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Soziale Prävention in der Pädiatrie

Zwischen 15 und 20 Prozent der Kinder in Deutschland leben unter Armutsbedingungen. Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben schlechtere Bildungschancen und in vielen Bereichen schlechtere Gesundheitschancen. Welche Rolle können pädiatrische Praxen bei der sozialen Prävention und einer Verbesserung der Chancengleichheit spielen? 

Zwischen 15 und 20 Prozent der Kinder in Deutschland leben unter Armutsbedingungen. Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben schlechtere Bildungschancen und in vielen Bereichen schlechtere Gesundheitschancen. Welche Rolle können pädiatrische Praxen bei der sozialen Prävention und einer Verbesserung der Chancengleichheit spielen? Dieser Frage ging Pädiater Ulrich Fegeler beim Kooperationspartnertag des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) am 8. Mai 2015 in Berlin nach.

In den Mittelpunkt stellte er dabei den Umgang mit der „Neuen Morbidität“ (NM). Der Begriff beschreibt eine Häufung von Auffälligkeiten und Erkrankungen (z. B. Störungen der frühkindlichen Entwicklung, der Aufmerksamkeit, des sozialen Verhaltens und verhaltensabhängiger körperlicher Auffälligkeiten und Erkrankungen), die überwiegend Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus betreffen, teils auch Familien mit Migrationshintergrund. Der NM könne nur begegnet werden, so der Pressesprecher des BVKJ, wenn der Lebensraum der Kinder in den Fokus gerückt und als Fördermöglichkeit begriffen wird, auch vom Kinder- und Jugendarzt. Durch „Medikalisierung“ allein lasse sich das Problem nicht lösen. Der Kinder- und Jugendarzt müsse die Unterstützungsangebote vor Ort kennen und Familien nahebringen. Notwendig sei zudem eine nachhaltige Vernetzung lokaler Förder- und Hilfsstrukturen unter Einbeziehung der Familien, mit der Kindertagesstätte im Kern. Für die Bildungs- und Sozialprognose von Kindern sei die Kita wenigstens so wichtig wie die Schule. In seinem Vortrag zeigt Fegeler die Brisanz des Themas auf und beschreibt den gesellschaftspolitischen Handlungsbedarf. Gleichzeitig fordert er, dass sich Kinder- und Jugendärzte als Zuweiser und aktive Mitgestalter im Sozialraum positionieren sollten.

Vortrag herunterladen (PDF)

Robert Koch-Institut: Gesundheitliche Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland (Bericht auf der Basis von KiGGS-Daten)

Andrea Fenner, Edinburgh, www.gesund-ins-leben.de

23.06.2015

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