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Erweiterung der Lebensmittelvielfalt

Lebensmittelvielfalt
PhotoSG / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Kinder sollten ermutigt werden, neue Lebensmittel/Speisen zu probieren und zu entdecken, wie sie aussehen, wie sie riechen und sich anfühlen, welchen Geschmack und welche Konsistenz sie haben. Eltern sollten für ein vielfältiges Angebot sorgen.
  • Geschmackspräferenzen bilden sich durch wiederholtes Probieren. Dazu bieten die Eltern neue Lebensmittel/Speisen mehrfach und ohne Zwang an und akzeptieren die (zeitweise) Ablehnung des Kindes.
  • Eltern sollten Lebensmittel auch einzeln anbieten, damit Kinder deren Eigengeschmack erfahren können.

Hintergrund

Abwechslung und Vielfalt in der Lebensmittel- und Speisenauswahl tragen zum Genuss beim Essen bei, sind Teil unserer Esskultur – im Tagesverlauf, im Alltag oder an Festtagen werden unterschiedliche Speisen gegessen – und haben auch für die Nährstoffversorgung Vorteile. Die Förderung der Akzeptanz vor allem für nährstoffdichte Lebensmittel (Nährstoffdichte = Menge eines Nährstoffs in einem Lebensmittel im Verhältnis zu seinem Energiegehalt), wie Gemüse und Obst, sind wünschenswert, denn im frühen Kindesalter geprägte Geschmackspräferenzen werden bis ins Erwachsenenalter mitgenommen [1].

Nicht immer wird Neues sofort akzeptiert. Während die Vorliebe für süß angeboren, jene für salzig mit etwa 4 Monaten ersichtlich ist und entsprechende Lebens mittel deshalb leichter angenommen werden [2], werden andere Präferenzen erst erlernt. Dies beginnt im Mutterleib (über die Ernährung der Mutter) und setzt sich im Säuglings- und Kleinkindalter fort [3, 4, 5, 6, 7]. Für neue Geschmackserfahrungen besonders offen sind Säuglinge im Alter von etwa einem halben Jahr und Kleinkinder bis zu etwa 2 Jahren. Die Phase, in der am häufigsten neue Speisen abgelehnt werden (Neophobie) erreicht zwischen 2 und 6 Jahren ihren Höhepunkt [8].

Was Kinder essen (mögen), hängt vom Angebot bzw. der Gewohnheit ab. Ein mehrmaliges Anbieten hilft, mit neuen Lebensmitteln und Speisen vertraut zu werden [2]. Auch die Kombination mit einem bereits bekannten Geschmack bzw. einem vertrauten Lebensmittel oder einer Lieblingsspeise kann die Akzeptanz von unbekannten Lebensmitteln erleichtern [2, 9].

Eltern wecken die Neugier des Kindes, wenn sie Speisen appetitlich und kindgerecht (z. B. hinsichtlich Textur und Größe der Lebensmittelstücke) anrichten, selbst genussvoll mitessen und Kinder an der Gestaltung von Essenssituationen aktiv beteiligen, beispielsweise bei der Vorbereitung und beim Abräumen des Tisches sowie beim Selbstnehmen von Speisen im vorgegebenen Rahmen.

Essen ist ein Prozess sensorischer und gleichzeitig emotionaler Erfahrung. Es ist wünschenswert, diese sinnliche Wahrnehmung zu unterstützen und auszubauen [10]. Studien mit älteren Kindern zeigen, dass Sinnesbildung die Bereitschaft, Neues zu probieren, zumindest kurzfristig erhöhen kann [11]. Eine vielfältige Geschmackssensibilität kann möglicherweise auch das Übergewichtsrisiko mindern. Zusammenhänge zwischen der Ausprägung der Geschmackswahrnehmung und dem Körpergewicht wurden bei Schulkindern gezeigt [12]. Gemeinsame Mahlzeiten und die gemeinsame Zubereitung der Speisen bieten im Alltag Gelegenheit, sich aktiv und durchaus auch spielerisch mit Lebensmitteln bzw. Speisen auseinanderzusetzen.

Hinweis: Beim Übergang von Brei auf feste Kost, bei der Einführung neuer Geschmacksrichtungen oder dem Beginn des Selbstessens können Anpassungsschwierigkeiten auftreten. Meist legen sich diese Essprobleme wieder. Eltern sollten sich jedoch immer an Kinder- und Jugendärzte wenden, wenn ihr Kind beim Essen übermäßig wählerisch ist, feste Nahrung verweigert, eine ausgeprägte Unlust am Essen hat oder nie Hunger erkennen lässt, nur bei extremer Ablenkung isst, ständig Essen hochwürgt, ausspuckt, sich übergibt oder wenn sie sich um das Gewicht ihres Kindes Sorgen machen.

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Literatur

[1] Nicklaus S (2009) Development of food variety in children. Appetite 52:253–255

[2] Birch LL, Anzman-Frasca S (2011) Promoting children’s healthy eating in obesogenic environments: lessons learned from the rat. Physiol Behav 104:641–645

[3] Beauchamp GK, Mennella JA (2009) Early flavor learning and its impact on later feeding behavior. J Pediatr Gastroenterol Nutr 48(Suppl 1):S25–S30

[4] Birch LL, Fisher JO (1998) Development of eating behaviors among children and adolescents. Pediatrics 101:539–549

[5] Elsner B, Pauen S (2012) Vorgeburtliche Entwicklung und früheste Kindheit. In: Schneider W, Lindenberg U (Hrsg) Entwicklungspsychologie. Beltz, Weinheim, S159–186

[6] Gahagan S (2012) Development of eating behavior: biology and context. J Dev Behav Pediatr 33:261–271

[7] Mennella JA, Trabulsi JC (2012) Complementary foods and flavor experiences: setting the foundation. Ann Nutr Metab 60(Suppl 2):40–50

[8] Dovey TM, Staples PA, Gibson EL, Halford JC (2008) Food neophobia and ‚picky/fussy‘ eating in children: a review. Appetite 50:181–193

[9] Pliner P, Stallberg-White C (2000) „Pass the ketchup, please“: familiar flavors increase children’s willingness to taste novel food. Appetite 34:95–103

[10] Heindl I, Methfessel B, Schlegel-Matthies K (2011) Ernährungssozialisation und -bildung und die Entstehung einer „kulinarischen Vernunft“. In: Ploeger A, Hirschfelder G, Schönberger G (Hrsg) Die Zukunft auf dem Tisch. Analysen, Trends und Perspektiven der Ernährung von morgen. VS Verlag für Sozialwissenschaften/Springer Fachmedien, Wiesbaden, S 187–202

[11] Reverdy C, Chesnel F, Schlich P et al (2008) Effect of sensory education on willingness to taste novel food in children. Appetite 51:156–165

[12] Overberg J, Hummel T, Krude H, Wiegand S (2012) Differences in taste sensitivity between obese and non-obese children and adolescents. Arch Dis Child 97:1048–1052