Für die Aktualisierung der nationalen Handlungsempfehlungen „Ernährung, Bewegung und weiteren Gesundheitsaspekten vor und während der Schwangerschaft“ wurde die derzeitige Datenlage zu einer unbedenklichen Koffeinzufuhr in der Schwangerschaft gesichtet. Auf dieser Basis wird Schwangeren empfohlen, nur eine moderate Menge an koffeinhaltigen Getränken und Lebensmitteln wie Kaffee, Tee, Cola-Getränken, Energydrinks, Guarana oder Schokolade zu konsumieren. Moderat bedeutet, über den Tag verteilt in der Schwangerschaft nicht mehr als 200 mg Koffein aufzunehmen [1]. Das sind ungefähr zwei Tassen Filterkaffee zu je 200 ml oder zwei Tassen Espresso zu je 60 ml.
Wirkung von Koffein
Koffein gelangt über die Plazenta direkt zum ungeborenen Kind. Da der Fetus Koffein noch nicht selbst abbauen kann, bleibt er ihm so lange ausgesetzt, bis es im Körper der Schwangeren verstoffwechselt wurde. Das dauert in der Schwangerschaft länger als sonst, weil die Halbwertzeit von Koffein verlängert ist. Ungeborene Kinder sind somit am empfindlichsten für mögliche negative Auswirkungen von Koffein [2].
Koffein nur in moderaten Mengen
Bis zu 200 mg Koffein über den Tag verteilt gelten laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als unbedenklich für Schwangere und damit für das ungeborene Kind [2]. Diese von der EFSA als gesundheitlich unbedenklich angesehene Dosis stützt sich auf Studien, in denen ein dosisabhängiger positiver Zusammenhang zwischen der Koffeinaufnahme in der Schwangerschaft und dem Risiko für unerwünschte, mit dem Geburtsgewicht zusammenhängende Effekte (wie fetale Wachstumsverzögerungen und SGA (Small for Gestational Age, d. h. zu klein oder leicht bezogen auf die Schwangerschaftswoche) beim Nachwuchs gezeigt wurde [2].
Diese Empfehlung steht auch im Einklang mit den Empfehlungen mehrerer internationaler Fachgesellschaften und -institutionen [3–5].
Gesamtmenge an Koffein im Blick halten
Koffein kommt bekannterweise in Kaffeebohnen vor, aber auch in Kakaobohnen, Teeblättern, Guarana-Früchten und Kola-Nüssen. Außerdem wird es Lebensmitteln, dazu zählen auch Getränke und Nahrungsergänzungsmittel, zugesetzt. Auch Arzneimittel können Koffein enthalten [6]. Die Aufnahme aus allen Quellen sollte bei Schwangeren 200 mg am Tag nicht überschreiten.
Für die Umsetzung der Empfehlung im Alltag ist es wissenswert, dass der Koffeingehalt in Lebensmitteln und Getränken schwanken kann. Bei Kaffee etwa hängt er von Faktoren wie der Bohnensorte, der Röstung und der Zubereitung, z. B. als Filterkaffee oder Espresso, ab. Auch die Portionsgrößen sind nicht immer einheitlich oder einfach einzuschätzen. Die folgende Übersicht kann aber Orientierung bieten:
| Durchschnittliche Koffeingehalte [2, 6 und 7] | |
| 200 ml Filterkaffee (1 Tasse) | ca. 90 mg |
| 60 ml Espresso (1 Tasse) | ca. 80 mg |
| 200 ml schwarzer Tee (1 Tasse) | ca. 45 mg |
| 200 ml grüner Tee (1 Tasse) | ca. 30 mg |
| 330 ml Cola-Getränk (1 Dose) | ca. 35 mg |
| 250 ml Energydrink (1 Dose) | ca. 80 mg |
| 200 ml Kakao-Getränk | 8 bis 35 mg |
| 50 g Zartbitterschokolade (½ Tafel) | 25 mg |
| 50 g Vollmilchschokolade (½ Tafel) | 10 mg |
Auch Produkte mit Matcha und Guarana sind bei der Koffeinzufuhr zu berücksichtigen. Matcha ist zu Pulver vermahlener Grüntee. Matcha-Getränke können je nach Zubereitung fast ähnlich viel Koffein wie Espresso enthalten [8, 9]. Guarana steckt als Zutat z. B. in manchen Schokoladen, Kakaogetränken oder Energydrinks. Der Koffeingehalt von Samen der Guarana-Pflanze ist ungefähr 4-mal so hoch wie bei Kaffeebohnen [10].
Getränke mit Koffein sind hierzulande beliebt. Deutsche trinken im Durchschnitt 164 Liter Bohnenkaffee, 36 Liter Cola-Getränke sowie 28 Liter Schwarz- und Grüntee pro Jahr [11, 12]. Bei Energy- und Sportdrinks sind es 8,5 Liter pro Kopf und Jahr. Sie sind besonders bei jungen Menschen gefragt [13, 14].
Auf Energydrinks verzichten
Energydrinks enthalten oft hohe Mengen an Koffein. Weitere typische Inhaltsstoffe sind Taurin, Glucuronolacton oder Inosit, deren Wechselwirkungen nicht vollständig geklärt sind, sowie oft reichlich Zucker. Schwangere sollten daher laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung auf Energydrinks verzichten [7]. Als „koffeinhaltige Erfrischungsgetränke“ dürfen Energydrinks gesetzlich höchstens 320 mg Koffein pro Liter enthalten [15]. Ab 150 mg Koffein pro Liter müssen sie den Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere und stillende Frauen nicht empfohlen“ tragen, gefolgt von der Angabe des tatsächlichen Koffeingehaltes pro 100 ml [16].
Getränke in der Schwangerschaft
Ein moderater Konsum koffeinhaltiger Getränke ist in der Schwangerschaft damit unbedenklich, wenn die Gesamtmenge an Koffein im Blick behalten wird und unter 200 mg am Tag bleibt. Für Schwangere gilt wie für andere Erwachsene die Empfehlung, reichlich Wasser und ungesüßte Getränke zu trinken [1]. Gesüßte und zuckerhaltige Getränke sollten in der Schwangerschaft höchstens selten und/oder in geringen Mengen getrunken werden, denn ein hoher Konsum von zuckerhaltigen Getränken oder Lebensmitteln ist mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Übergewicht/Adipositas und Karies verbunden [17–19]. Die Studienlage zu Auswirkungen von Getränken mit Süßstoffen in der Schwangerschaft ist begrenzt [20]. Alkoholhaltige Getränke sollen in der Schwangerschaft nicht konsumiert werden. Zudem wird der Verzicht auf Getränke mit Chinin wie Bitter Lemon oder Tonic Water empfohlen [1, 21]. Kräutertees sollten in der Schwangerschaft möglichst abwechselnd mit anderen Getränken – vor allem mit Wasser – getrunken werden [22, 23].
Der Artikel basiert auf den bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Ernährung in der Schwangerschaft (2026)