Die Listeriose und die Toxoplasmose sind Infektionen, die über Lebensmittel übertragen werden können. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung kommen sie selten vor [1] und verlaufen bei gesunden Erwachsenen in der Regel harmlos. Sind jedoch schwangere Frauen davon betroffen, kann die Infektion über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen. Dann sind schwerwiegende Erkrankungen des Kindes sowie Früh- und sogar Totgeburten möglich [1,2]. Schwangere Frauen können sich und ihr ungeborenes Kind am besten vor einem Erkrankungsrisiko schützen, wenn sie sicherheitshalber auf einige Lebensmittel verzichten und auf eine hygienische Zubereitung achten.
Verkürzt lauten die Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben [3]: keine rohen Lebensmittel vom Tier und pflanzlichen Ersatzprodukte, ausreichend durcherhitzt und gute Hygiene.
Eine Gute Hygiene für mehr Sicherheit – zu Hause und unterwegs
Eine gute Hygiene in der Küche und im gesamten Tagesablauf schützt vor jeglichen Infektionen und auch vor einer Übertragung von Listerien und Toxoplasmen, etwa über Lebensmittel, Geschirr oder andere Alltagskontakte. Dabei können sich Listerien, genauso wie viele Bakterien, auch in zubereiteten Lebensmitteln vermehren.
Über Nachgefragt
In der Rubrik Nachgefragt gehen wir Irrtümern auf den Grund und erklären altes Wissen neu.
Das zentrale Hygiene-Gebot lautet: Gründliches Händewaschen – vor dem Kochen und auch zwischendurch und wenn rohe Lebensmittel verarbeitet wurden. Und natürlich nach jedem Toilettengang, nach dem Wickeln oder wenn Tiere angefasst wurden. Wohnt eine Katze im Haushalt sollten Schwangere die Katzentoilette am besten nicht selbst reinigen. Denn Katzen sind die natürlichen Endwirte für Toxoplasmen, so dass ihr Kot oft belastet ist. Auch bei der Gartenarbeit sind Handschuhe als Schutz empfehlenswert [4]. Kühlungspflichtiges wie Milch, Schnittkäse, Wurst oder vegetarische Brotaufstriche mit langem Mindesthaltbarkeitsdatum wählen und immer im Kühlschrank lagern. Die Produkte sollten nach dem Öffnen innerhalb von 2 bis 3 Tagen aufgebraucht werden. Käse am besten am Stück kaufen oder frisch aufschneiden lassen. Gleiches gilt für Reibekäse.
Durcherhitzen ist wichtig – nicht nur bei Fleisch und Fisch
Optimal ist für Schwangere eine frisch zubereitete Kost. Dann wissen sie ganz genau, dass die Lebensmittel hygienisch hergestellt, gut gekühlt und nicht zu lange gelagert wurden. Zudem tötet ausreichend Hitze sowohl Listerien wie auch Toxoplasmen ab [4, 5]. Deshalb können Schwangere durcherhitzte Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Eier sowie pasteurisierte Milch und Milchprodukte genauso wie entsprechend behandelte vegane und vegetarische Alternativprodukte bedenkenlos genießen. Durcherhitzen heißt: Im Lebensmittel muss eine Kerntemperatur von 70 °C oder mehr über mindestens zwei Minuten erreicht werden.
Der Fleischsaft ist dann farblos und klar, die Fleischfarbe grau, der Fisch nicht mehr glasig. Im Zweifel hilft ein Fleischthermometer. Ungeeignet sind Medium-Steaks oder Spezialitäten mit rohem Fisch wie Sushi oder Sashimi sowie geräucherte oder gebeizte Fische wie Lachs. Auch auf Rohwurstwaren wie Teewurst oder Salami und Rohschinken sollten Frauen während der Schwangerschaft verzichten. Das gilt gleichermaßen für vegane und vegetarische Alternativprodukte, die im Zuge ihrer Herstellung nicht durcherhitzt oder zu Reifungszwecken nachträglich fermentiert wurden. Gebrühte Produkte, zum Beispiel Fleischwaren wie Jagdwurst, Kochschinken oder Braten sind für Schwangere die bessere Wahl. Allgemein empfehlenswert ist es Stückware zu wählen. Denn Aufschnitt ist aufgrund seiner größeren Oberfläche anfälliger für eine mögliche Vermehrung von Bakterien, darunter auch Listerien. Wer kalte Fischwaren essen mag, ist mit stark sauer eingelegten Erzeugnissen wie Rollmöpsen in original verschlossener Herstellerverpackung gut beraten.
