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Folsäure

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung zur Deckung des Folatbedarfs ein Supplement einnehmen.

Schwangere mit Tablette in Hand
Ольга Тернавская / Fotolia.com

Empfehlungen

  • Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung zur Deckung des Folatbedarfs ein Supplement einnehmen (400 µg Folsäure/Tag).
  • Die Einnahme soll mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden.

Hintergrund

Die Folatversorgung ist unter anderem wichtig für Zellteilung und Wachstumsprozesse. Folatreiche pflanzliche Lebensmittel wie grünes Blattgemüse, Kohlsorten, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tomaten oder Orangen können zur Versorgung beitragen. Die mittlere Folatzufuhr der deutschen Bevölkerung liegt jedoch deutlich unter dem Referenzwert der DGE, der von 86 % der Frauen nicht erreicht wird [1]. In der Schwangerschaft steigt der Referenzwert für die Folatzufuhr (berechnet als Folatäquivalente) um 50 % auf 600 µg/Tag [2]. Eine Supplementierung mit täglich mindestens 400 µg Folsäure (allein oder in Kombination mit anderen Mikronährstoffen) zeigte in zahlreichen Studien und in einer Cochrane-Meta-Analyse eine ausgeprägte Risikominderung für kindliche Fehlbildungen des Nervensystems bzw. Neuralrohrdefekte [3, 4]. In einzelnen Studien wurde auch eine Risikominderung für weitere angeborene Fehlbildungen wie zum Beispiel angeborene Herzfehler und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten berichtet [5, 6, 7, 8, 3]; jedoch ergab sich in der zitierten Cochrane-Meta-Analyse insgesamt kein signifikanter Effekt für die Prävention weiterer angeborener Fehlbildungen [3]. Da der Verschluss des Neuralrohrs drei bis vier Wochen nach der Konzeption erfolgt [9, 3], ist es für einen optimalen präventiven Effekt erforderlich, mit der Folsäuresupplementierung bereits vor der Konzeption zu beginnen. Frauen, die eine Schwangerschaft planen oder nicht ausschließen können, sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung täglich ein Supplement mit 400 µg Folsäure einnehmen und damit mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortfahren [10]. Wenn die Einnahme erst kurz vor oder sogar erst nach der Konzeption beginnt, sollten Supplemente mit mehr als 400 µg Folsäure verwendet werden, da diese rascher zu einer präventiv wirksamen Gewebekonzentration führen [11]. Eine tägliche Zufuhr von bis zu 1000 µg Folsäure wird als sicher eingeschätzt [12].

Die Referenzwerte der DGE für die Zufuhr von Folatäquivalenten in der Schwangerschaft können allein mit der Nahrung praktisch nicht erreicht werden [13, 1]. In Deutschland gibt es keine systematische Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure [14]. Auch wenn einzelne Hersteller Lebensmittel mit Folsäure anreichern, wird Frauen vor und in der Schwangerschaft zur Einnahme von Folsäuresupplementen geraten. Derzeit führt nur ein geringer Teil der Frauen vor und in der Schwangerschaft eine präventiv wirksame Folsäuresupplementierung durch [15].

Auch über die zwölfte Schwangerschaftswoche hinaus kann die Einnahme eines Supplements mit Folsäure fortgesetzt werden. Zu möglichen Vorteilen von Multivitaminpräparaten mit Folsäure hinsichtlich der Risikominderung für Präeklampsie, der Verbesserung der oft schlechten Versorgung mit Vitamin D und ihrer Folgen für Mutter und Kind und der Senkung des Risikos für angeborene Fehlbildungen und für ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes besteht weiterer Forschungsbedarf. Wenn Schwangere ein Multivitaminpräparat einnehmen, sollten sie darauf achten, dass es 400 µg Folsäure enthält.

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Literatur

1. Max Rubner Institut. Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht. Karlsruhe: Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel; 2008

2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neustadt an der Weinstraße. 1. Auflage, 4. korrigierter Nachdruck ed. Frankfurt am Main: Umschau/Braus; 2012

3. De-Regil LM, Fernandez-Gaxiola AC, Dowswell T, Pena-Rosas JP. Effects and safety of periconceptional folate supplementation for preventing birth defects. Cochrane Database Syst Rev 2010:CD007950

4. Koletzko B, Pietrzik K. Gesundheitliche Bedeutung der Folsäurezufuhr. Dtsch Arztebl Int 2004;101:A1670-A81

5. van Beynum IM, Kapusta L, Bakker MK, den Heijer M, Blom HJ, de Walle HE. Protective effect of periconceptional folic acid supplements on the risk of congenital heart defects: a registry-based case-control study in the northern Netherlands. Eur Heart J 2010;31:464-71

6. Czeizel AE. Reduction of urinary tract and cardiovascular defects by periconceptional multivitamin supplementation. Am J Med Genet 1996;62:179-83

7. Czeizel AE, Banhidy F. Vitamin supply in pregnancy for prevention of congenital birth defects. Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care 2011;14:291-6

8. Czeizel AE, Dudas I, Paput L, Banhidy F. Prevention of neural-tube defects with periconceptional folic acid, methylfolate, or multivitamins? Ann Nutr Metab 2011;58:263-71

9. Czeizel AE. Specified critical period of different congenital abnormalities: a new approach for human teratological studies. Congenit Anom (Kyoto) 2008;48:103-9

10. Becker S, Schmid D, Amann-Gassner U, Hauner H. Verwendung von Nährstoffsupplementen vor und während der Schwangerschaft. Ernährungs Umschau 2011;58:36-41

11. Bramswig S, Prinz-Langenohl R, Lamers Y et al. Supplementation with a multivitamin containing 800 microg of folic acid shortens the time to reach the preventive red blood cell folate concentration in healthy women. Int J Vitam Nutr Res 2009;79:61-70

12. Scientific Committee on Food, European Commission. Opinion of the Scientific Committee on Food on the tolerable upper intake level of folate. Brüssel: Europäische Kommission; 2000.

13. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Gesellschaft für Humangenetik, Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde, Gesellschaft für Neuropädiatrie. Prävention von Neuralrohrdefekten durch Folsäurezufuhr in der Frühschwangerschaft. Der Frauenarzt 1994;35:1007-1010; Nachdruck in: Der Kinderarzt 1995;26:187-190; .2: ASbH-Brief - Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e. V.; .3: 1995; Monatsschr Kinderheilkd 1995;143:1003-5

14. Herrmann W, Obeid R. The mandatory fortification of staple foods with folic acid: a current controversy in Germany. Deutsches Arzteblatt international 2011;108:249-54

15. Inskip HM, Crozier SR, Godfrey KM, Borland SE, Cooper C, Robinson SM. Women's compliance with nutrition and lifestyle recommendations before pregnancy: general population cohort study. BMJ 2009;338:b481