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Werde ich es schaffen zu stillen? Habe ich genug Milch? Wie oft Stillen ist normal? Solche Fragen beschäftigen viele Frauen, die übers Stillen nachdenken. Stillen ist etwas Natürliches. Gleichzeitig sind ein paar grundlegende Infos, etwas Anleitung und praktische Unterstützung hilfreich. Mit dieser Handvoll Wissen können Sie sich aufs Stillen einstellen.

Schwangere lockige Frau auf Parkbank lächelt und halt die Hände auf dem Bauch
iStock/NickyLloyd

1. Wertvoll: Stillen ist von der Natur vorgesehen

Stillen ist die normale Form der Säuglingsernährung. Der Körper bereitet sich schon in der Schwangerschaft darauf vor und beginnt ab der 16. Woche Milch zu bilden. So ist direkt nach der Geburt Milch für das Baby da. Die erste Milch heißt Kolostrum. Sie ist besonders wirksam, um das Immunsystem des Kindes aufzubauen.

Darum ist Kolostrum so besonders.

Muttermilch liefert dem Baby von Natur aus alle Nährstoffe, damit es wachsen und sich entwickeln kann. Die Inhaltsstoffe passen sich über Monate hinweg immer wieder an die Bedürfnisse des Babys an. Damit ist das Kind im ersten halben Jahr vollständig versorgt und braucht weder zusätzliche Nahrung noch ergänzende Flüssigkeit.

Gesund für Mutter und Kind

Gestillte Kinder sterben seltener am Plötzlichen Kindstod als nicht gestillte Kinder. Sie haben weniger häufig Durchfall und Mittelohrentzündungen und im späteren Leben seltener Typ 2 Diabetes oder Übergewicht. Auch die Mutter profitiert vom Stillen. Kurzfristig, weil die Gebärmutter sich schneller zurückbildet als bei nicht-stillenden Frauen. Langfristig, weil es das Risiko für Brustkrebs, Eierstockkrebs und Typ-2-Diabetes senkt. Jegliches Stillen ist wertvoll – auch Teilstillen.

2. Bindungsfördernd: Direkter Hautkontakt gleich nach der Geburt

Das Baby unmittelbar nach der Geburt nackt auf den Bauch der Mutter zu legen, hilft beiden, eine innige Bindung aufzubauen. Es gibt Zeit zum Kennenlernen, vermittelt dem Baby Geborgenheit und wirkt auf die Mutter beruhigend. Außerdem regt es die Produktion von Stillhormonen für den Stillstart an. Wie natürlich das Stillen ist, zeigt sich auch hier: Liegt das Baby nach der Geburt nackt auf dem Bauch der Mutter, findet es ganz von selbst seinen Weg zur Brustwarze und beginnt zu trinken. Diese instinktive Bewegung hin zur Nahrungsquelle wird als „Breast Crawl“ – also „Brustkrabbeln“ – bezeichnet.

Hier können Sie sich das erste Kennenlernen nach der Geburt ansehen.

Manchmal ist der Hautkontakt zwischen Mutter und Kind direkt nach der Geburt nicht möglich, zum Beispiel wenn die Frau eine Vollnarkose hatte. Dann kann eine andere nahe Bezugsperson dem Baby Wärme geben und so das Urvertrauen stärken. Mutter und Kind holen ihre erste Kuschelzeit nach, sobald es möglich ist. Eine gelingende Stillbeziehung können sie auch dann noch aufbauen. Klinikroutinen wie Messen und Wiegen können übrigens in der Regel bis nach dem ersten Anlegen warten.

Mehr zum ersten Anlegen und der Bedeutung von Hautkontakt

3. Entspannt: Die zurückgelehnte Stillhaltung

Ob im Liegen, im Sitzen oder im Stehen, ob zu Hause, im Park oder bei Bekannten: Stillen geht überall und es gibt viele verschiedene Stillpositionen, die Mutter und Kind ausprobieren können. Mit der Zeit werden Sie Ihre Lieblingspositionen finden.

