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Das Gewicht einer Frau zu Schwangerschaftsbeginn und ihre Gewichtszunahme bis zur Geburt stehen im Zusammenhang mit der Gesundheit von Mutter und Kind. Welche Rolle spielen konkrete Gewichtsvorgaben? Und wie ist der Energiebedarf in der Schwangerschaft? Die nationalen Handlungsempfehlungen geben dazu Orientierung.

10 Bilder einer schwangeren Frau mit wachsendem Bauch
Mathom/Fotolia.com

Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von Faktoren wie der Energieaufnahme der schwangeren Frau und dem Ausmaß ihrer körperlichen Aktivität ab. Studien zeigen, dass eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft mit unerwünschten gesundheitlichen Folgen für Mutter und Kind einhergehen kann. Gleiches gilt für Frauen, die zu Beginn der Schwangerschaft übergewichtig oder adipös sind, denn auch das Ausgangsgewicht spielt eine entscheidende Rolle.

Einige internationale Fachinstitutionen empfehlen, bei der Beratung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch anstelle von Gewichtsvorgaben einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu betonen und Hinweise zu Ernährung und Bewegung zu geben [1,2]. Begründet wird dies mit einer unsicheren Datenlage zu exakten Empfehlungen zur Gewichtsveränderung während der Schwangerschaft in Abhängigkeit vom Ausgangsgewicht.

Die Handlungsempfehlungen „Ernährung, Bewegung und weitere Gesundheitsaspekte vor und während der Schwangerschaft“ [3] des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben verbinden beide Ansätze. Die Empfehlungen zu Ausgangsgewicht und Gewichtsentwicklung sowie zum Energiebedarf werden hier vorgestellt.

Sowohl Gewichtszunahme als auch Ausgangsgewicht relevant

Die Frage nach einer angemessenen Gewichtszunahme wird oft mit Verweis auf die Empfehlungen der National Academy of Medicine (NAM) (vormals das Institute of Medicine, IOM) beantwortet. Diese 2009 veröffentlichten Empfehlungen enthalten Angaben zur Gewichtszunahme in Abhängigkeit vom Ausgangsgewicht der Frau. Allerdings hat z. B. Großbritannien [5] die Empfehlungen nicht übernommen. Andere Länder wie Australien [6] und die Niederlande [7] haben sie angepasst, denn die Empfehlungen beruhen ausschließlich auf Beobachtungsstudien an US-amerikanischen Frauen und sind damit nicht repräsentativ für andere Länder. In Fachpublikationen gibt es weitere Kritikpunkte. So wird etwa die IOM/NAM-Empfehlung zur Gewichtszunahme für Frauen mit Adipositas (BMI > 30 kg/m2) als zu hoch angesehen. 

Auch die nationalen Handlungsempfehlungen enthalten eigene Gewichtsbereiche für die Schwangerschaft in Abhängigkeit vom Ausgangsgewicht (siehe Infobox 1):

Handlungsempfehlungen: Körpergewicht vor der Konzeption und Gewichtsentwicklung

  • Frauen mit Kinderwunsch sollten im Rahmen einer individuellen Beratung zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend körperlicher Aktivität ermutigt werden. Schon vor der Schwangerschaft ist eine bestmögliche Annäherung des Körpergewichts an ein Normalgewicht wünschenswert. Das gilt für Frauen mit Übergewicht oder Adipositas, aber auch für Frauen mit Untergewicht.
  • Ein gesundheitsförderlicher Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend körperlicher Aktivität sollte auch während der Schwangerschaft beibehalten werden, um eine gesunde Gewichtsentwicklung zu unterstützen.
    • Eine angemessene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft liegt für Frauen mit Normalgewicht zwischen 10 und 16 kg.
    • Für Frauen mit Übergewicht ist eine geringere Gewichtszunahme als für Frauen mit Normalgewicht wünschenswert.
    • Für Frauen mit Adipositas kann die Gewichtszunahme unterhalb von 5 bis 9 kg liegen.
    • Bei Frauen mit Untergewicht sollte auf eine ausreichende Gewichtszunahme in der Schwangerschaft geachtet werden

Infobox 1: Auszug Handlungsempfehlungen „Ernährung, Bewegung und weitere Gesundheitsaspekte vor und während der Schwangerschaft“ 2026

