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Frau isst Salat
Kittiphan/Fotolia.com

Empfehlungen

  • Schwangere Frauen sollen besonders auf die Qualität ihrer Ernährung achten. Im Verhältnis zum Energiebedarf steigt der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen einschließlich Spurenelementen in der Schwangerschaft deutlich stärker.
  • Für die meisten Schwangeren ist eine Steigerung der Energiezufuhr im Verlauf der Schwangerschaft nicht notwendig. Insbesondere Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Übergewicht oder Adipositas hatten, sollten ihre Energiezufuhr nicht erhöhen.

Grundlagen der Empfehlungen

Nationale und internationale Richtwerte für die Energiezufuhr berücksichtigen den rechnerisch ermittelten Energiemehrbedarf in der Schwangerschaft [81]. Die Richtwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Energiezufuhr (mit Zulage von +250 kcal/Tag im 2. Trimester und +500 kcal/Tag im 3. Trimester) gelten für Frauen, die vor der Schwangerschaft Normalgewicht hatten und für eine Gewichtszunahme von etwa 12 kg bis zum Ende der Schwangerschaft sowie unter Berücksichtigung von körperlicher Aktivität, die auch während der Schwangerschaft unvermindert fortgeführt wird [82].

Diese Grundannahmen sind heute nicht mehr die Regel. Vielmehr starten 26 % der Frauen mit Übergewicht und weitere 19 % mit Adipositas in die Schwangerschaft [68]. Darüber hinaus ist nur knapp die Hälfte der Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland entsprechend der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) körperlich aktiv [83]. Außerdem geht die körperliche Aktivität im Laufe der Schwangerschaft im Allgemeinen zurück [84–87]. Übergewicht und Adipositas erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit für Inaktivität [87]. Vor diesem Hintergrund wird für die meisten Schwangeren, trotz erhöhtem Ruheenergieverbrauch, eine Erhöhung der Energiezufuhr im Verlauf der Schwangerschaft als nicht erforderlich angesehen. Dies gilt besonders bei Vorliegen von Übergewicht oder Adipositas [82, 88, 89].

Der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen steigt aber, anders als der Energiebedarf, in der Schwangerschaft deutlich an (siehe Abbildung 1). Dies spiegelt sich auch in entsprechend höheren Zufuhrreferenzwerten auf nationaler und internationaler Ebene wider [82, 90, 91]. Schwangeren wird daher zur Deckung ihres Mikronährstoffbedarfs empfohlen, Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte zu bevorzugen (z. B. [14, 92–94]).

Hintergrundinformationen

Alle biologischen Prozesse im Körper erfordern Energie. Hierzu gehören zum einen biochemische Prozesse, die die Körperstrukturen und -funktionen aufrechterhalten (Ruheenergieverbrauch), und zum anderen die körperliche Aktivität. Die Ernährung liefert vor allem über Fette und Kohlenhydrate, in geringerem Maße auch über Proteine, Energie [82]. Der Ruheenergieverbrauch ist während der Schwangerschaft erhöht – v. a. aufgrund der Bildung von Gewebe und der Einlagerung von Energie für Gebärmutter und Fetus sowie der gesteigerten Lungen- und Herztätigkeit [82, 95–97].

Häufig wird für Schwangere das Ausmaß dieses zusätzlichen Energiebedarfs überschätzt, weshalb die landläufige Meinung, eine Schwangere müsse für zwei essen, nicht zutreffend ist [2, 98]. Die häufig fehlende oder zurückgehende körperliche Aktivität während der Schwangerschaft stützt diese Einschätzung – auch das Vorliegen von Übergewicht oder Adipositas zu Beginn und im Verlauf der Schwangerschaft spielen hierbei eine Rolle [68, 83–89]. Eine zu hohe Energiezufuhr sowie eine Verminderung der körperlichen Aktivität sind zudem mit einer höheren Gewichtszunahme in der Schwangerschaft verbunden [99]. Eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft kann wiederum mit unerwünschten gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind einhergehen (siehe Kapitel „Körpergewicht vor der Konzeption und Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft“).

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an einer Reihe von Vitaminen (A, B6, B12, C, Folat, Niacin, Riboflavin, Thiamin) und Mineralstoffen (Eisen, Jod, Zink) sowie an Protein (siehe Abbildung 1). Eine deutlich höhere Zufuhr wird für Folat, Eisen und Jod empfohlen. Auch für die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) liegt eine Zufuhrempfehlung für die Schwangerschaft vor [82].

Der Mehrbedarf an Protein, Vitaminen und Mineralstoffen kann meist – mit Ausnahme von Folat und Jod (siehe Kapitel „Supplemente“) – durch eine geeignete Lebensmittelauswahl gedeckt werden [82]. In der Beratung ist es sinnvoll, den Aspekt „für zwei denken, aber nicht für zwei (nicht das Doppelte) essen“ hervorzuheben und dies durch Lebensmittelbeispiele mit einer hohen Nährstoffdichte (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Milchprodukte, Fisch etc.) zu veranschaulichen. Auch hierbei spielt die diversitätssensible Beratung eine wichtige Rolle (siehe Kapitel „Diversitätssensible Beratung“).

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Literatur

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[14] Living Evidence for Australian Pregnancy and Postnatal Care. Australian Pregnancy Care Guidelines. Melbourne; 2025

[68] Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen. Bundesauswertung. PM-GEBH: Geburtshilfe. Auswertungsjahr 2025, Erfassungsjahr 2024. Berlin; 2025

[81] World Health Organization (WHO), Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), United Nations University. Human energy requirements. Report of a Joint FAO/WHO/UNU Expert Consultation, Rome, Italy, 17-24 October 2001. Rome; 2004

[82] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 3. Auflage, 1. Ausgabe. Bonn; 2025

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