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Kind hält hand vor Mund
Anke Thomass / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Eltern sollen für ein ausgewogenes Nahrungsangebot sorgen und das Kind entscheiden lassen, wie viel es davon isst. Eltern sollen somit auf die Hunger- und Sättigungssignale ihres Kindes eingehen.
  • Eltern bieten zunächst eine kleine Portion an. Das Kind kann nachfordern, bis es satt ist. Wenn sich das Kind selbst bedient, sollte es angehalten werden, sich zuerst eine kleine Portion zu nehmen.
  • Eltern sollten ihr Kind zum Essen anregen, aber nicht durch Maßnahmen wie Tricks, Überzeugungsszenarien, Versprechen oder Spiele zum Essen animieren.
  • Essen sollte nicht zur Belohnung oder zur Bestrafung eingesetzt werden.
  • Beendet das Kind die Mahlzeit frühzeitig oder will es nicht essen, genügt es, das Kind ein- bis zweimal zum Essen zu ermutigen. Eltern sollten keine Extraspeisen als Ersatz anbieten.

Grundlagen der Empfehlungen 

Die Beachtung der kindlichen Selbstregulation der Nahrungsaufnahme gilt als ein wichtiger Ansatzpunkt zur Förderung eines gesunden Essverhaltens und einer normalen Gewichtsentwicklung. Dies zeigen randomisierte kontrollierte Studien, in denen Eltern geschult wurden, die Hunger- und Sättigungssignale des Kindes zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren, mit moderater Evidenz [192]. Dagegen waren restriktive Fütterungspraktiken in Beobachtungsstudien mit höherer Gewichtszunahme [192] und größere Portionen mit höheren Verzehrmengen [152] assoziiert. Nichtresponsives Verhalten, wie z. B. Ablenkungen, Überzeugungsszenarien sowie Essen zur Belohnung oder zur Bestrafung, kann die Selbstregulation stören und ein wählerisches Essverhalten begünstigen [12, 50, 57, 71, 145, 220]. Die Ergebnisse sind jedoch heterogen und stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien, die Evidenz ist daher niedrig [53, 228].

Hintergrundinformationen

Über Hunger und Sättigung kann das Kleinkind die Energieaufnahme selbst regulieren und die Verzehrmengen auf seine physiologischen Bedürfnisse abstimmen. Eltern können diese Fähigkeit durch ein responsives Verhalten (engl. „responsive feeding“) stärken: Wenn das Kind Hunger- oder Sättigungssignale zeigt, nehmen Eltern diese wahr und reagieren angemessen und feinfühlig darauf [145]. 

Hunger und Sättigung zeigen Kleinkinder durch Gesten oder verbal auf verschiedene Weise. In der Regel sind Hungersignale für Eltern leichter wahrnehmbar als Sättigungssignale [96, 127]. Eltern sollten ihr Kind nicht zum Essen drängen oder Druck ausüben [228]. Wenn ein Kind nicht (mehr) essen will oder wenn es Essen ablehnt, sollten Eltern dies respektieren und die Mahlzeit eindeutig beenden (z. B. durch Wegräumen des Tellers). Häufig beobachtete Sättigungssignale von Kindern im Alter von sechs bis 24 Monaten sind z. B. das Abwenden des Körpers oder des Blicks, Kopf schütteln, Zappeln oder mit dem Essen spielen. Zu Hungersignalen zählen z. B. Brabbeln, Hand zum Bauch/Mund führen, Hinwenden zur betreuenden Person oder zur Mahlzeit sowie selbst den Löffel/die Gabel zum Mund führen [182].

Im Kleinkindalter essen zu lernen heißt auch, Hunger und Sättigung als Regulationsmechanismen der Nahrungsaufnahme vom Bedarf nach emotionaler Zuwendung zu unterscheiden [48]. Essen hat eine beruhigende, entspannende Wirkung. Gleichwohl sollten Eltern proaktiv auf die emotionalen Bedürfnisse ihres Kindes eingehen und es nicht mit Lebensmitteln beruhigen oder gar trösten [54, 228]. 

Zu große Portionen können die Selbstregulation des Kindes beeinträchtigen. Eine Metaanalyse von randomisierten kontrollierten Studien zeigt, dass größere Portionen zu einer Zunahme der täglichen Energiezufuhr führen, auch dann, wenn sich das Kind selbst große Portionen nimmt [152].