Für Frauen mit Adipositas wird eine Gewichtszunahme unterhalb der IOM/NAM-Empfehlung von 5 bis 9 kg empfohlen. Eine derartige Zunahme geht nach aktuellen Studien und Übersichtsarbeiten mit weniger Säuglingen einher, die für das Schwangerschaftsalter zu groß bzw. zu schwer sind (Large for Gestational Age, LGA) und seltener mit Präeklampsie oder Kaiserschnittgeburten. Wachstumsverzögerungen beim Ungeborenen werden dabei nicht beobachtet [8–10]. Auch die S3-Leitlinien „Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge“ sowie „Adipositas und Schwangerschaft“ empfehlen entsprechend für Frauen mit Adipositas eine Gewichtszunahme unterhalb der IOM/NAM-Empfehlungen [11,12].

Bei Frauen mit Normalgewicht (BMI 18,5–24,9 kg/m2) liegt eine angemessene Gewichtszunahme zwischen 10 und 16 kg. 

Für Frauen mit Übergewicht (BMI 25–29,9 kg/m2) ist eine geringere Zunahme als für Frauen mit Normalgewicht wünschenswert [13,14]. Das Risiko z. B. für Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes steigt, wenn Frauen mit Übergewicht oder Adipositas in eine Schwangerschaft starten – und auch bei einer höheren Gewichtszunahme in der Schwangerschaft [15–19]. 

Bei Frauen mit Untergewicht (BMI < 18,5 kg/m2) ist eine angemessene Energie- und Nährstoffversorgung in der Schwangerschaft besonders wichtig. Eine generelle Empfehlung zur Mindestgewichtszunahme kann aus den vorliegenden Studien nicht abgeleitet werden [24–27].

Die meisten Studien, die mütterliches Ausgangsgewicht und Gewichtsentwicklung betrachten, sehen beides als unabhängige Risikofaktoren, die sich jedoch gegenseitig beeinflussen und verstärken können [17, 20–23]. Eine Annäherung an ein Normalgewicht vor der Konzeption ist sowohl bei Übergewicht und Adipositas als auch bei Untergewicht sinnvoll.

Für die meisten Schwangeren keine erhöhte Energiezufuhr nötig

In der Schwangerschaft ist der Ruhe-Energieverbrauch erhöht. Das Ausmaß wird jedoch häufig überschätzt. Gemäß der aktualisierten Handlungsempfehlungen ist für die meisten Schwangeren keine Erhöhung der Energiezufuhr erforderlich. Das gilt besonders bei Übergewicht oder Adipositas. Eine bedarfsgerechte Energiezufuhr leistet zudem einen Beitrag zu einer angemessenen Gewichtsentwicklung während der Schwangerschaft.

Der Richtwert für die Energiezufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) berücksichtigt den rechnerischen Mehrbedarf an Energie in der Schwangerschaft [28]. Er ist berechnet für Frauen, die mit Normalgewicht schwanger wurden, in der Schwangerschaft unvermindert körperlich aktiv sind und eine Gewichtszunahme von etwa 12 kg haben. Dies trifft jedoch nur auf einen Teil der Schwangeren zu. In Deutschland beginnen inzwischen 26 % der Frauen ihre Schwangerschaft mit Übergewicht und weitere 19 % mit Adipositas [29]. Gleichzeitig erreicht weniger als die Hälfte der Frauen im gebärfähigen Alter das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Maß an körperlicher Aktivität [30] und typischerweise nimmt die Aktivität im Verlauf der Schwangerschaft weiter ab. Übergewicht und Adipositas erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit für weniger Bewegung.

Schwangere Frauen sollen besonders auf die Qualität ihrer Ernährung achten. Im Verhältnis zum Energiebedarf steigt der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen einschließlich Spurenelementen in der Schwangerschaft deutlich stärker [3].

