verzehren [5, 6], sondern zum Beispiel auf Makrele, Hering, Lachs oder Sardinen zurückgreifen.

Alternative: Supplemente und angereicherte Lebensmittel. Wer auf Fisch verzichtet oder ihn nur sehr selten isst, sollte DHA mit Supplementen oder angereicherten Lebensmitteln zu sich nehmen. Verbraucher können zwischen Präparaten aus Fischöl und Krillöl oder aus marinen Mikroalgen wählen, so dass auch schwangere Vegetarierinnen eine gute DHA-Versorgung ermöglichen können. Zudem stehen mit DHA (auch aus marinen Mikroalgen) angereicherte Lebensmittel, wie zum Beispiel Öl oder Margarine, zur Verfügung. Schwangere sollten sich bei der Dosierung an der Tagesempfehlung von 200 mg DHA orientieren.

Quellen:

[1] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage, 1. Ausgabe ed. Bonn 2015

[2] Koletzko B, Lien E, Agostoni C et al.: The roles of long-chain polyunsaturated fatty acids in pregnancy, lactation and infancy: review of current knowledge and consensus recommendations. J Perinat Med 2008;36:5–14

[3] Koletzko B, Boey CC, Campoy C et al.: Current information and Asian perspectives on long-chain polyunsaturated fatty acids in pregnancy, lactation, and infancy: systematic review and practice recommendations from an early nutrition academy workshop. Ann Nutr Metab 2014;65:49–80

[4] Koletzko B, Cetin I, Brenna JT et al.: Dietary fat intakes for pregnant and lactating women. Br J Nutr 2007;98:873–7

[5] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verbrauchertipp für Schwangere und Stillende, den Verzehr von Thunfisch einzuschränken, hat weiterhin Gültigkeit. Stellungnahme Nr. 041/2008 des BfR vom 10. September 2008; 06.05.2010

[6] EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain: Opinion of the Scientific Panel on Contaminants in the Food Chain on a request from the Commission related to mercury and methylmercury in food EFSA Journal 2004;34:1–14

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