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Familie am Esstisch
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Empfehlungen

  • Kleinkinder sollten ihre Mahlzeiten in einem regelmäßigen Rhythmus bekommen (z. B. 3 Hauptmahlzeiten und 2 kleinere Zwischenmahlzeiten). Mahlzeiten wechseln sich mit essensfreien Zeiten ab.
  • In den essensfreien Zeiten zwischen Haupt- und Zwischenmahlzeiten (z. B. für 2 bis 3 Stunden) sollten außer Wasser und ungesüßten Getränken auch keine Milch/-produkte angeboten werden.
  • Das Kind sollte so oft wie möglich gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern essen.
  • Mahlzeiten mit genügend Zeit und Ruhe und in freundlicher Atmosphäre sind wünschenswert. Um Ablenkung zu vermeiden, sollten Bildschirmmedien ausgeschaltet sein.
  • Eltern sollten selbstständiges Essen unterstützen, sobald das Kind dazu in der Lage ist.

Grundlagen der Empfehlungen

Regelmäßige Mahlzeiten, die eindeutig begonnen und beendet werden, strukturieren den Tag. Anzahl und Rhythmus der Mahlzeiten können variieren und sind unter anderem auch kulturell geprägt [172]. Die Empfehlung zu regelmäßigen Mahlzeiten steht im Einklang mit den Empfehlungen anderer Fachinstitutionen [42, 99]. 

Untersuchungen aus einem systematischen Review mit Metaanalyse, der Beobachtungsstudien einschließt, deuten darauf hin, dass häufigere Familienmahlzeiten mit Merkmalen einer gesunden Ernährung sowie einem niedrigeren Body Mass Index (BMI) des Kindes signifikant assoziiert sind – wenn auch mit kleiner Effektstärke [52]. Ebenso wirkt sich die Gestaltung der Mahlzeiten, d. h. Zeit und Ruhe, eine freundliche Atmosphäre und das ausgeschaltete Fernsehgerät, positiv auf das Ernährungsverhalten und das Gewicht des Kindes aus [20, 52, 53, 88, 161, 210]. 

Kleinkinder wollen gerne selbst essen. Dies zu unterstützen, fördert auch die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Autonomieentwicklung des Kindes sowie seine Selbstregulationsfähigkeit [48, 145].

Hintergrundinformationen

Die Familie bzw. das Umfeld, in dem das Kind aufwächst, bildet den ersten und wichtigsten sozialen Rahmen beim Essenlernen [30]. Kleinkinder übernehmen familiäre und kulturelle Rituale, Gewohnheiten und Praktiken beim Essen und gestalten diese aktiv mit. Gemeinsame Mahlzeiten dienen somit nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern sind gleichzeitig soziale Interaktionen und Lernerfahrungen für das Kind [88].

Wie viele Mahlzeiten ein Kleinkind braucht, ist von seinem geschlechtsabhängigen Energiebedarf sowie der Menge und Energiedichte der verzehrten Lebensmittel und Speisen abhängig [223]. Die European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) hält für Kinder über zwei Jahre mindestens vier Mahlzeiten täglich für ratsam [4].

Für Kleinkinder ist es ein wichtiger Lernprozess, bei Mahlzeiten sitzen zu bleiben, diese von Zeiten für andere Aktivitäten, wie Spiel, Bewegung oder evtl. Medienkonsum abzugrenzen und sich für das Essen und Sattwerden Zeit zu nehmen. In einer Metaanalyse von Beobachtungsstudien waren längere Mahlzeiten positiv mit einem niedrigeren BMI und einer besseren Ernährungsqualität assoziiert, wobei der Einfluss von anderen Faktoren (Konfundierung) nicht ausreichend berücksichtigt wurde und dies das Ergebnis möglicherweise verzerrt hat. Eine mögliche Erklärung für die positive Assoziation ist, dass längere Mahlzeiten eine bessere Wahrnehmung des Sättigungsgefühls erlauben oder ein längeres Sättigungsgefühl zwischen den Mahlzeiten bewirken [53].

Gemeinsame Familienmahlzeiten sind wünschenswert [53]. In Beobachtungsstudien war zu sehen, dass Kinder, die häufiger mit der Familie essen, mit mehr Genuss essen und ein weniger wählerisches Essverhalten zeigen [210]. Im Familienalltag ist es nicht immer möglich, dass alle Familienmitglieder gemeinsam essen. Eltern sollten sich nicht unter Druck setzen (lassen). Denn positive Effekte werden bereits berichtet, wenn das Kind mit einem Elternteil zusammen isst [52].

