Die Ernährung des Babys ist für werdende Eltern ein großes Thema, zu dem viele Fragen auftauchen können, besonders weil es damit gleich ab der Geburt losgeht. Die gute Nachricht: Schon in der Schwangerschaft können Stillprofis beraten, wie das Stillen ab dem ersten Anlegen abläuft und wie man sich gut darauf vorbereiten kann. Unser Tipp ist, sie schon früh anzusprechen. Das geht schon ab dem vierten Schwangerschaftsmonat.
Alles Wisssenswerte für die Stillzeit:
Bewusst essen und trinken, Bewegung & Entspannung
Stillprofis: Wer kann zum Stillen beraten?
- Hebammen beantworten Fragen rund ums Stillen und helfen beim Stillstart – auch zu Hause. Sie bereiten werdende Mütter auf die Geburt vor, begleiten sie während der Geburt und kommen zur Nachsorge. Alle gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Hebammenhilfe.
- Speziell weitergebildete Still- und Laktationsberatende unterstützen rund ums Stillen auch schon vor der Geburt und danach bei Stillproblemen.
- Frauenärztinnen und Frauenärzte können übers Stillen informieren und außerdem Kurse zur Geburts- und Stillvorbereitung empfehlen.
Mehr Infos über Hebammenhilfe und Stillberatung gibt es hier. Dort gibt es auch Infos, wo es Stillgruppen gibt oder welche Möglichkeiten es für eine telefonische oder Online-Beratung gibt.
Wissenswertes: Der Körper bereitet sich aufs Stillen vor
Der Körper einer schwangeren Frau stellt sich von selbst auf das Stillen ein: Hormone sorgen dafür, dass sich die Brust schon in der Schwangerschaft verändert. Etwa ab der 16. Schwangerschaftswoche kann die Brust Milch bilden. Ein Teil des Gewichtes, das die werdende Mutter zunimmt, ist eine Energiereserve für das Stillen.
Auch das Baby übt schon vor der Geburt: Es lutscht und saugt am Daumen und trinkt Fruchtwasser. Bei der Geburt sind Mutter und Kind also startklar.
Stillen: Wie oft und wie lange?
Im ersten halben Jahr braucht ein Baby nur Muttermilch. Wie lange insgesamt gestillt wird, bestimmen Mutter und Kind. Gut zu wissen: Auch teilweises Stillen und einzelne Muttermilch-Mahlzeiten sind wertvoll für Mutter und Baby. Wenn nicht oder teilweise gestillt wird, erhält das Kind (zusätzlich) Flaschennahrung.
Wie oft das Baby trinken möchte, ist ganz unterschiedlich und kann auch phasenweise mal mehr oder weniger sein. Wenn das Baby trinken darf, sobald und solange es möchte, passt sich die Milchmenge in der gesamten Stillzeit dem Bedarf des Kindes an. Je mehr Milch getrunken wird, umso mehr Milch wird gebildet. Wird weniger getrunken, geht die Milchmenge zurück. Wer unsicher ist oder andere Fragen zum Stillen hat, kann eine Hebamme oder qualifizierte Stillberaterin um Rat fragen.
Es gibt nur wenige medizinische Gründe, nicht zu stillen oder vorzeitig abzustillen. Auch Frühgeborene, kranke Säuglinge und Babys mit - Beeinträchtigung können meist gestillt oder mit abgepumpter Muttermilch ernährt werden.
Tipps zur Wahl des Geburtsortes
Es ist sinnvoll, sich vorab zu erkundigen, ob im gewählten Geburtsort ein guter und ungestörter Stillbeginn gefördert wird. Denn Mutter und Kind brauchen viel gemeinsame Zeit, um sich nach der Geburt aufeinander einzuspielen. Gleich nach der Geburt ist es optimal, wenn das Baby ungestört auf dem Bauch der Mutter liegen kann. Das ist die Zeit für den ersten intensiven Hautkontakt und das Kennenlernen. Im Körper der Mutter werden dabei Hormone ausgeschüttet, die das Stillen unterstützen. Wenn das Baby auf dem Bauch der Mutter liegt, findet es von alleine die Brust, fängt an zu saugen und trinkt die erste Milch. Auch Tage nach der Geburt hilft es, wenn beide im gleichen Raum sind. So kann das Baby immer, wenn es möchte, angelegt werden. Damit stellt sich die Milchbildung nach Bedarf leichter ein.
Diese Fragen können bei der Wahl für eine Geburtsklinik/einen Geburtsort helfen:
- Können Mutter und Kind gleich nach der Geburt ungestörten Hautkontakt haben?
- Ist das Baby im gleichen Zimmer wie die Mutter (24-Stunden-Rooming-in)?
- Darf das Baby immer an die Brust, wenn es danach verlangt?
- Wird die Mutter zum Stillen und zur Pflege gut informiert?
- Wird das Baby nicht zusätzlich zum Stillen gefüttert (es sei denn, das ist medizinisch notwendig)?
Tipp: Die WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“
Über die WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“ lassen sich über 100 Geburts-, Kinder-, und Perinatalkliniken in Deutschland finden, die verlässlich nach den Kriterien für ein „babyfreundliches Krankenhaus“ arbeiten und zertifiziert sind.
Vera Hesels, Geschäftsführerin der WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“:
„Ausgiebiges Bonding und ungestörter Stillbeginn gehören zu den ‚zehn Schritten zum erfolgreichen Stillen‘ von WHO und UNICEF. Bis das Baby zum ersten Mal an der Brust getrunken hat, ist ein ungestörter Hautkontakt nach der Geburt einfach wichtig. Diese kostbare Zeit sollte Müttern bitte immer ermöglicht werden. In den als „babyfreundlich“ zertifizierten Kliniken kommen die Mutter und ihr Neugeborenes sogar im Hautkontakt vom Kreißsaal zur Wochenstation.“
Die 10 Schritte von WHO und UNICEF
Auch viele andere Kliniken ermöglichen den ungestörten Stillbeginn. Erkundigen Sie sich direkt bei den Kliniken in Ihrem Umfeld, wie Stillen und Bindung nach der Geburt gefördert werden.
Stillen geht auch in Ausbildung oder Beruf
In Deutschland haben Stillende Anrecht auf bezahlte Stillzeiten, wenn sie in einem Beschäftigungsverhältnis sind. Das steht im Mutterschutzgesetz. Hier informieren wir über die Rechte von Stillenden. Auch für Schule, Studium und Ausbildung gibt es unterstützende Regelungen. Unsere Empfehlung: Früh mit der Arbeits- oder Ausbildungsstelle sprechen, um gemeinsam passende Rahmenbedingungen zu vereinbaren.
Hier gibt es außerdem ganz praktische Tipps zum Abpumpen von Muttermilch, für Zeiten, in denen Mutter und Kind vorübergehend nicht zusammen sind.