Fazit: Orientierung statt alleinigen Fokus auf Gewicht

Im Zentrum aktueller Empfehlungen stehen Hinweise auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend körperliche Aktivität – und damit auf eine insgesamt gesundheitsförderliche Lebensweise. Konkrete Empfehlungen zur Gewichtsentwicklung dienen ergänzend als Orientierung. Eine individuelle Beratung, die sowohl das Ausgangsgewicht als auch die individuelle Lebenssituation von Frauen berücksichtigt, ist entscheidend. Das Thema Körpergewicht ist für viele Frauen ein sensibles Thema. Ein wertschätzender, positiver und feinfühliger Umgang mit dem Thema in der Beratung trägt zur bestmöglichen Unterstützung bei [1, 6, 31, 32].

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Titelbild Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft
2026, Thieme

Kostenfrei

Broschüre Ernährung, Bewegung und weitere Gesundheitsaspekte vor und während der Schwangerschaft

Die Handlungsempfehlungen fassen wichtige Botschaften zu Ernährung, Bewegung und weiteren Gesundheitsaspekten in den Phasen der Präkonzeption und der Schwangerschaft zusammen. Die Empfehlungen werden von den für Deutschland relevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden unterstützt.

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Literatur

[1] National Institute for Health and Care Excellence. Maternal and child nutrition: nutrition and weight management in pregnancy, and nutrition in children up to 5 years. NICE guideline NG247. London; 2025

[2] World Health Organization. WHO recommendations on antenatal care for a positive pregnancy experience. Geneva; 2016

[3] Alaze-Hagemann F, Reiss K, Abou-Dakn M et al. Nutrition, Physical Activity and Other Health Aspects Before and During Pregnancy – Recommendations by the Nationwide “Healthy Start Network” (Netzwerk Gesund ins Leben) 2026. Geburtsh Frauenheilk 2026. doi.org/10.1055/a-2827-5905

[4] BLE/Netzwerk Gesund ins Leben: Wissenschaftlicher Beirat. https://www.gesund-ins-leben.de/netzwerk-gesund-ins-leben/warum-gibt-es-das-netzwerk/wissenschaftlicher-beirat/, Zugriff 22.04.2026

[5] National Institute for Health and Care Excellence. Maternal and child nutrition. Evidence reviews for healthy and appropriate weight change during pregnancy [NICE guideline NG247]. London; 2025

[6] Living Evidence for Australian Pregnancy and Postnatal Care. Australian Pregnancy Care Guidelines. Melbourne; 2025

[7] Health Council of the Netherlands. Health effects related to weight change during pregnancy. Background document to: Dietary recommendations for pregnant women. The Hague; 2021

[8] Mustafa HJ, Seif K, Javinani A et al. Gestational weight gain below instead of within the guidelines per class of maternal obesity: a systematic review and meta-analysis of obstetrical and neonatal outcomes. Am J Obstet Gynecol MFM 2022; 4: 100682; doi.org/10.1016/j.ajogmf.2022.100682

[9] Grandfils S, Durand P, Hoge A et al. Gestational weight gain: Toward best practices in managing gestational weight gain in patients with obesity: Comparison of recommendations. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2024; 298: 197–203; doi.org/10.1016/j.ejogrb.2024.05.009

[10] Wilkins EG, Sun B, Thomas AS et al. Low gestational weight gain (+2.0 to 4.9 kg) for singleton-term gestations associated with favorable perinatal outcomes for all prepregnancy obesity classes. AJOG Glob Rep 2023; 3: 100246; doi.org/10.1016/j.xagr.2023.100246

[11] Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge. 2. Auflage, AWMF-Registernummer 057-008; 2018

[12] Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. S3-Leitlinie Adipositas und Schwangerschaft. Version 1.2, AWMF-Registernummer: 015-081; 2019

[13] Health Council of the Netherlands. Dietary recommendations for pregnant women. The Hague; 2021

[14] Rasmussen KM, Yaktine AL, Hrsg. Weight Gain During Pregnancy: Reexamining the Guidelines. Washington (DC); 2009; doi.org/10.17226/12584

[15] Ren M, Li H, Cai W et al. Excessive gestational weight gain in accordance with the IOM criteria and the risk of hypertensive disorders of pregnancy: a meta-analysis. BMC Pregnancy Childbirth 2018; 18: 281; doi.org/10.1186/s12884-018-1922-y

