Empfehlung
- Schwangere sollen täglich 200 mg DHA zuführen. Dies kann über den Verzehr von fettreichem Meeresfisch 1- bis 2-mal pro Woche oder alternativ über die Einnahme eines Supplements erreicht werden.
Grundlagen der Empfehlung
Die Omega-3-Fettsäure DHA kommt vor allem in fettreichen Meeresfischen vor. Schwangeren, die auf diese Lebensmittel verzichten, wird daher empfohlen, ein DHA-Supplement einzunehmen, um die von der DGE empfohlene Zufuhrmenge von durchschnittlich 200 mg DHA pro Tag für Schwangere zu erreichen [82].
Eine DHA-Supplementierung nach Bedarf (bei Verzicht auf Fisch) wird auch in anderen Ländern empfohlen (z. B. Niederlande [45] und Australien [14]).
Die EFSA sowie eine internationale Clinical Practice Guideline empfehlen Schwangeren eine Zufuhr von 100 bis 200 mg DHA pro Tag, zusätzlich zu dem Schätzwert für die Zufuhr (Adequate Intake) von 250 mg DHA plus EPA (Eicosapentaensäure) pro Tag für Nichtschwangere [90, 220].
Hintergrundinformationen
Zu den Omega-3-Fettsäuren gehören u. a. α-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Fettreiche Meeresfische wie Lachs, Makrele, Sardine und Hering sind reich an den langkettigen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA [82]. Bei der Auswahl von Fisch sollten Nachhaltigkeitsaspekte sowie dessen potenzielle Schwermetallbelastung (Methylquecksilbergehalt) berücksichtigt werden (siehe Kapitel „Ernährungsweise und Getränke“).
In einigen Studien war der Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten in der Schwangerschaft bzw. eine gute mütterliche Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren positiv mit der neurologischen Entwicklung, aber auch mit dem Wachstum des Fetus assoziiert [221–229]. Eine adäquate Zufuhr langkettiger Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft war zudem mit einer Risikoreduktion für (frühe) Frühgeburt assoziiert [220, 230, 231]. Aus diesem Grund wird national und international in erster Linie der regelmäßige Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten bzw. entsprechender Omega-3-Fettsäuren-haltiger Lebensmittel empfohlen [91, 232].
ALA kann einen Beitrag zur Omega-3-Fettsäuren-Versorgung leisten; die Eigensynthese von DHA aus ALA ist jedoch gering und abhängig vom Genotyp für Fettsäuredesaturasen. Frauen scheinen eine höhere Kapazität zur Umwandlung von ALA in DHA zu haben als Männer. ALA findet sich in einigen Pflanzenölen (z. B. Raps-, Walnuss-, Leinöl), Nüssen (z. B. Walnüsse) und Samen (z. B. Leinsamen) [233–239].
Frauen, die in der Schwangerschaft nicht (regelmäßig) fettreichen Meeresfisch verzehren, wird empfohlen, DHA als Supplement einzunehmen. Studien mit Fokus auf die Supplementierung von DHA in der Schwangerschaft verdeutlichen eine Risikoreduktion für das Auftreten von (früher) Frühgeburt [220, 230, 231]. Darüber hinaus gibt es Hinweise für Zusammenhänge mit geringem Geburtsgewicht beim Kind sowie Präeklampsie und perinataler bzw. postpartaler Depression bei der Mutter [230, 240–242]. Andere Studien kommen hingegen zu keinen aussagekräftigen Schlussfolgerungen bezüglich der Effekte einer Supplementierung auf weitere Outcomes, z. B. die kognitive Entwicklung des Kindes [243–247].
Eine internationale Clinical Practice Guideline empfiehlt Frauen, die bis zum Beginn der Schwangerschaft nur eine geringe Zufuhr an EPA plus DHA erreichten, eine Zufuhr von etwa 600–1 000 mg EPA plus DHA, um das Risiko für Frühgeburten zu reduzieren [220]. Es gibt Hinweise darauf, dass in einigen Ländern, darunter auch Deutschland, schwangere Frauen geringe EPA- und DHA-Werte aufweisen [248].
Laut EFSA birgt die Zufuhr von EPA und DHA in einer kombinierten Dosis von bis zu 5 g/Tag keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken für Erwachsene. Das gilt auch für EPA allein in einer Dosis von bis zu 1,8 g/Tag und von DHA allein in einer Dosis von bis zu 1 g/Tag [249, 250]. Ein dosisabhängig erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern kann bei Patientinnen und Patienten mit etablierten kardiovaskulären Erkrankungen oder kardiovaskulären Risikofaktoren aber auch schon unterhalb einer kombinierten Dosis von 4 g/Tag auftreten [251, 252].