Empfehlungen
- Schwangere sollen keine rohen tierischen Lebensmittel essen.
- Sowohl bei tierischen als auch bei pflanzlichen Lebensmitteln sollen Schwangere bei Auswahl, Einkauf, Lagerung und Zubereitung die Empfehlungen zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen, insbesondere von Listeriose und Toxoplasmose, in der Schwangerschaft beachten.
- Schwangere sollen auch bei der Auswahl, Lagerung und Zubereitung von pflanzlichen Ersatzprodukten die Empfehlungen für das zu ersetzende tierische Lebensmittel sowie die Herstellerangaben beachten.
- Schwangere sollen Eier nur verzehren, wenn Eigelb und Eiweiß durch Erhitzung fest sind.
- Schwangere sollen Tiefkühlbeeren sowie Sprossen nur verzehren, wenn sie stark erhitzt wurden.
Grundlagen der Empfehlungen
Die Empfehlungen basieren auf Daten aus dem Zoonosen-Monitoring und weiteren Mitteilungen der Länder über das Vorkommen von Zoonosen-Erregern in Lebensmitteln und Untersuchungsergebnissen von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen sowie Literaturauswertungen und Informationen von Expertinnen und Experten, wie von Mitgliedern der Kommission für Biologische Gefahren und Hygiene des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
Empfehlungen zu Auswahl, Einkauf, Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln sind im Informationsblatt „Listeriose und Toxoplasmose – Sicher essen in der Schwangerschaft“ von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zusammengefasst (ble-medienservice.de/0346).
Empfehlungen zu einzelnen Lebensmitteln wie Eiern, Tiefkühlbeeren und rohen Sprossen finden sich in entsprechenden Veröffentlichungen des BfR zu Lebensmittelinfektionen [296–298].
Hintergrundinformationen
Lebensmittelbedingte Infektionen und Intoxikationen sind für Schwangere und ihr ungeborenes Kind besonders gefährlich. Dazu gehören bakterielle Lebensmittelinfektionen (z. B. durch Listerien, Salmonellen oder Campylobacter), Lebensmittelinfektionen durch Viren (z. B. Noro- oder Hepatitis-Viren) oder Parasiten (z. B. durch Toxoplasma gondii) [299].
So können beispielweise Tiefkühlbeeren mit Noroviren und nicht hitzebehandelte Eier sowie Eiprodukte mit Salmonellen kontaminiert sein. Als Folge können entsprechende virale bzw. bakterielle Gastroenteritiden auftreten [296, 297].
Im Vergleich zu Salmonellose oder Norovirus-Infektionen ist das Auftreten von Listeriose und Toxoplasmose sehr selten. Jedoch können diese Erkrankungen im Kontext einer Schwangerschaft einen besonders schweren Verlauf nehmen. Die Erreger von Listeriose und Toxoplasmose können auf die Plazenta und den Fetus übergehen und zu Fehl-, Tot- und Frühgeburten oder zur Geburt eines erkrankten Kindes mit z. B. Neugeborenen-Listeriose führen [300–304]. Deshalb kommt ihrer Prävention eine große Bedeutung zu.
Dem Robert Koch-Institut wurden im Jahr 2023 insgesamt 26 Fälle von Schwangerschafts-Listeriose und 25 Fälle von Neugeborenen-Listeriosen übermittelt sowie 15 Fälle von konnataler Toxoplasmose [305]. Das Meldesystem erfasst jedoch nur laborbestätigte Fälle, sodass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist.
Das Infektionsrisiko für eine Toxoplasmose besteht vor allem beim Verzehr von rohem oder unzureichend erhitztem Fleisch sowie Rohfleischerzeugnissen (z. B. Rohwurst wie Salami oder rohem Schinken) insbesondere von Schweinen, Schafen, Ziegen, Wild und Geflügel. Auch der Verzehr von ungewaschenem oder ungeschältem, bodennah wachsendem Obst und Gemüse, das mit Erde verunreinigt sein kann, stellt einen Risikofaktor für eine Infektion mit Toxoplasmen dar. Besonders Lebensmittel, die in der Erde wachsen, wie Kartoffeln oder Karotten, sollten zudem getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden, um Kreuzkontaminationen während der Lagerung und Zubereitung zu vermeiden [306].
Rohe Fleischprodukte, rohe und geräucherte Fische, Fischerzeugnisse und Meeresfrüchte sowie Weichkäse mit Oberflächenschmiere (auch halbfester Käse mit Blauschimmel wie Gorgonzola) bergen ein erhöhtes Risiko, Listerien zu enthalten. Rohmilch und Erzeugnisse daraus sowie Obst, Gemüse, Kräuter, Salate sowie rohe Sprossen und Keimlinge können ebenfalls betroffen sein [307]. Häufig mit Listerien verunreinigt waren in den vergangenen Jahren zudem verzehrfertig angebotene, d. h. zum unmittelbaren Verzehr bestimmte Lebensmittel, darunter auch bereits erhitzte [308]. Listerien vermehren sich auch bei Kühlschranktemperaturen sowie in Produkten, die unter Vakuum oder Schutzatmosphäre verpackt wurden.
Es gibt bisher nur unzureichende Daten zu Listerien und Toxoplasmen in vegetarischen oder veganen Produkten, die als Ersatz für tierische Lebensmittel vermarktet werden. Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass nicht nur eine Kontamination mit Mikroorganismen wie Listerien oder Salmonellen, sondern auch deren Überleben und Wachstum in pflanzenbasierten Fleisch- und Milchersatzprodukten möglich ist [309–314]. Somit ist das Erkrankungsrisiko für z. B. Salmonellose und Listeriose auch durch pflanzenbasierte Ersatzprodukte potenziell gegeben [315].
Schwangere sollten ihre Speisen möglichst kurz vor dem Verzehr zubereiten und rasch verbrauchen. Die Empfehlungen der Hersteller sind hierbei zu beachten. In Restaurants und Kantinen sollten sie möglichst Speisen verzehren, die direkt vor dem Verzehr erhitzt wurden. Neben der Auswahl der Lebensmittel spielt Hygiene bei der Lagerung und Zubereitung eine maßgebliche Rolle, um sich vor lebensmittelbedingten Infektionen zu schützen. Das gilt sowohl für tierische als auch für pflanzliche Lebensmittel, einschließlich pflanzlicher Produkte, die als Ersatz für Milch(produkte) oder Fleisch- und Wursterzeugnisse angeboten werden.