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Welche Rolle spielt Fluorid bei der Kariesprävention? Wie können Eltern die Weichen für eine gute Zahn- und Mundgesundheit stellen? Und welche Unterstützung können sie dabei von Ärztinnen und Ärzten erhalten? Verschiedene Ansätze gehen hier Hand in Hand.

Baby draußen im Grünen zeigt seine ersten Milchzähne
stock.adobe.com/Anastassiya

Ein Großteil der Kinder in Deutschland hat heute kariesfreie Zähne. Bei den Acht- und Neunjährigen haben jedoch 40 Prozent weiterhin Karies. Bei Kindern aus Familien mit niedrigerem Sozialstatus oder Migrationserfahrung kommt Karies besonders häufig vor [1]. 

Bei kariesfreien Milchzähnen ist auch das Kariesrisiko bei den bleibenden Zähnen geringer [2–4]. Wenn zahngesunde Gewohnheiten schon im frühen Kleinkindalter eingeführt werden, gehen sie später leichter von der Hand und bleiben eher als Routinen etabliert.

Verschiedene Maßnahmen ergänzen sich

Für das Säuglings- und frühe Kindesalter gibt es bundesweite Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention [5]. Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Fachgesellschaften und Fachgruppen haben diese Empfehlung gemeinsam entwickelt, nach einem durch das Netzwerk Gesund ins Leben koordinierten Prozess. 

Zu einer wirksamen Kariesvorbeugung gehören eine zahngesunde Ernährung, die konsequente Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken und von Dauernuckeln an Fläschchen im Allgemeinen, die Anwendung von Fluoriden und tägliches Zähneputzen, um Beläge so weit wie möglich zu reduzieren. 

Wie funktioniert Kariesprävention konkret bei Babys und Kleinkindern?

1. Lebensjahr: Mundgesundheit ab Geburt schützen

Kleinkinder: zahngesunde Gewohnheiten fördern

Worauf ist bei einer zahngesunden Kleinkindernährung zu achten?

Fluorid spielt eine Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle in der Kariesprävention spielt die Fluoridanwendung [6,7]. Sie wird von Geburt an in angemessener Dosis empfohlen. Die Höhe der Dosis und die Art der Anwendung richten sich nach dem Alter des Kindes und der Fluoridzufuhr aus allen Quellen (Zahnpasta, Fluoridtablette, Wasser, Salz etc.) [5].

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es wegen der laufenden Zahnentwicklung durch zu viel Fluorid zu Veränderungen des Zahnschmelzes (sogenannte Dentalfluorosen) in den bleibenden Zähnen kommen [8]. Daher gilt es eine Balance zwischen einem größtmöglichen Nutzen und einem geringstmöglichen Risiko zu finden. Als optimale Dosis sieht die European Food Safety Authority (EFSA) 0,05 Milligramm (mg) pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag an [9]. Darauf basieren auch die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [10]. Die EFSA gibt als tolerierbare Tageshöchstmenge für Säuglinge einen Wert für Fluorid von 1 mg pro Tag an, für Ein- bis Dreijährige liegt er bei 1,6 mg pro Tag [11].

Die einheitlichen Empfehlungen zur Kariesprävention lassen bei korrekter Umsetzung, einem Trinkwasserfluoridgehalt unter 0,3 mg pro Liter und strikter Einhaltung der empfohlenen Zahnpastamenge keine Überschreitungen der tolerierbaren Tageshöchstmenge erwarten.

Überdosierung vermeiden – Eltern tragen Zahnpasta auf

Um eine zu hohe Fluoridzufuhr zuverlässig zu vermeiden, ist die korrekte Dosierung der empfohlenen Zahnpastamenge unerlässlich. Säuglinge und Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht ausspucken und verschlucken sie zum Teil. Deshalb ist es notwendig, dass die Eltern oder andere Erwachsene die Zahnpasta in korrekt dosierter Menge auf den Bürstenkopf auftragen, je nach Kindesalter in Reiskorn- oder Erbsengröße. Zahnpasten aus Tuben mit kleinerer Öffnung und solche mit neutraler Farbe und neutralem Geschmack sind zu bevorzugen.

Hinweis für die kinder- und zahnärztliche Beratung: 
Es ist wichtig, Eltern mit praktischer Anleitung zur Zahnpastadosierung zu unterstützen.

Bei Wasser für Flaschennahrung Fluoridgehalt prüfen

Bei nicht gestillten Säuglingen hängt die Fluoridzufuhr insbesondere vom Fluoridgehalt des Wassers ab, das zur Zubereitung von Flaschennahrung verwendet wird. Der Fluoridgehalt des Trinkwassers in Deutschland liegt meist unter 0,3 mg pro Liter. Auskunft über den Fluoridgehalt vor Ort gibt der örtliche Wasserversorger. Mineral- und Tafelwässer können ganz unterschiedliche Fluoridkonzentrationen enthalten. Ist der Fluoridgehalt nicht auf der Verpackung angegeben, gibt der Hersteller Auskunft. 

Bei einem Fluoridgehalt des verwendeten Wassers von 0,3 mg pro Liter und mehr wird für Säuglinge, die ausschließlich oder überwiegend mit Flaschennahrung ernährt werden, kein weiteres Fluorid aus anderen Quellen bzw. eine reduzierte Dosis empfohlen.

