Die Schutzwirkungen des Stillens zu kennen, kann Eltern bei der Entscheidung über die Ernährungsweise ihres Kindes helfen. In vielen Studien wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Auftreten verschiedenerverbreiteter Erkrankungen und der Frage, ob und wie lange eine Frau gestillt hat. Als gut belegt gilt ein Zusammenhang unter anderem dann, wenn
- eine Erkrankung bei Frauen mit Stillerfahrung unabhängig von anderen Einflussfaktoren wie beispielsweise dem Bildungsstand oder dem Rauchverhalten nachweisbar seltener auftritt,
- mehrere Studien übereinstimmend einen schützenden Einfluss zeigen,
- der Einfluss mit zunehmender Stilldauer stärker ausgeprägt ist.
Verschiedene Ursachen werden für diese Schutzwirkungen diskutiert, beim Kind z. B. stärkende Antikörper aus der Muttermilch für den Immunschutz sowie motorische Gründe, etwa dass das Saugen für eine bessere Belüftung des Mittelohrs sorgt [1], oder bei der Mutter die Fähigkeit einzelner Inhaltsstoffe der Muttermilch, Tumorzellen abzutöten, sowie Einflüsse auf den Stoffwechsel [2].
Wie vielseitig Stillen die Gesundheit von Frauen stärkt
Frauen profitieren gesundheitlich auf verschiedene Weise vom Stillen: Sie haben in der Stillzeit ein geringeres Risiko, an Wochenbett-Depressionen zu erkranken (Grafik 1) [2-3]. Ebenso verbleibt bei ihnen nach der Geburt weniger zusätzliches Gewicht aus der Schwangerschaft [3].
Im späteren Leben erkranken Frauen, die gestillt haben, seltener an Brust- oder Eierstockkrebs [3-4]. Sie leiden seltener an Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck [2-3, 5] oder dem sogenannten Metabolischen Syndrom [2-3], einer Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. Auch Typ-2-Diabetes [3-5] – eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels – oder Osteoporose [3], eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels, treten seltener auf.
Auch Kinder profitieren gesundheitlich
Säuglinge haben während der Stillzeit ein geringeres Risiko für verschiedene Infektionskrankheiten wie Atemwegsinfekte [1, 5], Durchfallerkrankungen [3, 5] oder Mittelohrentzündungen [1; 3] (Grafik 2). Auch das Risiko für den plötzlichen Kindstod ist geringer [1]. Dieser ist inzwischen sehr selten – im Jahr 2024 starben 83 Säuglinge in Deutschland daran [6].
Langfristig treten bei gestillten Kindern bestimmte Erkrankungen seltener auf. Dazu zählen etwa die chronische Atemwegserkrankung Asthma [3] und die Stoffwechselerkrankung Typ-1-Diabetes [3]. Bisher wenig bekannt ist, dass auch neuroentwicklungsbezogene Besonderheiten wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) [3] und Autismus [3] seltener sind.
Die Grafiken vermitteln im Überblick, dass Stillen vor einer Vielzahl verschiedener Erkrankungen bei Mutter und Kind schützen kann. Die Bandbreite reicht weit, von Infektionen und neuroentwicklungsbezogenen Besonderheiten beim Kind über Stoffwechsel- und Herzkreislauferkrankungen bis hin zu Krebs bei der Mutter. Dabei greifen unterschiedliche Wirkmechanismen.