Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement – unverzichtbar für eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung des wachsenden Kindes. In der Schwangerschaft steigt der Bedarf, da Schwangere nicht nur ihren eigenen Bedarf, sondern auch den ihres Kindes decken müssen. Sie sollten durchschnittlich 220 Mikrogramm (µg) Jod pro Tag aufnehmen, also 47 Prozent mehr als Erwachsene im Allgemeinen [1].
Zufuhrempfehlungen und Versorgung in Deutschland
Über Nachgefragt
In der Rubrik Nachgefragt gehen wir Irrtümern auf den Grund und erklären altes Wissen neu.
Deutschland zählt – wie viele andere europäische Länder – aufgrund seiner ungünstigen geologischen Bedingungen zu den Jodmangelgebieten. Das zeigt sich auch in der Jodversorgung der Bevölkerung. Laut der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1, Erhebungszeitraum 2008-2011) lag der Jodspiegel der Studien-Teilnehmenden mit 69 Mikrogramm Urin pro Liter (µg/l) bei Männern und 54 µg/l bei Frauen deutlich unterhalb des von der WHO angegebenen Referenzbereichs einer ausreichenden Jodversorgung von mindestens 100 µg/l [2].
Jodmangel und seine Folgen
Fehlt dem Körper Jod über längere Zeit, kann die Schilddrüse zu wenig Hormone produzieren. Der Körper versucht dann, durch eine Vermehrung des Gewebes bzw. eine Schilddrüsenvergrößerung den Jod- und daraus resultierenden Schilddrüsenhormonmangel auszugleichen [1]. Die häufigste und bekannteste Folge eines Jodmangels beim Erwachsenen ist die Bildung eines Kropfes (Struma).
Ein Jodmangel beim Fetus beruht auf dem Jodmangel der Mutter. Die Folgen für das Kind können schwerwiegend sein. Bei einem schweren Jodmangel steigt das Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie Fehlbildungen. Auch schon eine leicht vergrößerte Schilddrüse kann beim Neugeborenen direkt nach der Geburt zu Atem- und Schluckbeschwerden führen. Das Wachstum, die Knochenreifung und die Gehirnentwicklung des Kindes können zudem beeinträchtigt werden [3].
Jodbedarf in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch
In der Schwangerschaft erhöht sich das Risiko eines Jodmangels weiter, weil der Bedarf höher ist (circa 70 µg pro Tag mehr) [1] . Aber eine gute Jodversorgung ist nicht erst in der Schwangerschaft, sondern bereits vor der Empfängnis entscheidend. Wer einen Kinderwunsch hat, sollte bewusst auf eine jodreiche Ernährung achten [4].
Jodreiche Lebensmittel: Praktische Tipps für Schwangere
Am meisten Jod enthalten Meeresfische wie Seelachs oder Kabeljau. Auch Algen sind natürliche Jodquellen, doch getrocknete Algen- bzw. Seetangprodukte sind für Schwangere ungeeignet, da ihr Jodgehalt stark schwanken kann und das Risiko einer Überdosierung besteht [5].
Auch Milch, Milcherzeugnisse und Eier können gute Jodquellen sein, wenn dem Tierfutter Jod zugesetzt wurde. In Bio-Milch ist häufig weniger Jod enthalten als in konventioneller Milch [1]. Bei pflanzlichen Milchalternativen sind nur die mit Jod angereicherten Produkte eine sichere Jodquelle, da rein pflanzliche Produkte kaum Jod enthalten [6].
Im Alltag tragen drei Regeln zu einer guten Jodversorgung bei:
- regelmäßig Fisch sowie Milch und Milchprodukte
- zum Salzen ausschließlich jodiertes Speisesalz nehmen
- Brot und Fleischwaren, die mit Jodsalz hergestellt wurden, wählen [4]. Das ist jedoch nur bei 9,3 Prozent der Backwaren der Fall, bei 33,9 Prozent der Wurstwaren, und bei 15,7 Prozent der Fleischwaren [7]. Ob Jodsalz verwendet wurde, steht im Zutatenverzeichnis.
Für den Mehrbedarf in der Schwangerschaft: Jodsupplement
Während der Schwangerschaft versorgt die werdende Mutter nicht nur sich, sondern auch das ungeborene Kind mit Jod. „Selbst bei sorgfältiger Lebensmittelauswahl, Verwendung von Jodsalz und einem regelmäßigen Verzehr von Meeresfisch sowie Milch und Milchprodukten ist es schwer, den erhöhten Jodbedarf zu decken“, sagt Constance Rybak, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben.
Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Schwangeren, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung ein Nahrungsergänzungsmittel mit einer Tagesdosis von 100 bis 150 µg Jod einzunehmen [4]. Diese Empfehlung steht im Einklang mit den Mutterschafts-Richtlinien [8]. Bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vor der Supplementierung eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin erfolgen.
| Tabelle: Genug Jod in der Schwangerschaft - so geht es | |
| 100 bis 150 µg Jod als Tablette | täglich |
| Jodsalz | konsequent Jodsalz verwenden, trotzdem sparsam salzen; beim Einkauf mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel bevorzugen |
| Milch und Milchprodukte | täglich |
| Eier | ergänzen |
| Meeresfisch | wöchentlich |
Bei Verzicht auf Milch und Fisch hilft eine qualifizierte Ernährungsberatung die Versorgung bei Bedarf zu optimieren.
Ärztliche Rücksprache bei Schilddrüsenerkrankungen
Auch Frauen mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow) können in der Regel bedenkenlos jodreich essen und Jodsalz verwenden – solange sie im Rahmen der empfohlenen Referenzwerte für die Jodzufuhr bleiben [9].
Besteht eine Schilddrüsenerkrankung, sollte vor jeder Form der Jodsupplementierung mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt gesprochen werden [4].
Hintergrund: Jodmangel in der Bevölkerung
Jodmangel ist ein aktuelles Problem mit ernst zu nehmenden Folgen für die Gesundheit. Darauf macht das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) mit einer Informationsoffensive „Wenn Salz, dann Jodsalz“ aufmerksam.
Hintergrund ist der rückläufige Trend bei der Versorgung der Bevölkerung mit Jod in Deutschland. Die natürlichen Jodgehalte heimischer Lebensmittel reichen nicht aus, um die Bevölkerung in Deutschland ausreichend mit Jod zu versorgen. Grund dafür sind jodarme Böden, die wiederum zu geringen Jodgehalten im darauf angebauten Getreide, Gemüse und Obst führen. Für eine ausreichende Jodversorgung sollte zusätzlich zum Verzehr jodhaltiger Lebensmittel darauf geachtet werden, dass jodiertes Speisesalz in der Küche, bei verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Wurstwaren oder Käse und in der Gastronomie verwendet wird. Dabei sollte die Salzzufuhr insgesamt entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) eine tägliche Menge von 6 Gramm nicht überschreiten.
Die Informationsoffensive findet in Zusammenarbeit mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) statt und wird unter anderem vom wissenschaftlichen Beirat des Arbeitskreises Jodmangel e. V. unterstützt.