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Energie- und Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft

Der Energiebedarf steigt im Verlauf der Schwangerschaft nur leicht an.

Frau isst Salat
Kittiphan / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Schwangere Frauen sollten besonders auf die Qualität ihrer Ernährung achten. Im Verhältnis zum Energiebedarf steigt der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen/Spurenelementen in der Schwangerschaft deutlich stärker.
  • Der Energiebedarf steigt im Verlauf der Schwangerschaft nur leicht an. Schwangere sollten erst in den letzten Monaten der Schwangerschaft ihre Energiezufuhr nur geringfügig (bis zu ca. 10%) steigern.

Grundlage der Empfehlungen

Die Empfehlungen berücksichtigen den rechnerisch ermittelten Energiemehrbedarf, der Grundlage für internationale und nationale Referenzwerte ist [4], [25], [51], [52], sowie die vor allem im 3. Trimester meist deutlich zurückgehende körperliche Aktivität [53].

Hintergrundinformationen

Eine hochkalorische Ernährung kann sich ungünstig auf den Schwangerschaftsverlauf und auf die kindliche Gesundheit auswirken [54], [55], [56], [57]. Häufig überschätzen Schwangere ihren tatsächlichen Energiemehrbedarf. Der Energieverbrauch steigt vor allem durch den Energiebedarf für die Gewebebildung und das fetale Wachstum. Rein rechnerisch ergibt sich für eine normalgewichtige Frau und eine Gewichtszunahme in der Schwangerschaft von 12 kg ein zusätzlicher Energiebedarf von 76 530 kcal [58]. Daraus leitet sich der Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine zusätzliche Energiezufuhr von 250 kcal/d im 2. Trimester und 500 kcal/d im 3. Trimester bei unverminderter körperlicher Aktivität ab [52]. Die körperliche Aktivität geht jedoch meist erheblich zurück [59], [60], sodass bei vielen Frauen keine erhöhte Energiezufuhr benötigt wird.

zwei Teller Nudeln
Für zwei denken, aber nicht für zwei (nicht das Doppelte) essen.

Der Bedarf an einer Reihe von Vitaminen und Mineralstoffen steigt in der Schwangerschaft stärker als der Energiebedarf, zumeist ab dem 4. Monat [61]. Bei den Nährstoffen Folat und Jod wird eine deutlich erhöhte Zufuhr bereits ab Beginn bzw. vor der Schwangerschaft empfohlen [52]. Angaben zur empfohlenen Zulage für verschiedene Nährstoffe in der Schwangerschaft zeigt [Abb. 1]. Der Mehrbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen kann meist – mit Ausnahme von Folat und Jod [52] (siehe Kapitel Supplemente) – durch eine geeignete Lebensmittelauswahl gedeckt werden. Die Einnahme von Supplementen kann eine ausgewogene Ernährungsweise nicht ersetzen. In der Beratung ist es sinnvoll, den Aspekt „für zwei denken, aber nicht für zwei (nicht das Doppelte) essen“ hervorzuheben und dies durch Lebensmittelbeispiele mit einer hohen Nährstoffdichte (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Milchprodukte etc.) zu veranschaulichen.

Abbildung
Abb. 1 Nährstoffreferenzwerte – empfohlene Zulage nach DGE in der Schwangerschaft in % des Referenzwertes [52].

 

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Thieme

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Aktuelle Handlungsempfehlungen Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft

Die Handlungsempfehlungen fassen wichtige Botschaften zu Ernährung und Lebensstil vor und in der Schwangerschaft zusammen. Die Empfehlungen werden von den für Deutschland relevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden unterstützt. 

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Literatur

4 Hanson MA, Bardsley A, De-Regil LM. et al. The International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) recommendations on adolescent, preconception, and maternal nutrition: “Think Nutrition First”. Int J Gynaecol Obstet 2015; 131 (Suppl. 04) S213-S253

25 World Health Organization, Food and Agriculture Organization of the United Nations, University UN. Human energy requirements. Report of a Joint FAO/WHO/UNU Expert Consultation, Rome, Italy, 17 – 24 October 2001. Rome: WHO; 2004

51 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for energy. EFSA Journal 2013; 11: 3005

52 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn: 2017

53 Ferrari N, Graf C. Bewegungsempfehlungen für Frauen während und nach der Schwangerschaft. Gesundheitswesen 2017; 79: S36-S39

54 Cantwell R, Clutton-Brock T, Cooper G. et al. Saving Mothersʼ Lives: Reviewing maternal deaths to make motherhood safer: 2006–2008. The Eighth Report of the Confidential Enquiries into Maternal Deaths in the United Kingdom. BJOG 2011; 118 (Suppl. 01) 1-203

55 Catalano PM. Obesity, insulin resistance, and pregnancy outcome. Reproduction 2010; 140: 365-371

56 Rasmussen KM, Abrams B, Bodnar LM. et al. Recommendations for weight gain during pregnancy in the context of the obesity epidemic. Obstet Gynecol 2010; 116: 1191-1195

57 Tielemans MJ, Garcia AH, Peralta Santos A. et al. Macronutrient composition and gestational weight gain: a systematic review. Am J Clin Nutr 2016; 103: 83-99

58 FAO/WHO/UNU Expert Consultation. Human energy requirements: report of a joint FAO/WHO/UNU Expert Consultation. Food Nutr Bull 2005; 26: 166

59 Lof M. Physical activity pattern and activity energy expenditure in healthy pregnant and non-pregnant Swedish women. Eur J Clin Nutr 2011; 65: 1295-1301

60 Rauh K, Gabriel E, Kerschbaum E. et al. Safety and efficacy of a lifestyle intervention for pregnant women to prevent excessive maternal weight gain: a cluster-randomized controlled trial. BMC Pregnancy Childbirth 2013; 13: 151

61 Berti C, Biesalski HK, Gartner R. et al. Micronutrients in pregnancy: current knowledge and unresolved questions. Clini Nutr 2011; 30: 689-701