Vegane und vegetarische Alternativprodukte sollten Schwangere handhaben wie deren tierischen Vergleichsprodukte: das heißt, Fleischersatz nur durcherhitzt genießen und fermentierte oder gereifte Alternativen für Wurst und Käse sowie nicht erhitzte Pflanzendrinks meiden. Generell wichtig ist eine gute Hygiene bei der Zubereitung und die Berücksichtigung von Lagerungs- und Herstellerhinweisen. Schwangere, die befürchten sich infiziert zu haben, sollten ärztlichen Rat einholen.
Vorsicht bei Tiefkühlware
Listerien können bei Tiefkühltemperaturen überleben [5], genauso einige Toxoplasmen [4]. Für Schwangere gilt daher die Empfehlung, alle tiefgekühlten Produkte, einschließlich solcher, die nicht per se heiß verzehrt werden wie Tiefkühlbeeren oder tiefgekühlte Kräuter, vor dem Verzehr auf über 70 Grad Celsius zu erhitzen. Zwar werden Tiefkühlkräuter in der Regel in nur geringen Mengen eingesetzt, ist die Ware aber mit Listerien befallen, können sich diese in der zubereiteten Speise, etwa einem Kräuterquark, vermehren [6]. Tiefkühlbackwaren wie Kuchen sind unbedenklich, wenn sie im Kühlschrank aufgetaut werden. Bei Produkten aus dem Kühlregal ist es sinnvoll, dass Schwangere die mit einem längeren Haltbarkeitsdatum wählen und anschließend schnell verbrauchen.
Rohmilchprodukte und nicht erhitzte Pflanzendrinks meiden
Rohmilch und Milchprodukte, die ohne Wärmebehandlung aus Rohmilch hergestellt wurden, sind nicht für den Speiseplan von schwangeren Frauen geeignet. Dasselbe gilt für Pflanzendrinks, die im Zuge ihrer Herstellung nicht pasteurisiert wurden. Denn die Produkte können mit Listerien kontaminiert sein. Erkennbar sind verpackte Rohmilchprodukte, einschließlich Käse, an dem Hinweis „Rohmilch“, „Vorzugsmilch“ beziehungsweise „aus Rohmilch hergestellt“ auf der Packung. Für nicht erhitzte Pflanzendrinks gibt es keine entsprechende gesetzlich geregelte Kennzeichnungspflicht. Im Angebot von Supermärkten sind sie selten zu finden; wenn es sie gibt, dann im Kühlregal. Nicht kühlpflichtige, haltbare Pflanzendrinks sind in der Regel hocherhitzt.
Beim Käse und veganen Alternativen kommt es auf die Sorte an
Käse aus Rohmilch ist für Schwangere nicht empfehlenswert. Ebenso wenig geeignet sind halbfeste Käsesorten aus pasteurisierter Milch mit Blauschimmel sowie Weichkäsesorten mit klebriger Rinde wie Esrom oder Limburger und Sauermilchkäse wie Harzer Rolle sowie fermentierte beziehungsweise gereifte pflanzliche Alternativen dieser Sorten aus etwa Mandeln, Cashewkernen oder Nüssen. Bei Rohmilch-Käse gibt es eine Ausnahme: Hartkäsesorten wie Parmesan, die durch lange Reifungszeiten gut durchgetrocknet sind, können auch von Schwangeren bedenkenlos gegessen werden. Generell gilt für den Verzehr von Käse, ganz gleich, ob er aus Rohmilch oder pasteurisierter Milch hergestellt wurde: die Rinde muss ab. Denn gerade auf der Rinde können sich gefährliche Erreger ansiedeln und vermehren. Eingelegter Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen sowie geriebener Käse ist besonders anfällig für eine Vermehrung von Bakterien. Schwangere sollten solche Produkte daher meiden beziehungsweise Käse erst unmittelbar vor dem Verzehr selbst reiben.