[16] Rogozińska E, Zamora J, Marlin N et al. Gestational weight gain outside the Institute of Medicine recommendations and adverse pregnancy outcomes: analysis using individual participant data from randomised trials. BMC Pregnancy Childbirth 2019; 19: 322; doi.org/10.1186/s12884-019-2472-7

[17] Santos S, Voerman E, Amiano P et al. Impact of maternal body mass index and gestational weight gain on pregnancy complications: an individual participant data meta-analysis of European, North American and Australian cohorts. BJOG 2019; 126: 984–995; doi.org/10.1111/1471-0528.15661

[18] Voerman E, Santos S, Patro Golab B et al. Maternal body mass index, gestational weight gain, and the risk of overweight and obesity across childhood: An individual participant data meta-analysis. PLoS Med 2019; 16: e1002744; doi.org/10.1371/journal.pmed.1002744

[19] Borges MC, Clayton GL, Freathy RM et al. Integrating multiple lines of evidence to assess the effects of maternal BMI on pregnancy and perinatal outcomes. BMC Med 2024; 22: 32; doi.org/10.1186/s12916-023-03167-0

[20] Bebeau KA, Edenfield AL, Hill A et al. Impact of pre-pregnancy obesity on cesarean delivery rates in nulliparous pregnant people undergoing induction of labor. J Matern Fetal Neonatal Med 2022; 35: 9934–9939; doi.org/10.1080/14767058.2022.2076591

[21] Choi H, Lim J-Y, Lim N-K et al. Impact of pre-pregnancy body mass index and gestational weight gain on the risk of maternal and infant pregnancy complications in Korean women. Int J Obes (Lond) 2022; 46: 59–67; doi.org/10.1038/s41366-021-00946-8

[22] Lautredou M, Pan-Petesch B, Dupré P-F et al. Excessive gestational weight gain is an independent risk factor for gestational diabetes mellitus in singleton pregnancies: Results from a French cohort study. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2022; 275: 31–36; doi.org/10.1016/j.ejogrb.2022.06.009

[23] Šarac J, Havaš Auguštin D, Zajc Petranović M et al. Testing the Institute of Medicine (IOM) recommendations on maternal reproductive health and associated neonatal characteristics in a transitional, Mediterranean population. Ann Hum Biol 2022; 49: 91–99; doi.org/10.1080/03014460.2022.2080863

[24] Hanson MA, Bardsley A, De-Regil LM et al. The International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) recommendations on adolescent, preconception, and maternal nutrition: "Think Nutrition First". Int J Gynaecol Obstet 2015; 131 Suppl 4: S213-53; doi.org/10.1016/S0020-7292(15)30034-5

[25] Power ML, Lott ML, Mackeen AD et al. Associations Between Maternal Body Mass Index, Gestational Weight Gain, Maternal Complications, and Birth Outcome in Singleton, Term Births in a Largely Non-Hispanic White, Rural Population. J Womens Health (Larchmt) 2019; 28: 1563–1568; doi.org/10.1089/jwh.2018.7531

[26] Papazian T, Abi Tayeh G, Sibai D et al. Impact of maternal body mass index and gestational weight gain on neonatal outcomes among healthy Middle-Eastern females. PLoS One 2017; 12: e0181255; doi.org/10.1371/journal.pone.0181255

[27] Robillard P-Y, Dekker G, Boukerrou M et al. Relationship between pre-pregnancy maternal BMI and optimal weight gain in singleton pregnancies. Heliyon 2018; 4: e00615; doi.org/10.1016/j.heliyon.2018.e00615

[28] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 3. Auflage, 1. Ausgabe. Bonn; 2025

[29] Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen. Bundesauswertung. PM-GEBH: Geburtshilfe. Auswertungsjahr 2025, Erfassungsjahr 2024. Berlin; 2025

[30] Richter A, Schienkiwitz A, Starker A et al. Gesundheitsfördernde Verhaltensweisen bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie GEDA 2019/2020-EHIS. Journal of Health Monitoring 2021; 6: 28–48; doi.org/10.25646/8460

[31] Public Health Agency of Canada. Family-centred maternity and newborn care: National guidelines. Chapter 3: Care during pregnancy. Ottawa; 2023

[32] Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG). S3-Leitlinie Adipositas - Prävention und Therapie. Version 5.0, AWMF-Registernummer 050-001; 2024