Gut und gemeinsam betreut von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten

Sowohl die zahnärztliche als auch die kinderärztliche Praxis unterstützen Eltern beim Thema Mundgesundheit. Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 wird darauf geachtet, dass die Zähne von Anfang an gesund sind und bleiben. Da im Schnitt 98 Prozent aller Kinder die U-Untersuchungen in Anspruch nehmen [12], werden damit nahezu alle Kinder dieser Altersstufe erreicht. 

Ab dem sechsten Lebensmonat bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr werden die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6 angeboten [13]. Dabei untersuchen Zahnärztinnen und Zahnärzte die Mundhöhle des Kindes, schätzen das Kariesrisiko ein und beraten zur Mundhygiene, Ernährung und Anwendung von Fluorid. 

Seit Anfang 2026 sind diese zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen ins gelbe Kinderuntersuchungsheft integriert und die Ergebnisse werden dort eingetragen [14]. Damit wurde die Unterstützung von Familien durch die beiden Fachrichtungen noch stärker vernetzt.

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BLE/Netzwerk Gesund ins Leben

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Die Anwendung von Fluorid von Geburt an in entsprechender Menge kann das Kariesrisiko von Kindern erheblich verringern. Verschiedene Empfehlungen zur Fluoridanwendung bei Säuglingen und kleineren Kindern standen bisher nebeneinander und führten bei Beratungskräften und Eltern zu Unsicherheiten. Nun wurde ein neuer Beratungsstandard geschaffen – nach einem Prozess, den das Netzwerk Gesund ins Leben koordiniert hat. Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Fachgesellschaften und -gruppen haben diese Empfehlungen gemeinsam entwickelt.

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Literatur

[1] Jordan AR, Zimmermann F, Ohm C, Sasunna D, Kuhr K: Deutschland auf den Zahn gefühlt – 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (dms· 6). Köln: Institut der Deutschen Zahnärzte (idz); 2026

[2] Jordan AR, Becker N, Jöhren H-P, Zimmer S. Frühkindliche Karies und Karieserfahrung im bleibenden Gebiss. Eine Kohortenstudie über 15 Jahre. Swiss Dental Journal SSO 2016; 126:120–25

[3] Isaksson H, Alm A, Koch G, Birkhed D, Wendt L K. Caries prevalence in Swedish 20-year-olds in relation to their previous caries experience. Caries Res 2013; 47(3):234–42, https://doi.org/10.1159/000346131

[4] Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Frühkindliche Karies vermeiden. Praktischer Ratgeber für die zahnärztliche Praxis. 3. aktualisierte Auflage. Berlin: KZBV/BZÄK, 2021. Im Internet: https://www.kzbv.de/wp-content/uploads/KZBV2021_ECC_Praktischer_Ratgeber_2_2021-07.pdf; Zugriff: 22.04.2026

[5] Berg, B., Cremer, M., Flothkötter, M. et al. Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Monatsschr Kinderheilkd 2021; 169, 550–558. https://doi.org/10.1007/s00112-021-01167-z

[6] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Für gesunde Zähne: Fluorid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern. Stellungnahme Nr. 015/2018 des BfR vom 31. Mai 2018. 2018, https://doi.org/10.17590/20180531-085715-0

[7] Toumba KJ, Twetman S, Splieth C et al. Guidelines on the use of fluoride for caries prevention in children: an updated EAPD policy document. European Archives of Paediatric Dentistry 2019, https://doi.org/10.1007/s40368-019-00464-2

[8] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Fluorid – Ein wichtiger Baustoff für die Zähne. FAQ, 17.03.2026. Im Internet: https://www.bfr.bund.de/veroeffentlichung/fluorid-ein-wichtiger-baustoff-fuer-die-zaehne/; Zugriff 22.04.2026

[9] EFSA Panel on Dietetic Products Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fluoride. EFSA Journal 2013; 11: 3332

[10] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn, 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025

[11] EFSA Scientific Committee, Bennekou, S. H., Allende, A., Bearth, A., Casacuberta, J., Castle, L., Coja, T., Crépet, A., Hoogenboom, R., Knutsen, H., Lambré, C., Nielsen, S. S., Turck, D., Civera, A. V., Villa, R., Zorn, H., Castenmiller, J., Cheyns, K., Darney, K., Halldorsson, T. (2025). Updated consumer risk assessment of fluoride in food and drinking water including the contribution from other sources of oral exposure. EFSA Journal, 23(7), e9478. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2025.9478

[12] Schmidtke C, Kuntz B, Starker A et al. Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen für Kinder in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2. Journal of Health Monitoring 2018; 3: 68–77

[13] Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (zahnärztliche Früherkennung gemäß § 26 Absatz 1 Satz 5 und Absatz 2 Satz 5 SGB V) (FU-RL) in der Fassung vom 17. Januar 2019 veröffentlicht im Bundesanzeiger (BAnz AT 28.05.2019 B2) zuletzt geändert am 15. Mai 2025 veröffentlicht im Bundesanzeiger AT 24.11.2025 B3 in Kraft getreten am 1. Januar 2026

[14] Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern (Kinder-Richtlinie) in der Fassung vom 18. Juni 2015 veröffentlicht im Bundesanzeiger AT 18.08.2016 B1 zuletzt geändert am 15. Mai 2025 veröffentlicht im Bundesanzeiger AT 26.11.2025 B5 in Kraft getreten am 1. Januar 2026. Zugriff: 22.04.2026