Die Art und Weise, wie eine Familie die gemeinsamen Mahlzeiten gestaltet, ist mindestens genauso wichtig wie die Häufigkeit gemeinsamer Mahlzeiten. Eine angenehme Atmosphäre fördert die Kommunikation [91] und war in Metaanalysen mit einem niedrigeren BMI des Kindes assoziiert [53]. Eltern sollten ein gesundes Ernährungs- und Essverhalten vorleben und Kinder auch in die Vorbereitung der Mahlzeiten miteinbeziehen [53]. Fernseher und andere Bildschirmmedien (z. B. Smartphones) sollten während der Mahlzeit ausgeschaltet sein. Essen ohne laufendes Fernsehgerät war in Studien signifikant und konsistent mit einer besseren Ernährungsqualität und einem geringeren Risiko für Übergewicht assoziiert [18, 53, 88, 168]. (Weitere Informationen zu Bildschirmmedien siehe Abschnitt Körperliche Aktivität im Kleinkindalter, Begrenzung der Inaktivität)

Zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr werden Kinder im Zuge ihrer motorischen und kognitiven Entwicklung körperlich und emotional zunehmend unabhängiger. Sobald sie dazu in der Lage sind, sollten die Eltern ihnen ermöglichen, das selbstständige Essen zu lernen [48]. Wann genau das Kind jedoch welche feinmotorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzt, ist individuell sehr unterschiedlich. Eine Befragung von Müttern ergab: Manche Kleinkinder können schon mit elf Monaten selbstständig weiche Speisen (Pudding u. ä.) mit dem Löffel aufnehmen und in den Mund führen, andere erst im Alter von zwei Jahren [43, 44]. Kleinere Gabeln und Löffel sowie Schüsseln statt flacher Teller können beim Erlernen des selbstständigen Essens hilfreich sein. Spezielle Esslernbestecke (z. B. Schieber) sind nicht notwendig.

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Literatur

4. Agostoni C, Braegger C, Decsi T et al. (2011) Role of dietary factors and food habits in the development of childhood obesity: a commentary by the ESPGHAN Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 52:662-669

18. Avery A, Anderson C, McCullough F (2017) Associations between children's diet quality and watching television during meal or snack consumption: A systematic review. Matern Child Nutr 13:e12428

20. Bates CR, Buscemi J, Nicholson LM et al. (2018) Links between the organization of the family home environment and child obesity: a systematic review. Obes Rev 19:716-727

30. Brunner KM (2011) Der Ernährungsalltag im Wandel und die Frage der Steuerung von Konsummustern. In: Ploeger A, Hirschfelder G, Schönberger G (Hrsg.) Die Zukunft auf dem Tisch. Analysen, Trends und Perspektiven der Ernährung von morgen. VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien, Wiesbaden, 203-218

42. Canadian Paediatric Society (2020) Nutrition for healthy term infants, six to 24 months: An overview. https://www.cps.ca/en/documents/position/nutrition-healthy-term-infants-6-to-24-months, Zugegriffen: 05.08.2020

43. Carruth BR, Skinner JD (2002) Feeding behaviors and other motor development in healthy children (2-24 months). J Am Coll Nutr 21:88-96

44. Carruth BR, Ziegler PJ, Gordon A et al. (2004) Developmental milestones and self-feeding behaviors in infants and toddlers. J Am Diet Assoc 104:s51-56

48. Chatoor I (2012) Fütterstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten. J.G. Cottas'sche Buchhandlung, Stuttgart

52. Dallacker M, Hertwig R, Mata J (2018) The frequency of family meals and nutritional health in children: a meta-analysis. Obes Rev 19:638-653

53. Dallacker M, Hertwig R, Mata J (2019) Quality matters: A meta-analysis on components of healthy family meals. Health Psychol 38:1137-1149

88. Haines J, Haycraft E, Lytle L et al. (2019) Nurturing Children's Healthy Eating: Position statement. Appetite 137:124-133

91. Heindl I, Plinz-Wittdorf C (2013) Essen ist reden mit anderen Mitteln - Esskultur, Kommunikation, Küche. Ernährungs Umschau 60:8-15

99. Institute of Medicine; Committee on Obesity Prevention Policies for Young Children (2011) Early Childhood Obesity Prevention Policies. https://nap.nationalacademies.org/catalog/13124/early-childhood-obesity-prevention-policies, Zugegriffen: 20.04.2022

145. Pérez-Escamilla R, Segura-Pérez S, Lott M et al. (2017) Feeding Guidelines for Infants and Young Toddlers: A Responsive Parenting Approach. In: Healthy Eating Research, Durham, NC.

161. Robson SM, McCullough MB, Rex S et al. (2020) Family Meal Frequency, Diet, and Family Functioning: A Systematic Review With Meta-analyses. J Nutr Educ Behav 52:553-564

168. Scaglioni S, De Cosmi V, Ciappolino V et al. (2018) Factors Influencing Children's Eating Behaviours. Nutrients 10:706

172. Schlegel-Matthies K (2011) Mahlzeit im Wandel - die Entideologisierung einer Institution. In: Schönberger G, Methfessel B (Hrsg.) Mahlzeiten. Alte Last oder neue Lust? VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien Wiesbaden

210. Verhage CL, Gillebaart M, van der Veek SMC et al. (2018) The relation between family meals and health of infants and toddlers: A review. Appetite 127:97-109

223. World Health Organization (2009) Infant and young child feeding: model chapter for textbooks for medical students and allied health professionals. https://apps.who.int/iris/handle/10665/44117, Zugegriffen: 20.04.2022