Ein Großteil der Kinder in Deutschland hat heute kariesfreie Zähne. Bei den Acht- und Neunjährigen haben jedoch 40 Prozent weiterhin Karies. Bei Kindern aus Familien mit niedrigerem Sozialstatus oder Migrationserfahrung kommt Karies besonders häufig vor [1].
Bei kariesfreien Milchzähnen ist auch das Kariesrisiko bei den bleibenden Zähnen geringer [2–4]. Wenn zahngesunde Gewohnheiten schon im frühen Kleinkindalter eingeführt werden, gehen sie später leichter von der Hand und bleiben eher als Routinen etabliert.
Verschiedene Maßnahmen ergänzen sich
Für das Säuglings- und frühe Kindesalter gibt es bundesweite Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention [5]. Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Fachgesellschaften und Fachgruppen haben diese Empfehlung gemeinsam entwickelt, nach einem durch das Netzwerk Gesund ins Leben koordinierten Prozess.
Zu einer wirksamen Kariesvorbeugung gehören eine zahngesunde Ernährung, die konsequente Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken und von Dauernuckeln an Fläschchen im Allgemeinen, die Anwendung von Fluoriden und tägliches Zähneputzen, um Beläge so weit wie möglich zu reduzieren.
Wie funktioniert Kariesprävention konkret bei Babys und Kleinkindern?
1. Lebensjahr: Mundgesundheit ab Geburt schützen
Kleinkinder: zahngesunde Gewohnheiten fördern
Worauf ist bei einer zahngesunden Kleinkindernährung zu achten?
Fluorid spielt eine Schlüsselrolle
Eine Schlüsselrolle in der Kariesprävention spielt die Fluoridanwendung [6,7]. Sie wird von Geburt an in angemessener Dosis empfohlen. Die Höhe der Dosis und die Art der Anwendung richten sich nach dem Alter des Kindes und der Fluoridzufuhr aus allen Quellen (Zahnpasta, Fluoridtablette, Wasser, Salz etc.) [5].
Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es wegen der laufenden Zahnentwicklung durch zu viel Fluorid zu Veränderungen des Zahnschmelzes (sogenannte Dentalfluorosen) in den bleibenden Zähnen kommen [8]. Daher gilt es eine Balance zwischen einem größtmöglichen Nutzen und einem geringstmöglichen Risiko zu finden. Als optimale Dosis sieht die European Food Safety Authority (EFSA) 0,05 Milligramm (mg) pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag an [9]. Darauf basieren auch die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [10]. Die EFSA gibt als tolerierbare Tageshöchstmenge für Säuglinge einen Wert für Fluorid von 1 mg pro Tag an, für Ein- bis Dreijährige liegt er bei 1,6 mg pro Tag [11].
Die einheitlichen Empfehlungen zur Kariesprävention lassen bei korrekter Umsetzung, einem Trinkwasserfluoridgehalt unter 0,3 mg pro Liter und strikter Einhaltung der empfohlenen Zahnpastamenge keine Überschreitungen der tolerierbaren Tageshöchstmenge erwarten.
Überdosierung vermeiden – Eltern tragen Zahnpasta auf
Um eine zu hohe Fluoridzufuhr zuverlässig zu vermeiden, ist die korrekte Dosierung der empfohlenen Zahnpastamenge unerlässlich. Säuglinge und Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht ausspucken und verschlucken sie zum Teil. Deshalb ist es notwendig, dass die Eltern oder andere Erwachsene die Zahnpasta in korrekt dosierter Menge auf den Bürstenkopf auftragen, je nach Kindesalter in Reiskorn- oder Erbsengröße. Zahnpasten aus Tuben mit kleinerer Öffnung und solche mit neutraler Farbe und neutralem Geschmack sind zu bevorzugen.
Es ist wichtig, Eltern mit praktischer Anleitung zur Zahnpastadosierung zu unterstützen.
Bei Wasser für Flaschennahrung Fluoridgehalt prüfen
Bei nicht gestillten Säuglingen hängt die Fluoridzufuhr insbesondere vom Fluoridgehalt des Wassers ab, das zur Zubereitung von Flaschennahrung verwendet wird. Der Fluoridgehalt des Trinkwassers in Deutschland liegt meist unter 0,3 mg pro Liter. Auskunft über den Fluoridgehalt vor Ort gibt der örtliche Wasserversorger. Mineral- und Tafelwässer können ganz unterschiedliche Fluoridkonzentrationen enthalten. Ist der Fluoridgehalt nicht auf der Verpackung angegeben, gibt der Hersteller Auskunft.
Bei einem Fluoridgehalt des verwendeten Wassers von 0,3 mg pro Liter und mehr wird für Säuglinge, die ausschließlich oder überwiegend mit Flaschennahrung ernährt werden, kein weiteres Fluorid aus anderen Quellen bzw. eine reduzierte Dosis empfohlen.
Gut und gemeinsam betreut von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten
Sowohl die zahnärztliche als auch die kinderärztliche Praxis unterstützen Eltern beim Thema Mundgesundheit. Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 wird darauf geachtet, dass die Zähne von Anfang an gesund sind und bleiben. Da im Schnitt 98 Prozent aller Kinder die U-Untersuchungen in Anspruch nehmen [12], werden damit nahezu alle Kinder dieser Altersstufe erreicht.
Ab dem sechsten Lebensmonat bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr werden die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6 angeboten [13]. Dabei untersuchen Zahnärztinnen und Zahnärzte die Mundhöhle des Kindes, schätzen das Kariesrisiko ein und beraten zur Mundhygiene, Ernährung und Anwendung von Fluorid.
Seit Anfang 2026 sind diese zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen ins gelbe Kinderuntersuchungsheft integriert und die Ergebnisse werden dort eingetragen [14]. Damit wurde die Unterstützung von Familien durch die beiden Fachrichtungen noch stärker vernetzt.
Der Artikel basiert auf den bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter.