Empfehlung
- Werdende Eltern sollten ab dem frühen 2. Trimester wiederkehrend zur Bedeutung und Praxis des Stillens beraten werden.
Grundlagen der Empfehlung
Maßnahmen zur Unterstützung des Stillens können sich positiv auf die Rate und den Erfolg der Stillinitiierung und die Dauer des ausschließlichen Stillens auswirken [471].
Empfehlungen zur Integration von frühzeitigen und wiederkehrenden Beratungen zum Stillen in der Schwangerschaft geben auch Fachgesellschaften und -institutionen anderer Länder (z. B. Australien [14], Großbritannien [472] und Kanada [16]) sowie die WHO [473].
Hintergrundinformationen
In zahlreichen Studien wurde ermittelt, dass das Stillen mit kurz-, mittel- und langfristigen positiven Effekten auf die Gesundheit von Kindern und Müttern assoziiert ist [474–478]. In Deutschland beginnen laut KiGGS Welle 2 (Erhebungszeitraum 2014 2017) 87 % der Mütter mit dem Stillen, nach der Geburt stillen 68 % ihr Kind ausschließlich und 40 % bis zum Ende des 4. Monats. 13 % der Mütter stillen bis zum vollendeten 6. Monat ausschließlich [479]. Das Stillen weist darüber hinaus einen starken sozialen Gradienten auf. Frauen in psychosozial und materiell belasteten Lebenslagen stillen seltener und kürzer [480]. Sie fühlen sich zudem nicht gut auf das Stillen vorbereitet [481].
Eine frühzeitige, strukturierte und insbesondere wiederkehrende Stillberatung bereits in der Schwangerschaft kann die Stillintention, Stillinitiierung und Stilldauer und damit die Stillquote insgesamt erhöhen sowie die Selbstwirksamkeitserfahrung der Mutter stärken [482–488]. Die Stillberatung kann von Fachkräften oder von geschulten Laien bzw. Peers face to face, telefonisch, mittels digitaler Technologien oder in einer Kombination daraus erfolgen. Aussagen zur effektivsten Intervention sowie zu Häufigkeit und Turnus der Stillberatungen können aufgrund der heterogenen Studiendesigns nicht abgeleitet werden. Betont wird jedoch von allen eine regelmäßige bzw. wiederkehrende Beratung sowie eine Orientierung an den Bedarfen und Bedürfnissen der Frauen und ihrer Partner und Partnerinnen im Sinne einer diversitätssensiblen und wertschätzenden Kommunikation (siehe Kapitel „Diversitätssensible Beratung“). Die Methode der Motivierenden Gesprächsführung eignet sich ebenfalls für die Stillberatung [24].
Eine positive Einstellung zum Stillen wird früh im Leben geprägt, teils vor der Schwangerschaft, sodass das Thema Stillen im gesamten Lebenslauf präsent(er) sein sollte. Für eine erfolgreiche Stillförderung wird auch auf internationaler Ebene befürwortet, die gesellschaftlichen Einstellungen, Werte- und Normvorstellungen zu adressieren. Diese können die persönliche Haltung gegenüber dem Stillen stärker beeinflussen als eine reine Wissensvermittlung [489, 490]. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur eine frühzeitige Stillberatung in der Schwangerschaft, sondern auch die Förderung und Unterstützung der gesellschaftlichen Akzeptanz des Stillens notwendig.