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Schwangere sieht zweifelnd auf Weinglas
AntonioDiaz/Fotolia.com

Empfehlungen

  • Frauen mit Kinderwunsch sollen keinen Alkohol konsumieren.
     
  • Schwangere sollen keinen Alkohol konsumieren.

Grundlagen der Empfehlungen

Die DGE verweist in ihrem Positionspapier zum Konsum von Alkohol darauf, dass es keine sichere Alkoholmenge für einen unbedenklichen Konsum in der Schwangerschaft gibt [347]. Der Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft führt zu einer pränatalen Exposition des ungeborenen Kindes und erhöht das Risiko für negative gesundheitliche Folgen beim Kind, einschließlich fetaler Alkoholspektrumstörungen (FASD).

Alkohol in der Schwangerschaft vollständig zu meiden, empfehlen neben der DGE [347] auch Fachgesellschaften und -institutionen anderer Länder, z. B. in Australien, Großbritannien, USA, Österreich sowie in verschiedenen nordischen Ländern [91, 94, 348–350].

Nationale Organisationen anderer Länder sowie Institutionen auf internationaler Ebene empfehlen aus demselben Grund, auch auf Alkohol bereits in der Zeit der Schwangerschaftsplanung bzw. bei Kinderwunsch zu verzichten [1, 348, 350–358].

Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Alkoholkonsum die Fruchtbarkeit einschränken kann [359, 360].

Hintergrundinformationen

Da es keine nachgewiesene gesundheitsfördernde Alkoholmenge gibt und ein risikofreier Konsum nicht belegt ist, empfiehlt die DGE generell allen Bevölkerungsgruppen, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Alkoholkonsum ist hierzulande dennoch weit verbreitet [347]. Deutschland gilt als Alkohol-Hochkonsumland [361, 362]. Die Konsumschätzungen unterscheiden sich jedoch je nach Erhebung aufgrund unterschiedlicher Bezugszeiträume und Erhebungsmethoden.

Zum Alkoholkonsum von Schwangeren liegen Daten aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vor (KiGGS-Basiserhebung, Erhebungszeitraum 2003–2006). Demnach gaben weniger als 1 % der befragten Frauen an, während der Schwangerschaft regelmäßig Alkohol konsumiert zu haben, und ca. 14 % gaben einen gelegentlichen Konsum an [363]. Hingegen wiesen bei einer Analyse alkoholabhängiger Biomarker in Blutproben von 2 182 schwangeren Frauen aus Sachsen-Anhalt (2015–2017) 13,8 % der Schwangeren bei mindestens einem Biomarker einen erhöhten Wert auf, der auf einen schädlichen Alkoholkonsum hindeutet [364]. Laut der repräsentativen Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) aus den Jahren 2009, 2010 und 2012 konsumierten 27,6 % der Frauen in der Schwangerschaft Alkohol [365].

Insgesamt ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Über Risikofaktoren für einen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft klärt die S3-Leitlinie „Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) bei Kindern und Jugendlichen – Diagnostik & Intervention“ auf [366].

Wenn eine Schwangere Alkohol konsumiert, kann dies zu Schäden beim ungeborenen Kind führen, weil Alkohol über die Plazenta in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes gelangt. Als Zellgift und Zellteilungsgift beeinflusst Alkohol die Entwicklung des Kindes und kann alle Organe des ungeborenen Kindes schädigen bzw. deren Entwicklung beeinträchtigen. Besonders anfällig ist das Gehirn. Durch eine pränatale Alkoholexposition können sowohl Verhaltensauffälligkeiten als auch körperliche oder geistige Beeinträchtigungen auftreten. Solche Schädigungen werden unter dem Begriff „Fetale Alkoholspektrumstörungen“ (Abkürzung: FASD – Englisch für „fetal alcohol spectrum disorders“) zusammengefasst. Zu den FASD gehört u. a. das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) [366].

Auf Basis von Daten aus der GEDA-Studie wird für das Jahr 2014 die Inzidenz von FAS bei Neugeborenen auf 41 pro 10 000 Lebendgeburten und von FASD auf 177 pro 10 000 Lebendgeburten geschätzt. Unter Berücksichtigung der Anzahl der Neugeborenen in Deutschland im Jahr 2014 entspricht dies 2 930 Kindern mit FAS bzw. 12 650 Kindern mit FASD [365]. Auch hier ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Nach Möglichkeit sollte das Störungsbild jedoch früh erfasst und eine entsprechende Therapie und Förderung des Kindes bzw. Jugendlichen initiiert werden, da dadurch das Auftreten von Folgeerkrankungen oder Komorbiditäten von Kindern mit FASD vermindert werden kann [366].

Die aktuelle Studienlage deutet zudem darauf hin, dass pränataler Alkoholkonsum auch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Stoffwechselstörungen und dem Auftreten von Adipositas beim Kind assoziiert ist [367]. Des Weiteren scheint Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ein Risikofaktor für eine postpartale Depression sowie einer Depression beim Kind zu sein [368–370]. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Alkoholkonsum in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für SGA assoziiert ist [371]. Die Evidenz hinsichtlich eines erhöhten Risikos für Fehlgeburt [372, 373] sowie ein geringes Geburtsgewicht ist unsicher [371, 374, 375].

Für die Beratung zu Alkohol in der Schwangerschaft ist zu beachten, dass eine Empfehlung zum Alkoholverzicht Frauen verunsichern und Schuldgefühle fördern kann, wenn sie in der Frühschwangerschaft – bevor sie davon wussten – Alkohol getrunken haben. Deshalb sollten Fachkräfte dazu differenziert und sensibel beraten [366, 376] (siehe Kapitel „Diversitätssensible Beratung“).

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bietet verschiedene Informationen zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft an, darunter einen Leitfaden für die Beratung Schwangerer zum Alkoholverzicht [377] und das Onlineprogramm IRIS (iris-plattform.de), das werdende Eltern dabei unterstützt, auf Rauchen und Alkohol zu verzichten [378]. Über die Website kenn-dein-limit.de stehen weitere Informationen und Unterstützung zum Thema zur Verfügung [379].

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Literatur

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