Die zurückgelehnte Stillhaltung ist gerade kurz nach der Geburt eine entspannte Position für die Mutter und erleichtert dem Neugeborenen den Weg zur Brust. Die Mutter macht es sich dafür in einer halb liegenden Position bequem, zum Beispiel mit einem oder mehreren Kissen. Das Baby liegt bäuchlings auf dem Bauch der Mutter, schiebt sich zur Brust und beginnt zu saugen. Bei Bedarf kann die Mutter dem Kind etwas Halt unter den Füßen oder am Po geben.

Egal in welcher Position gestillt wird, das richtige Anlegen ist immer wichtig. Denn damit lassen sich wunde Brustwarzen und andere Stillprobleme vorbeugen. Stillprofis sind hier für Sie da und können Sie anleiten und unterstützen. Adressen finden Sie unten auf dieser Seite.

Hier finden Sie weitere Stillpositionen und Tipps zum Anlegen.

Es ist beim Stillen unwichtig, ob es von außen so aussieht wie in Büchern oder auf Fotos. Wenn sich etwas „nicht richtig“ anfühlt, unbequem ist oder gar weh tut, fragen Sie nach oder bitten Sie um Hilfe. Selbst kleine Anpassungen können oft schon einen großen Unterschied machen.

4. Milchbildend: Häufiges Stillen ist richtig und wichtig

Jedes Neugeborene hat seinen eigenen Essens-Rhythmus. Eines haben die meisten Babys aber gemeinsam: Sie wollen in den ersten Lebenswochen acht bis zwölf Mal am Tag gestillt werden, manchmal auch öfter. Das ist ganz normal. Neugeborene müssen häufig trinken, weil pro Mahlzeit nur eine kleine Menge Milch in den Magen passt, am ersten Tag ist er gerade einmal so groß wie eine Kirsche. In den ersten Tagen hilft häufiges Trinken an der Brust auch bei der Bildung von Muttermilch, die ab dem zweiten bis viertel Lebenstag die Neugeborenenmilch, das Kolostrum, ablöst.

In der gesamten Stillzeit passt sich die Milchmenge dem Bedarf des Kindes an. Dieses Zusammenspiel funktioniert, wenn das Baby trinken darf, wann immer und solange es möchte.

So zeigt ein Baby, dass es an die Brust will – plus Fakten zur Milchbildung

 

Wie viel Stillen ist normal?

Viele Stillende kennen es: Das Baby möchte in den ersten Wochen manchmal gefühlt ständig trinken. Was junge Mütter oft verunsichert, gehört zur natürlichen Entwicklung der Milchbildung. Das sogenannte „Clusterfeeding“ ist eine Phase, die vorbeigeht und kein Zeichen für zu wenig Milch.

Mehr über Clusterfeeding

5. Praktisch: Muttermilch von Hand gewinnen

Eine Verabredung steht an, ein berufliches Meeting findet statt oder die Mutter braucht einfach mal eine Pause vom Stillen – für all diese Situationen gibt es Lösungen. Die Muttermilch lässt sich abpumpen oder auch von Hand gewinnen und zum Beispiel in Fläschchen im Kühlschrank lagern. So gewinnt die Mutter Flexibilität, ohne auf die Vorteile des Stillens verzichten zu müssen. Qualifizierte Stillberater*innen und Hebammen können zeigen, wie sich Muttermilch von Hand gewinnen lässt. Die Technik ist gut zu lernen und macht unabhängig von technischen Hilfsmitteln.

Dieses Video in englischer Sprache zeigt die Milchgewinnung anschaulich von Hand.

Es muss nicht alles gleich klappen!

„Der Wunsch zu stillen ist die beste Voraussetzung dafür, dass es klappt“, weiß Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben. Nehmen Sie und Ihr Baby sich Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen, auch rund ums Stillen. Etwas grundlegendes Wissen und gute Beratung durch Fachkräfte wie Hebammen und Stillberater*innen können helfen, Schwierigkeiten zu meistern und Selbstvertrauen zu gewinnen.

