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Herz und Foetus auf Schwangerenbauch gemalt
iStock.com/AtnoYdur

Empfehlungen

  • Frauen/Paare mit Kinderwunsch sollten nicht rauchen und auch keine anderen Nikotinprodukte konsumieren.
     
  • Schwangere sollen nicht rauchen und auch keine anderen Nikotinprodukte konsumieren.
     
  • Schwangere sollen sich vom Tabakrauch anderer fernhalten und sich auch nicht in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird oder wurde.
     
  • Schwangere sollen kein Cannabis konsumieren.

Grundlagen der Empfehlungen

Nationale sowie internationale Fachgesellschaften bzw. -institutionen empfehlen, in der Schwangerschaft nicht zu rauchen und auch schon in der Phase des Kinderwunsches möglichst mit dem Rauchen aufzuhören [1, 14, 350, 353, 357, 380]. Neben dem aktiven Rauchen kann auch das Passivrauchen negative Auswirkungen auf die kindliche und mütterliche Gesundheit haben, sodass sich Schwangere in einer rauchfreien Umgebung aufhalten sollen [156, 381, 382]. Darüber hinaus wird vom Konsum von Wasserpfeifen und E-Zigaretten während der Schwangerschaft abgeraten [299]. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Rauchen die Fruchtbarkeit einschränken kann [359, 383].

Im Zuge der Legalisierung von Cannabis im Jahr 2024 ist auch dieses Thema im Kontext der Schwangerschaft immer mehr in den Fokus gerückt. In aktuellen Studien war der Konsum von Cannabis in der Schwangerschaft mit einem geringen Geburtsgewicht, SGA und häufigeren Auftreten von Frühgeburten assoziiert, weshalb Schwangeren von einem Cannabiskonsum abgeraten wird [384–386].

Hintergrundinformationen

Die Prävalenz des Zigarettenrauchens lag laut Mikrozensus im Jahr 2021 bei Frauen in Deutschland bei 15,7 % [387]. In der Schwangerschaft haben laut Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2, Erhebungszeitraum 2014–2017) 10,9 % der Frauen geraucht, mit einer sinkenden Tendenz im Zeitverlauf. Die Daten verdeutlichen einen starken sozialen Gradienten und einen Alterseffekt: Es gibt eine geringere Prävalenz bei hohem sozioökonomischem Status und bei älteren Müttern [388].

Tabak(rauch) enthält eine Vielzahl neurotoxischer und krebserregender Substanzen wie Nikotin oder Kohlenmonoxid sowie Schwermetalle wie Cadmium, die plazentagängig sind und damit der Plazenta und dem Ungeborenen schaden können. Zigarettenrauchen in der Schwangerschaft kann das Risiko für Früh-, Fehl- und Totgeburten, Fehlbildungen, geringes Geburtsgewicht und SGA, plötzlichen Kindstod, kindliche Karies, postpartale Depression sowie mittel- und langfristig das Risiko für Übergewicht und Asthma beim Kind sowie kindliche neurologische Entwicklungsstörungen erhöhen [389–401]. Zudem wurde gezeigt, dass Kinder, die während der Schwangerschaft dem Tabakrauch ihrer Mutter ausgesetzt waren, ein erhöhtes Risiko hatten, später selbst zu rauchen oder tabakabhängig zu werden [402].

Auch unerwünschte Auswirkungen des Passivrauchens auf Mutter und Kind sind mittlerweile gut belegt. So wird in zahlreichen Übersichtsarbeiten im Zusammenhang mit Passivrauchen in der Schwangerschaft über ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Fehlbildungen, kindlichen Wachstumsverzögerungen oder einem atopischen Ekzem beim Kind sowie dem Auftreten von depressiven Symptomen, Schwangerschaftsdiabetes und verminderter Fekundabilität (Wahrscheinlichkeit, in einem Zyklus schwanger zu werden) bei der Mutter berichtet [403–408].

Ein Tabak- und Nikotinverzicht ist zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft und auch schon davor sinnvoll [409]. Für die Raucherentwöhnung in der Schwangerschaft empfiehlt die S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit“ psychosoziale Interventionen (Intensivberatung, Verhaltensmodifikation und Motivationsstrategien), ergänzend qualitätsgesicherte digitale Interventionen (Internet- und mobile Selbsthilfeprogramme) sowie eine Bonifikation. Erst nach Ausschöpfung aller nicht pharmakologischen Behandlungsoptionen und unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung sowie ärztlicher Überwachung sollten Nikotinersatztherapeutika eingesetzt werden [410].

In diesem Zusammenhang ist auch der Aspekt der sozialen Unterstützung bei der Raucherentwöhnung und damit die gemeinsame Verantwortung für die Schaffung einer rauchfreien Umgebung der Schwangeren entscheidend. Haushaltsangehörige bzw. Partner oder Partnerinnen spielen eine entscheidende Rolle für einen erfolgreichen Rauchstopp im Zuge der Schwangerschaft und über die Geburt hinaus [411–413].

Tabak und Nikotin können auch über andere Produkte als Zigaretten konsumiert werden. Zu den tabakhaltigen Nikotinprodukten gehören neben Zigaretten z. B. Wasserpfeifen oder rauchfreie Tabakwaren wie Schnupftabak und Kau-/Oraltabak (z. B. Snus). Zu den tabakfreien Nikotinprodukten gehören u. a. E-Zigaretten bzw. Vapes. Für Wasserpfeifen und E-Zigaretten gibt es auch Tabak- bzw. Nikotinersatz (z. B. Trägermaterialien oder Liquids mit Aromen).

Während zu den Auswirkungen des Zigarettenrauchens in der Schwangerschaft zahlreiche Studien vorliegen, gibt es zu den weiteren tabakhaltigen und tabakfreien Nikotinprodukten und deren Effekten in der Schwangerschaft bisher wenig Erkenntnisse. Die Risiken des Vapings und des Konsums rauchfreier Tabakwaren scheinen ähnlich zu sein wie die des Zigarettenrauchens [414–418]. Die Deutung solcher Ergebnisse ist jedoch erschwert, da Studienteilnehmerinnen nicht selten vorher Zigaretten geraucht haben oder zum Teil noch aktive Raucherinnen sind. Zudem gibt es keine Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweise für die Verwendung von E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung während der Schwangerschaft [419].

Zum Konsum von Cannabis während der Schwangerschaft ist die Datenlage derzeit gering, weshalb keine verlässlichen Aussagen zu mittel- und langfristigen Effekten auf die Gesundheit von Mutter und Kind möglich sind. Angesichts der bisher berichteten negativen Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die kindliche Gesundheit wird von einem Konsum in der Schwangerschaft abgeraten [420, 421].

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bietet zum Thema Raucherentwöhnung in der Schwangerschaft u. a. auf der Website rauchfrei-info.de umfangreiche Informationen und Empfehlungen zum Rauchstopp [422]. Das Onlineprogramm IRIS (iris-plattform.de) richtet sich zudem speziell an Schwangere und unterstützt sie mittels Informationen, interaktiven Online-Übungen und bei Bedarf mit einer individuellen E-Mail-Beratung dabei, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten [378].

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Die Handlungsempfehlungen fassen wichtige Botschaften zu Ernährung, Bewegung und weiteren Gesundheitsaspekten in den Phasen der Präkonzeption und der Schwangerschaft zusammen. Die Empfehlungen werden von den für Deutschland relevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden unterstützt.

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