Nachgefragt: Wie viel sollen Kleinkinder trinken?

31.03.2016

Gegen Ende des 1. Lebensjahres bekommen Kinder immer häufiger das normale Essen der Familie. Die Muttermilch oder Säuglingsmilch fällt nach und nach weg und festes Essen und Getränke ersetzen den Brei. Wie viel sollten Kinder jetzt trinken? Dazu gibt es eine einfache Empfehlung vom Netzwerk Gesund ins Leben.

Foto: © Andrey Kuzmin / Fotolia.com

Kleinkinder sollten zu jeder Mahlzeit Wasser trinken. Auch zwischendurch sollten Eltern ihrem Kind immer wieder Wasser aus Glas, Tasse oder offenem Becher anbieten. Ein gutes Maß für die Praxis sind 6 kleine Gläser pro Tag. Wasser ist die erste Wahl bei den Getränken. Auch Früchte-, Kräuter- oder Roibuschtee – ohne Zucker, Honig oder andere Süßungsmittel – sind geeignete Durstlöscher.

Trinken zu jeder Mahlzeit und zwischendurch. Genauso wie das Essen können Kleinkinder auch das Trinken lernen. Eltern helfen ihrem Kind sich ans Trinken zu gewöhnen, wenn sie zu jeder Mahlzeit und zwischendurch empfehlenswerte Getränke wie Wasser anbieten. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt im Rahmen der optimierten Mischkost 600–700 ml Getränke pro Tag [1]. Bei stärkerer körperlicher Aktivität und hohen Temperaturen draußen oder im Raum steigt der Bedarf.

Im Durchschnitt trinken Kleinkinder nur etwa 60 % der Menge, die in der optimierten Mischkost vorgesehen ist [2]. Merksätze wie „Wasser zum Essen und zwischendurch“ oder „Zu jeder Mahlzeit gehört ein Getränk“ und das Praxismaß „6 kleine Gläser pro Tag“ erinnern Eltern an die Bedeutung des Trinkens.

Empfehlung des Netzwerks Gesund ins Leben

Kleinkinder sollten zu jeder Mahlzeit und auch zwischendurch Wasser (oder andere ungesüßte/zuckerfreie Getränke) aus Glas, Tasse oder offenem Becher trinken.

Wasser marsch! Die erste Wahl ist Wasser, zusammen mit anderen ungesüßten und zuckerfreien Getränke wie Früchte-, Kräuter- oder Roibuschtee. Sie löschen den Durst ganz ohne Zucker und Kalorien.

Zuckerhaltige Getränke (wie Limonaden, Fruchtsäfte, Fruchtsaftgetränke, Brausen, Eistees)

  • fördern eine überhöhte Energiezufuhr [3],
  • erhöhen das Risiko für Übergewicht [4, 5], 
  • können mit einer schlechteren Versorgung mit Nährstoffen einhergehen [6],
  • erhöhen das Risiko für Zahnkaries [7].

Die Säuren in Getränken wie Limonaden und Säften können zusätzlich den Zahnschmelz schädigen [8].

In einem Glas Apfelsaft (150 ml) stecken von Natur aus 15 g Zucker. Diese Menge entspricht 5 Stück Würfelzucker. Das ist vielen Eltern nicht bewusst. Ähnlich liegen die Werte für Orangensaft, Limonade oder Eistee. Fruchtsäfte wie Apfel-, Birnen- oder Traubensaft enthalten reichlich Fruchtzucker (Fructose). Wenn Kinder viel Saft oder andere Getränke mit hohem Gehalt an Fruchtzucker trinken, nehmen sie unter Umständen mehr Fruchtzucker auf als ihr Dünndarm aufnehmen kann. Der Fruchtzucker gelangt in den Dickdarm und wird dort bakteriell abgebaut. Das führt zu Bauchschmerzen und Durchfall. Diese Beschwerden verschwinden wieder, wenn das Kind weniger Saft trinkt.

Für Kleinkinder ungeeignet sind Getränke mit Alkohol oder Koffein wie Cola, Kaffee, Grün- und Schwarztee, Energiegetränke und manche Eistees.

„Mein Kind trinkt nur süße Getränke!“ Eltern sollten ihrem Kind immer wieder Wasser anbieten. Es wird nach und nach die Erfahrung machen, dass Wasser den Durst besser löscht als süße Getränke. Falls sich ein Kind bereits an einen süßen Geschmack beim Trinken gewöhnt hat, können Eltern das süße Getränk mit immer mehr Wasser verdünnen. Damit gewöhnen sie ihr Kind Schritt für Schritt um.

Weitere Informationen:
Alle Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben zur Ernährung und Bewegung von Kleinkindern finden Sie online unter:
www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkraefte/handlungsempfehlungen/kleinkinder

Quellen:

[1] Forschungsinstitut für Kinderernährung (2014) Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Die Optimierte Mischkost optimiX. Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund

[2] Hilbig A, Alexy U, Drossard C, Kersting M (2011) GRETA: Ernährung von Kleinkindern in Deutschland. Aktuel Ernahrungsmed 36:224–232

[3] Wang YC, Ludwig DS, Sonneville K, Gortmaker SL (2009) Impact of change in sweetened caloric beverage consumption on energy intake among children and adolescents. Arch Pediatr Adolesc Med 163:336–343

[4] Hu FB, Malik VS (2010) Sugar-sweetened beverages and risk of obesity and type 2 diabetes: epidemiologic evidence. Physiol Behav 100:47–54

[5] Deboer MD, Scharf RJ, Demmer RT (2013) Sugar-sweetened beverages and weight gain in 2- to 5-year-old children. Pediatrics 132(3):413–420

[6] Marshall TA, Eichenberger Gilmore JM, Broffitt B et al (2005) Diet quality in young children is influenced by beverage consumption. J Am Coll Nutr 24:65–75

[7] WHO (2003) Diet, nutrition and the prevention of chronic diseases. Report of a Joint WHO/FAO Expert Consultation. WHO, Geneva [8] Vadiakas G (2008) Case definition, aetiology and risk assessment of early childhood caries (ECC): a revisited review. Eur Arch Paediatr Dent 9:114–125
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Zur Rubrik „Nachgefragt“:
In der Rubrik „Nachgefragt“ möchte das Netzwerk Gesund ins Leben Irrtümern auf den Grund gehen und altes Wissen neu erklären. Hier finden Sie weitere Fragen und Antworten: www.gesundinsleben.de/fuer-fachkraefte/nachgefragt

Über Gesund ins Leben:
Gesund ins Leben ist ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden, die sich mit jungen Familien befassen. Das Ziel ist, Eltern einheitliche Botschaften zur Ernährung und Bewegung zu vermitteln. Damit sie und ihre Kinder gesund leben und aufwachsen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Gesund ins Leben als Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM: www.gesund-ins-leben.de

Über IN FORM:
IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. www.in-form.de
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