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Stillen - eine Handvoll Wisssen. 1. Stillen ist von der Natur vorgesehen. 2. Direkter Hautkontakt gleich nach der Geburt. 3. Die zurückgelehnte Stillhaltung. 4. Häufiges Stillen ist richtig und wichtig. 5. Muttermilch von Hand gewinnen.
Nationale Stillförderung

Hintergrund

Weltstillwoche 2022 Stillen – eine Handvoll Wissen reicht.

Dieser Text ist im Rahmen der Weltstillwoche 2022 erschienen. Die Weltstillwoche ist eine von der World Alliance for Breastfeeding Action (WABA) organisierte Aktionswoche. Sie wird seit 1992 jährlich in 120 Ländern abgehalten. In Deutschland findet sie immer in der 40. Kalenderwoche eines Jahres statt. Der Grund für diesen Termin: Eine normale Schwangerschaft dauert rund 40 Wochen.

Ziel der Weltstillwoche ist es, Stillen als natürliche und selbstverständliche Ernährung für Säuglinge in den Mittelpunkt zu stellen und sowohl Familien als auch die Gesellschaft über die positiven Effekte des Stillens zu informieren.  Das deutsche Motto „Stillen – eine Handvoll Wissen reicht.“ und das Kampagnenmotiv, die „Handvoll Wissen“, haben fünfzehn stillfördernde Institutionen der Nationalen Stillförderung e. V. anlässlich der Weltstillwoche 2022 entwickelt.

Beratung

Vor Ort, telefonisch oder online Hier geht's zu den Stillprofis!

www.ammely.de
Einfache Online-Suche nach einer verfügbaren Hebamme vor Ort. Frauen können beispielsweise ihren Wohnort und die gesuchte Leistung „Still- und Ernährungsberatung“ angeben. Auch einmalige Online-Beratung für akute Fälle ist möglich. Das Angebot ist für gesetzlich Versicherte kostenlos. Plattform des Deutschen Hebammenverbands. e. V.

www.afs-stillen.de
Über die Suchfunktion auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V. (AFS) kann nach ehrenamtlicher Stillberatung und Stillgruppen vor Ort gesucht werden. Die AFS bietet unter 0228 / 92 95 9999 auch eine Telefon-Hotline durch Stillberaterinnen an.

www.bdl-stillen.de
Beim Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e. V. können (werdende) Eltern unter dem Stichwort „Stillberatungssuche“ nach wissenschaftlich fortgebildeten und zertifizierten Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC in der Nähe suchen.

www.lalecheliga.de
Auf der Homepage von La Leche Liga Deutschland e. V. kann man sich Stillgruppen und ehrenamtliche Stillberatung vor Ort anzeigen lassen, die man auch telefonisch kontaktieren kann. Auch eine E-Mail-Beratung ist möglich.

www.stillen.de

Mithilfe der PLZ-Suche gelangt man zu Stillspezialist*innen® und Laktationsberater*innen IBCLC in der Nähe, die eine wissenschaftlich fundierte 220-stündige Fortbildung absolviert haben.

Hautkontakt nach der Geburt

Ungestörter, direkter Hautkontakt gleich nach der Geburt vermittelt dem Kind Geborgenheit und wirkt auf die Mutter beruhigend. Das Video des Netzwerks Gesund ins Leben zeigt das erste Kennenlernen, den Stillbeginn und den Breast Crawl – den Urinstinkt des neugeborenen Babys, sich zur Brust der Mutter zu bewegen.

Gut zu wissen

Hände halten Paragraphsymbol 07 Sep
Robert Kneschke – stock.adobe.com

Meine Rechte rund ums Stillen

Hebammenhilfe, Stillberatung und Mutterschutz

Stillen ist Ihr gutes Recht. Die gesetzliche Krankenkasse trägt die Kosten für die reguläre Hebammenbetreuung und das Mutterschutzgesetz sichert Ihnen bezahlte Stillpausen zu.

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