Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Alkohol vor und in der Schwangerschaft

Schwangere sollen Alkohol meiden. Am sichersten ist es, in der Schwangerschaft keinen Alkohol zu trinken.

Schwangere sieht zweifelnd auf Weinglas
AntonioDiaz / Fotolia.com

Empfehlung

  • Frauen, die eine Schwangerschaft planen, und Schwangere sollen Alkohol meiden.

Grundlagen der Empfehlung

Eine für den Fetus sichere, risikolose Alkoholmenge oder ein Zeitfenster in der Schwangerschaft, in dem Alkoholkonsum keine Risiken birgt, kann aufgrund der verfügbaren Evidenz nicht definiert werden [204]. Nationale wie internationale Fachgesellschaften [4], [52], [205] sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfehlen daher, in der Schwangerschaft keinen Alkohol zu trinken. Es wird zudem empfohlen, auf Alkohol bereits in der Zeit der Schwangerschaftsplanung zu verzichten [3], [4], [206], [207].

Hintergrundinformationen

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann zu Fehlbildungen, Wachstumshemmung, Schädigung von Gewebe- und Nervenzellen sowie zu nicht reversibler Intelligenzminderung des Kindes führen und sich auf sein Verhalten (Hyperaktivität, Impulsivität, Ablenkbarkeit, riskantes Verhalten, Infantilität und soziale Reifungsstörung) auswirken [201], [202], [203]. Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) ist die häufigste vermeidbare Behinderung bei Neugeborenen, mit einer geschätzten Inzidenz von 0,2 – 8 auf 1000 Neugeborene [12]. Deutlich mehr Kinder sind von einer fetalen Alkoholspektrumstörung betroffen [12], [203]. Die Höhe des individuellen Gesundheitsrisikos für das Kind ist schwer vorhersagbar und wird durch maternale und fetale Charakteristika beeinflusst. Auch wenn große systematische Studien keinen negativen langfristigen Effekt eines geringen bis moderaten Alkoholkonsums nachweisen konnten [208], ist es am sichersten, jeglichen Alkoholkonsum zu meiden [209]. Die Empfehlung, „Alkohol in der Schwangerschaft zu meiden“, könnte Frauen, die in der Frühschwangerschaft – bevor sie von der Schwangerschaft wussten – Alkohol getrunken haben, verunsichern oder Schuldgefühle fördern. Deshalb sollten Fachkräfte dazu differenziert und sensibel beraten.

als hilfreich bewerten 0 Versenden
Erste Seite Fachartikel
Thieme

Neu & Kostenlos

Aktuelle Handlungsempfehlungen Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft

Die Handlungsempfehlungen fassen wichtige Botschaften zu Ernährung und Lebensstil vor und in der Schwangerschaft zusammen. Die Empfehlungen werden von den für Deutschland relevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden unterstützt. 

Deutsch

Englisch

Literatur

3 Röbl-Mathieu M. Preconception Counselling. Frauenarzt 2013; 54: 966-972

4 Hanson MA, Bardsley A, De-Regil LM. et al. The International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) recommendations on adolescent, preconception, and maternal nutrition: “Think Nutrition First”. Int J Gynaecol Obstet 2015; 131 (Suppl. 04) S213-S253

12 Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Bundesministerium für Gesundheit. Hrsg. Drogen- und Suchtbericht Juni 2016. Online: https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/4_Presse/1_Pressemitteilungen/2016/2016_2/160928_Drogenbericht-2016_NEU_Sept.2016.pdf last access: 31.07.2018

52 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn: 2017

201 Brust JC. Ethanol and cognition: indirect effects, neurotoxicity and neuroprotection: a review. Int J Environ Res Public Health 2010; 7: 1540-1557

202 Dolan GP, Stone DH, Briggs AH. A systematic review of continuous performance task research in children prenatally exposed to alcohol. Alcohol Alcohol 2010; 45: 30-38

203 Spohr HL, Steinhausen HC. Fetal alcohol spectrum disorders and their persisting sequelae in adult life. Deutsches Arzteblatt international 2008; 105: 693-698

204 Flak AL, Su S, Bertrand J. et al. The association of mild, moderate, and binge prenatal alcohol exposure and child neuropsychological outcomes: a meta-analysis. Alcohol Clin Exp Res 2014; 38: 214-226

205 European Board and College of Obstetrics & Gynaecology. Position Statement from the European Board and College of Obstetrics & Gynaecology (EBCOG): Alcohol and pregnancy. Online: https://www.ebcog.org/blank-2/2015/11/27/EBCOG-Position-paper-on-Alcohol-and-pregnancy last access: 22.01.2018

206 Shawe J, Delbaere I, Ekstrand M. et al. Preconception care policy, guidelines, recommendations and services across six European countries: Belgium (Flanders), Denmark, Italy, the Netherlands, Sweden and the United Kingdom. Eur J Contracept Reprod Health Care 2015; 20: 77-87

207 Van Heertum K, Rossi B. Alcohol and fertility: how much is too much?. Fertil Res Pract 2017; 3: 10

208 Niclasen J. Drinking or not drinking in pregnancy: the multiplicity of confounding influences. Alcohol Alcohol 2014; 49: 349-355

209 Kesmodel US, Bertrand J, Stovring H. et al. The effect of different alcohol drinking patterns in early to mid pregnancy on the childʼs intelligence, attention, and executive function. BJOG 2012; 119: 1180-1190