Viele Eltern sorgen sich, dass ihr Kind nicht genug isst und damit nicht genug zunimmt. Die verzehrte Nahrungsmenge ist jedoch interindividuell sehr unterschiedlich, wie Daten aus der DONALD-Studie (Abkürzung für: DOrtmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed) für Kinder im Alter von drei Monaten bis sechs Jahren zeigen [7]. Ist das Kind gesund, aktiv und zufrieden, können Eltern davon ausgehen, dass es ausreichende Mengen isst. Sorgen sich Eltern um das Körpergewicht, sollten sie sich an Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte wenden. Das Körpergewicht wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen erhoben und beurteilt. Studienergebnisse weisen auf einen kulturbedingten Unterschied in der elterlichen Wahrnehmung des optimalen Körpergewichts ihres Kindes hin [169]. Zum Beispiel halten Eltern mit türkischem Migrationshintergrund, Eltern aus arabischen Ländern sowie Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion ihre Kinder häufiger für „zu dünn“ als Eltern aus Deutschland [169]. Dies sollte bei der Beratung berücksichtigt werden.

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Literatur

7. Alexy U, Kersting M (2006) Schwankungen im Nahrungsverzehr. Studie zu Säuglingen, Klein- und Vorschulkindern. Monatsschr Kinderheilkd 154:998-999

12. American Academy of Pediatrics (2021) Toddler - Food and Feeding. https://www.aap.org/en/patient-care/healthy-active-living-for-families/toddler-food-and-feeding/, Zugegriffen: 20.04.2022

48. Chatoor I (2012) Fütterstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten. J.G. Cottas'sche Buchhandlung, Stuttgart

50. Cole NC, An R, Lee SY et al. (2017) Correlates of picky eating and food neophobia in young children: a systematic review and meta-analysis. Nutr Rev 75:516-532

53. Dallacker M, Hertwig R, Mata J (2019) Quality matters: A meta-analysis on components of healthy family meals. Health Psychol 38:1137-1149

54. Dattilo AM, Birch L, Krebs NF et al. (2012) Need for early interventions in the prevention of pediatric overweight: a review and upcoming directions. J Obes 2012:123023

57. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (o.J.) Ernährungsbildung in der Familie. https://www.in-form.de/materialien/ernaehrungsbildung-in-der-familie/, Zugegriffen: 10.08.2020

71. ESPGHAN Committee on Nutrition, Fewtrell M, Bronsky J et al. (2017) Complementary Feeding: A Position Paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN) Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 64:119-132

96. Hodges EA, Johnson SL, Hughes SO et al. (2013) Development of the responsiveness to child feeding cues scale. Appetite 65:210-219

127. McNally J, Hugh-Jones S, Caton S et al. (2016) Communicating hunger and satiation in the first 2 years of life: a systematic review. Matern Child Nutr 12:205-228

145. Pérez-Escamilla R, Segura-Pérez S, Lott M et al. (2017) Feeding Guidelines for Infants and Young Toddlers: A Responsive Parenting Approach. In: Healthy Eating Research, Durham, NC.

152. Reale S, Hamilton J, Akparibo R et al. (2019) The effect of food type on the portion size effect in children aged 2-12 years: A systematic review and meta-analysis. Appetite 137:47-61

169. Schenk L, Neuhauser H, Ellert U et al. (2008) Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) 2003-2006 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland. Robert Koch-Institut, Berlin

182. Shloim N, Shafiq I, Blundell-Birtill P et al. (2018) Infant hunger and satiety cues during the first two years of life: Developmental changes of within meal signalling. Appetite 128:303-310

192. Spill MK, Callahan EH, Shapiro MJ et al. (2019) Caregiver feeding practices and child weight outcomes: a systematic review. Am J Clin Nutr 109:990S-1002S

220. World Health Organization (2003) Feeding and nutrition of infants and young children. Guidelines for the WHO European Region, with emphasis on the former Soviet countries. www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/ 0004/98302/WS_115_2000FE.pdf,  Zugegriffen: 06.05.2020

228. Yee AZ, Lwin MO, Ho SS (2017) The influence of parental practices on child promotive and preventive food consumption behaviors: a systematic review and meta-analysis. Int J Behav Nutr Phys Act 14:47