Frisches aus der Obst- und Gemüseabteilung
Fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag gehören zu einer gesunden Ernährung generell dazu – das gilt für Schwangere insbesondere. Dabei ist es wichtig, kurz vor dem Verzehr das Obst oder Gemüse gründlich unter fließendem Wasser zu waschen! Das gilt auch für frische Kräuter. Küchenfertige Schnittsalate in Fertigpackungen sind für Schwangere keine gute Wahl, denn sie bieten Erregern beste Vermehrungsbedingungen. Dasselbe gilt für frisch gepresste Säfte, Smoothies sowie fertig aufgeschnittenes Obst aus der Obst- und Gemüseabteilung. Wenn die Zeit zum Selbermachen fehlt, sind während der Schwangerschaft industriell hergestellte Säfte und Smoothies oder Obst und Gemüse aus Konserven die bessere Wahl. Da sich Bakterien auch in rohen Sprossen und Keimlingen leicht vermehren, sollten diese vor dem Verzehr immer auf 70 Grad Celsius erhitzt werden.
Werden tiefgekühltes Gemüse, Kräuter und Obst verwendet, sollten sie ebenfalls auf über 70 Grad Celsius erhitzt werden.
Übersicht: Tipps zur Auswahl
Das bedeutet nicht, dass Schwangere grundsätzlich auf alles verzichten müssen. Es gibt zahlreiche Alternativen und Zubereitungsarten, die für Schwangere unbedenklich sind. Das Netzwerks Gesund ins Leben gibt Tipps für die Auswahl verschiedener Lebensmittelgruppen:
| Lebensmittelgruppe | Tipps und Hinweise |
| Milch(-produkte) und pflanzliche Alternativen |
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| Fleisch und Fisch(-produkte) |
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| Feinkost/Antipasti |
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| Gemüse, Salate, Kräuter, Obst |
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In der Beratung Handlungsoptionen aufzeigen
„Es ist wichtig, dass Fachkräfte in der Beratung von Schwangeren keine Ängste schüren“, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Anke Weißenborn, die im Netzwerk Gesund ins Leben das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vertritt. "Frauenärztinnen und -ärzte sollten aber Schwangeren erklären, worauf sie bei der Lebensmittelauswahl sowie bei der Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln achten sollten, um sich vor einer lebensmittelbedingten Infektion zu schützen. In die Beratung gehört auch, dass Schwangere keine rohen tierischen Lebensmittel essen sollten. Schließlich können Fachkräfte Schwangere dazu motivieren, ihre Mahlzeiten selbst und frisch zuzubereiten.“
Fallzahlen und Handeln im Verdachtsfall
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung treten Infektionen mit Listerien oder Toxoplasmen nur selten auf. 2024 wurden 13 Fälle von Schwangerschafts-Listeriose sowie 10 Fälle von Toxoplasmose im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft gemeldet. Bei beiden Infektionen ist aber von einer hohen Dunkelziffer auszugehen [1], da sie oft erfolgen, ohne dass die Betroffenen es merken. Für die meisten Menschen verlaufen sie harmlos, treten sie aber während der Schwangerschaft auf, können sie dem ungeborenen Kind schaden. Ein Teil der Frauen im gebärfähigen Alter besitzt aufgrund einer früheren Infektion bereits Antikörper gegen Toxoplasmen und ist immun [4]. Schwangere, die keine Antikörper haben, sollten Infektionsquellen meiden. Eine Immunität gegenüber der Listeriose gibt es nicht – das heißt, sie kann immer wieder aufs Neue beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel auftreten. Bei einem begründeten Verdacht auf Toxoplasmose und andere Infektionen kann die Ärztin oder der Arzt der Schwangeren eine serologische Untersuchung durchführen [7]. Über Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie informiert der RKI-Ratgeber zur Listerose beziehungsweise Toxoplasmose [8, 9].
Infos zu Bakterien
Listerien und Toxoplasmose-Erreger sind weit verbreitet und können auf diversen Wegen in Lebensmittel gelangen: Toxoplasmen kommen vor allem im Fleisch vieler Tierarten vor, aber auch Obst und Gemüse können betroffen sein [4]. Verunreinigungen mit Listerien entstehen beispielsweise beim Melken, Schlachten oder der Verarbeitung. Anders als die Toxoplasmose-Erreger können sich Listerien im Lebensmittel vermehren [5].
Der Artikel basiert auf den bundesweiten Handlungsempfehlungen zu Ernährung, Bewegung und weiteren Gesundheitsaspekten vor und während der Schwangerschaft
Schutz for Infektionen durch Lebensmittel in der Schwangerschaft